Anbieter zum Thema
Unterschiede der Normen mit Blick auf die Prüfung
Die Normen EN ISO 13849, EN 62061 und IEC 61508 unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, obwohl sie das gleiche Ziel verfolgen, nämlich eine Hilfestellung bei der Entwicklung und Prüfung eines sicheren Produktes zu geben. Die unter der Maschinenrichtlinie harmonisierten Standards EN ISO 13849 und EN 62061 können jeweils zum EG-Konformitätsnachweis verwendet werden und sind kompatibel zueinander. Bei der IEC 61508 hingegen handelt es sich um eine nicht-harmonisierte Norm, daher kann sie auch nicht zum alleinigen Nachweis der Konformität herangezogen werden. Allerdings ist die IEC 61508 ein international anerkannter Standard und bietet dem Entwickler auf Grund des mit sieben Teilen deutlich größeren Umfangs häufig wesentlich detailliertere Hilfestellungen als die beiden harmonisierten Standards. Weitere Unterschiede zwischen den Normen bestehen hinsichtlich der angewandten Verfahren zum Sicherheitsnachweis, der Anwendbarkeit auf verschiedene Technologien und deren Komplexität, sowie der Anforderungen an das Qualitätsmanagement und die Dokumentation.
Die Entstehung der EN ISO 13849
Die EN ISO 13849 ist aus der mittlerweile zurückgezogenen EN 954-1 hervorgegangen und wurde um qualitative (Qualitätsmanagement, Dokumentation) sowie probabilistische (Berücksichtigung der Ausfallwahrscheinlichkeit) Aspekte ergänzt. Die Notwendigkeit dieser Ergänzungen ergab sich aus der Tatsache, dass – im Gegensatz zu den Standards EN 62061 und IEC 61508 – weitergehende Informationen über die Art und Weise der Entwicklung eines sicherheitsgerichteten Produktes und wahrscheinlichkeitstheoretische Betrachtungen in der EN 954-1 nicht enthalten waren.
Die EN ISO 13849-1 hält jedoch an der bewährten deterministischen Fehlerbetrachtungsweise aus der EN 954-1 fest und kann damit als Balanceakt zwischen deterministischer und probabilistischer Fehlerbetrachtung angesehen werden. Ziel der EN ISO 13849 ist die Bestimmung eines Performance Levels (PL) zur sicherheitstechnischen Bewertung einer Komponente oder einer gesamten Sicherheitsfunktion. Der erforderliche Performance Level ergibt sich dabei aus der jeweiligen Risikobeurteilung. Im Folgenden sind die wesentlichen Punkte aufgeführt, welche für die Bestimmung des Performance Levels zu berücksichtigen sind:
- Maßnahmen zur Vermeidung von systematischen Fehlern (QM)
- Safetykategorien (wie in EN 954-1),
- Zuverlässigkeit der Hardware,
- Güte der Fehlererkennungsmaßnahmen (Diagnose, ab Kategorie 2) und
- ausreichende Maßnahmen gegen Ausfälle gemeinsamer Ursache.
Die EN ISO 13849 erhebt den Anspruch, vereinfachte und weniger zeitaufwendige Verfahren zum Nachweis der sicherheitstechnischen Verfügbarkeit bereit zu stellen. Der Sicherheitsnachweis erfolgt hierbei vornehmlich über Tabellen und nicht wie in den Normen EN 62061 und IEC 61508 über Berechnungen. Allerdings sind die vorgenommenen Abschätzungen sehr konservativ und daher nicht immer zielführend. Weiterhin unterliegt die EN ISO 13849 Einschränkungen bezüglich der Anwendbarkeit, z.B. ist ein Sicherheitsnachweis für komplexe programmierbare Elektronik bis Performance Level e mit dieser Norm allein nicht zulässig. Dem gegenüber steht jedoch der Vorteil, dass die EN ISO 13849 (im Gegensatz zu den anderen beiden genannten Normen) nicht nur auf elektrische/elektronische, sondern auch auf mechanische, hydraulische oder pneumatische Komponenten oder Systeme angewendet werden kann.
Zusammengefasst: Die EN ISO 13849 richtet sich vornehmlich an Maschinenbauer, Entwickler (vorzugsweise nieder-komplexe Elektronik) und Systemintegratoren (zur Integration von verfügbaren und geprüften Sicherheitsmodulen), welche aufwendige Berechnungen vermeiden und stattdessen vereinfachte (und damit weniger zeitaufwendige) Verfahren nutzen möchten.
(ID:38391600)