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Den geringsten Umsatzrückgang verzeichnete die Lapp Gruppe in Nord-, Mittel- und Südamerika. Die Erschließung neuer Absatzbranchen wie zum Beispiel Öl & Gas versprechen fürs laufende Geschäftsjahr neue Perspektiven.
Schmerzliche Maßnahmen & Optimierung der Strukturen
Die Lapp Gruppe hat sehr frühzeitig bereits im Herbst 2008 auf die ersten Anzeichen der Krise reagiert und vorsorglich Szenarien für mögliche Umsatzeinbrüche entwickelt. Zunächst wurde mit verlängerten Werksferien und mit Kurzarbeit ab Februar an den deutschen Standorten reagiert. Als im 2. Quartal die Umsätze weiter einbrachen, mussten weiter Kosten eingespart werden. Dabei wurde darauf geachtet, die Auswirkungen auf die Belegschaft so gering wie möglich zu halten. Deshalb betrafen rund 70 Prozent der Einsparungen die Sachkosten und nur rund 30 Prozent die Personalkosten. Trotzdem mussten am Standort Deutschland rund 100 Stellen gestrichen werden.
Um den betroffenen Mitarbeitern eine bessere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben und um die Maßnahme besser sozial abzufedern, wurden Beschäftigungs-Gesellschaften gegründet, die von der Lapp Gruppe mit mehreren Millionen unterstützt wurden. Dadurch bekamen die Mitarbeiter bis zu einem Jahr lang nicht nur nahezu ihr volles Gehalt, sie waren auch nicht arbeitslos gemeldet. Zudem wurden sie durch umfangreiche, von der Lapp Gruppe geförderte Fortbildungsmaßnahmen aktiv bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt.
Das Engagement der Lapp Gruppe für die betroffenen Mitarbeiter hat sich durch die intensive Betreuung in der Beschäftigungsgesellschaft und die gezielten Investitionen in Fortbildungsmaßnahmen schon jetzt gelohnt. „Ich bin sehr erleichtert darüber, dass bis heute rund 50 Prozent der ehemaligen Mitarbeiter am Standort Stuttgart wieder einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Das zeigt umso mehr, wie wichtig es ist, in Fortbildung gezielt zu investieren“, sagt Andreas Lapp.
Ein weiterer Schwerpunkt im abgelaufenen Geschäftsjahr war die Optimierung des Working Capitals. Alleine das Vorratsvermögen wurde um einen zweistelligen Millionen-Betrag abgebaut. Mit allen genannten Maßnahmen ist es der Unternehmensführung gelungen, die Liquidität der Lapp Gruppe und damit die Unabhängigkeit des Unternehmens zu sichern.
Als die ersten Impulse auf ein Ende der Talsohle hindeuteten, hat das Unternehmen rasch reagiert und die Kurzarbeit seit September vorzeitig beendet. Damit sollte nicht nur den Mitarbeitern signalisiert werden, dass ihre Jobs sicher sind, sondern auch, dass die Lapp Gruppe den Kunden zuverlässig zur Verfügung steht. Andreas Lapp: „Wir stehen heute im Umfeld der Krise wirtschaftlich relativ gesund da. Wir entwickeln sogar schon wieder Szenarien für weiteres Wachstum.“
Investitionen im Krisenjahr
Trotz massiver Kostensenkungsmaßnahmen wurde auch ein zweistelliger Millionen-Betrag investiert. So wurden im Produktionswerk in Forbach (Frankreich) eine neue Fertigungslinie sowie ein neues Logistikzentrum in Betrieb genommen. Der geplante Neubau eines Logistikzentrums am Standort Stuttgart wurde dagegen vorerst zurückgestellt.
Trotz des schwierigen Umfelds hat die Stuttgarter Lapp Gruppe weiter in Forschung und Entwicklung investiert. Jüngstes Highlight ist die Verwendung von RFID-Technologie bei Kabeln und Steckverbindern. Lapp war es gelungen, winzige, intelligente RFID-Tags in das Kabel oder den Steckverbinder einzupflanzen. Diese RFID-Tags können auch mit Sensorik versehen und individuell programmiert werden, so dass für jeden Anwendungsfall die benötigte Information (Identifikation oder Zustandsgrößen wie z. B. Feuchtigkeit, Druck oder Temperatur) mittels eines Lesegerätes abgerufen und ins IT-System zur Weiterverarbeitung übertragen werden kann. Siegbert Lapp: „Wir haben es damit geschafft unsere Kabel quasi zum Sprechen zu bringen.“
Aber auch die Entwicklung neuer Mantelstoffe und Leitermaterialien tragen zur Zukunftssicherung des Unternehmens bei. Zum Bestseller aus dem ÖLFLEX SOLAR Programm hat sich die neue elektronenstrahl-vernetzte ÖLFLEX SOLAR XLR Leitung entwickelt. Bei der Elektronenstrahlvernetzung - eine Technologie aus der Raumfahrt - werden die Copolymer-Moleküle dazu gebracht, sich untereinander zu vernetzen. Dadurch wird das Material besonders belastbar gegen hohe thermische und mechanische Einflüsse. Desweiteren arbeiten die Forscher der Lapp Gruppe intensiv an der Entwicklung neuer Kunststoffe mit sehr hohem Temperaturbereichen und chemischen Beständigkeiten, die es bisher so auf dem Markt noch nicht gibt.
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