Patentliteratur

Eine scharfe Waffe im Kampf um Marktanteile

22.06.2006 | Autor / Redakteur: Wolfgang Heisel, Dr. Axel Oldekop* / Johann Wiesböck

Patentschriften aus USA, Deutschland, Japan und der EU – von oben nach unten
Patentschriften aus USA, Deutschland, Japan und der EU – von oben nach unten

Firmen zum Thema

Wer im Kampf um Marktanteile für technische Innovationen ganz vorne mitspielen möchte, kommt um die Lektüre von Patentliteratur nicht herum. Sie gilt mittlerweile als Standardwerk im Rahmen von Innovationsprozessen. Kein anderes Werk verfügt über so detaillierte und vor allem aktuelle Informationen, wenn es darum geht, mit der Technik Schritt zu halten.

Unter Patentliteratur versteht man die erfinderischen Offenbarungen, die in Form von Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen weltweit bei Patent- und Markenämter hinterlegt werden. Patente erfüllen zwei Funktionen: Zum einen sichern sie den Inhaber ein gesetzlich geschütztes Monopol zur Anwendung, Herstellung und Vermarktung einer Erfindung. Zum anderen sind Patente eines der wichtigsten Informationsquellen für Unternehmen, sich frühzeitig über Entwicklungen, Tendenzen, Trends und Märkte der angestammten Technikfelder zu informieren, um kostenintensive Doppelerfindungen zu vermeiden. Durch die strengen Neuheitsanforderungen ist es gerade in Europa für die Unternehmen möglich, sich kostenlos und frühzeitig aktuelle Informationen zu beschaffen. Da nur weltweit absolut neue und zuvor nicht veröffentlichte Erfindungen geschützt werden können, melden Unternehmen und Privatpersonen ihre Erfindungen noch vor Markteinführung, also in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, zum Patent an. Weitere 18 Monate liegen dann zwischen Anmeldung und Bekanntgabe des Patents.

Das Amt veröffentlicht bibliographische Daten in der jeweiligen Sprache des Landes, wo die Patentschrift hinterlegt wurde.

Wissenslücken schließen, Innovationsprozess fördern

Die Wichtigkeit der Erfindung, die Branche und die jeweilige Unternehmensgröße nehmen zusätzlich Einfluss darauf, wie schnell ein Unternehmen mit den betreffenden Produkten in den Serieneinsatz geht. Daher bleibt für Unternehmen genügend Zeit die relevante Patentliteratur zu Neuentwicklungen in ihrem Bereich zu sichten und auszuwerten.

Interessierte Unternehmen können mithilfe der Patentliteratur zum Beispiel spezielle Technologien, Geräte oder Verfahren analysieren. Des Weiteren können Trendprognosen erstellt werden: Wächst die Anzahl der Neuanmeldungen in einem Technikgebiet, deutet dies klar auf eine dynamische Fortentwicklung hin. Nimmt die Anzahl ab, kann angenommen werden, dass in diesem Bereich der Entwicklungshöhepunkt bereits überschritten ist und möglicherweise keine Zukunftsaussichten bestehen.

Die Lektüre von Patentliteratur ist insbesondere zu empfehlen, wenn man auf dem neuesten Stand der Technik sein möchte, den die Patentliteratur sehr systematisch geordnet bietet und aus dem mehr Ideen und Impulse für neue innovative Unternehmungen entstehen als durch technische Fachbücher.

So liest die Firma Robert Conradt Mess- und Regeltechnik in Allensbach am Bodensee regelmäßig auf ihrem Gebiet Patentliteratur, um mögliche Lösungsansätze für ihre Probleme zu ermitteln.

Die Firma Ceposa im schweizerischen Kreuzlingen musste hingegen bei ihrer Lektüre der entsprechenden Patentschriften feststellen, dass sie mehr Konkurrenten auf ihrem Gebiet hatte, als ihr bekannt war.

Online mit der Technik Schritt halten

  • Die im Bereich des Lebensmittelsektors tätige Firma beobachtete mithilfe der Patentliteratur den für sie relevanten Markt und war sehr erstaunt über die Anzahl ihrer direkten Konkurrenten sowie über die Tatsache, was alles patentfähig ist. Mittlerweile hat auch die Firma Ceposa diesen Weg eingeschlagen und versucht, innovative Ideen über Patente anzumelden.
  • Recherchiert werden kann problemlos über Online-Datenbanken. In der Schweiz bietet das Institut für Geistiges Eigentum in Bern (www.ige.ch) mit der Website www.swiss-reg.ch entsprechende Recherchemöglichkeiten an, wenn auch keine Volltextrecherche innerhalb der Patentschrift. Das Deutsche Patent- und Markenamt (www.dpma.de) hält auf seiner Internetseite www.depatisnet.de ein sehr komfortables und kostenfreies Tool bereit, mit dem sogar vom Schreibtisch aus weltweit zum Beispiel Fragen zu bibliographischen Daten recherchiert werden können: Wer hat die Anmeldung vorgenommen? Wer ist der Erfinder? Und welchen Bereichen, so genannten Klassifikationen, können die Erfindungen zugeordnet werden?
  • Der Vorteil von Online-Datenbanken ist unzweifelhaft: unabhängig von Ort und Zeit, können Informationen schnell abgerufen werden. Die Betonung liegt hier auf „schnell“. Denn gerade der Faktor Zeit sichert im Rahmen des Innovationsprozesses Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten.
  • Daher sollte auch die anschließende Lektüre von Patentschriften schnell und effizient erfolgen. Dies ist nicht selbstverständlich, denn es ist wichtig zu verstehen, wie Patentanmeldungen aufgebaut sind. Hilfe findet man bei Patentanwälten, die in der Regel Schutzrechte formulieren. Sie bieten entsprechende Kurse zum Lesen und Verstehen von Patentschriften. Einzelinformationen können bereits beim kursorischen Durchsehen abgefragt werden, sodass auch größere Mengen an Patentliteratur innerhalb kürzester Zeit gesichtet und analysiert werden können.

Heisel & OldekopTel. +49(0)7531 2825990

*Rechtsanwalt Dr. Axel Oldekop und Patentanwalt Dipl.-Ing. Wolfgang Heisel betreiben eine Kanzlei für gewerbliche und Industriekunden in Konstanz.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 177302 / Recht)