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DIN EN 61000-6-5 (2016)

Neue EMV-Anforderungen im Energiesektor

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Charakterisierung von elektromagnetischen Phänomenen

Im Hinblick auf die Beurteilung des Prüflingsverhaltens unter dem Einfluss elektromagnetischer Störungen, definiert die EN 61000-6-5 drei Klassen von elektromagnetischen Phänomenen:

  • Andauernde Phänomene: z.B. Spannungsschwankungen, Oberschwingungen, gestrahlte hochfrequente elektromagnetische Felder, Magnetfelder, leitungsgeführte Störgrößen, die durch hochfrequente Felder induziert werden
  • Kurzzeitige (transiente) Phänomene mit hoher Auftrittswahrscheinlichkeit: z.B. kurze Spannungseinbrüche, schnelle transiente Störgrößen (Burst), gedämpft schwingende Wellen bzw. Magnetfeld, Entladung statischer Elektrizität (ESD)
  • Kurzzeitige (transiente) Phänomene mit geringer Auftrittswahrscheinlichkeit: z.B. lange Spannungseinbrüche, Spannungsunterbrechungen, Stoßspannungen (Surge), Magnetfelder von kurzer Dauer

Kategorisierung von elektromagnetischen Störphänomenen
Kategorisierung von elektromagnetischen Störphänomenen
(Bild: Phoenix Testlab)

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In Abhängigkeit von der Art der Störung muss das Prüflingsverhalten beurteilt werden. Es ist sinnvoll, dass bei andauernden Phänomenen nur eine geringe bzw. keine Beeinflussung des Prüflings stattfinden darf, während bei kurzzeitigen Phänomenen mit geringer Auftrittswahrscheinlichkeit eine stärkere Beeinflussung akzeptiert werden kann.

Bewertungskriterien für das Prüflingsverhalten

Die DIN EN 61000-6-5 definiert Bewertungskriterien für das Prüflingsverhalten wie jede andere EMV-Störfestigkeitsnorm. Aber hier geht man einen Schritt weiter: Geräte können eine Vielzahl von Funktionen haben. Diese haben aber häufig eine unterschiedliche „Wertigkeit“, so dass mögliche Fehlfunktionen aufgrund von EMV-Einflüssen unterschiedlich starke Auswirkungen haben. Die Auswahl der Prüfung mit dem entsprechenden Schärfegrad und dem jeweiligen Bewertungskriterium für jede Funktion des Prüflings erscheint auf den ersten Blick kompliziert. Auf der anderen Seite ist es aber sinnvoll, Schärfegrad und Bewertungskriterium an die Auftrittswahrscheinlichkeit der Störung bzw. der Funktion des Gerätes anzupassen. Es wird damit sichergestellt, dass wichtige Funktionen des Gerätes entsprechend geschützt sind, aber andererseits der technische Aufwand dort beschränkt wird, wo nur ein geringer Schutz notwendig ist.

Ein Beispiel für das Bewertungskriterium und die Funktion soll dies verdeutlichen:

Eine Mensch-Maschine Schnittstelle, etwa ein Bedienterminal, darf bei andauernden Phänomenen und bei Phänomenen mit hoher Auftrittswahrscheinlichkeit keine Ausfälle zeigen, weil dies für den Bediener eine dauerhafte Beeinträchtigung darstellt. Beispielweise könnte dies eine dauerhafte Einschränkung der Bildqualität auf dem Terminal sein. Für Störungen mit geringer Auftrittswahrscheinlichkeit ist aber Kriterium C (vorübergehende Störbeeinflussung, Eingriff des Bedieners notwendig) zulässig. Das heißt, das Terminal darf so stark gestört werden, dass das Bedienpersonal den vorhergehenden Betriebszustand wieder einstellen muss. In diesem Fall stellt das keine wesentliche Funktionseinschränkung dar, weil das Bedienpersonal direkt am Terminal arbeitet und die Störung nur selten auftritt. Wenn das Terminal allerdings sicherheitsrelevante Funktionen ausführt, gelten die besonderen Anforderungen an Sicherheitstechnik.

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