Intertek Sicherheitsvorschriften für Maschinen, Anlagen und Geräte in Nordamerika
Doch es ist einer der wichtigsten Märkte für Maschinen und Anlagen — so müssen Hersteller, die Produkte dorthin exportieren, unterschiedliche Sicherheitsanforderungen und Produkthaftpflichtrisiken berücksichtigen. „Eine Zulassung durch ein akkreditiertes Prüflabor kann viel Ärger ersparen“, weiß Prüfingenieur Thomas Kloft bei Intertek.
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Nordamerika ist anders. — Diese Feststellung machen viele Unternehmen, die ihre Produkte in den USA oder Kanada auf den Markt bringen. Vor allem Hersteller von elektrisch betriebenen Geräten werden mit zahlreichen grundlegenden Unterschieden in den Sicherheitsvorschriften von Nordamerika konfrontiert.
„Die amerikanischen Normen und gesetzlichen Regelungen sind für deutsche und europäische Entwickler nicht immer nachvollziehbar. In den USA existieren keine gesetzlichen Vorschriften, dass ein Produkt beim Eintritt in den Handelsraum ein Konformitätszeichen tragen muss“, so Kloft. Ausgenommen sind hiervon Medizinprodukte, die eine FDA-Zulassung (Hygienevorschriften) benötigen oder Produkte die unter die FCC-Richtlinie (Elektromagnetische Verträglichkeit) fallen.
Inspektion nach dem Zufallsprinzip
Alle kommerziell eingesetzten Produkte müssen jedoch mindestens den gesetzlichen Anforderungen der OSHA entsprechen. Die Occupational Safety and Health Administration (Bundesamt für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) veröffentlicht Richtlinien für die Sicherheit in Betrieben und Arbeitsstellen. Sie verfügt über mehr als 1000 Inspektoren, die jährlich mehrere zehntausend Betriebe und Fertigungsstätten in den USA nach dem Zufallsprinzip inspizieren.
Nur von der OSHA akkreditierte Prüf- und Zertifizierungsinstitute, sogenannte NRTL (Nationally Recognized Testing Laboratories) sind berechtigt, Produkte für den nordamerikanischen Markt zu testen und zu zertifizieren. In Betrieben erfolgt die Genehmigung zur Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen durch lokale Inspektoren, den AHJ (Authority Having Jurisdiction). Diese sind auch unter dem Namen „Code Enforcement Officers“ bekannt. Wird die Konformität einer Anlage oder Maschine mit den Normen angezweifelt, kann diese vorläufig gesperrt werden („Red Tag“).
ETL — zweitgrößtes Sicherheitsprüfsiegel
Ein Prüfzeichen eines NRTL zeigt dem AHJ die Konformität mit den geforderten Normen (ANSI, UL, ASTM, FM) an. Thomas Kloft: „Solch ein Prüfzeichen ist z.B. das ETL-Zeichen, das von Intertek vergeben wird. Es ist das zweitgrößte Sicherheitsprüfsiegel auf dem nordamerikanischen Markt — und das am schnellsten wachsende.“ Neben dem ETL-Listed-Zeichen bietet Intertek auch entwicklungsbegleitende Beratung und andere ETL-Zertifizierungen einschließlich Sanitation (Hygieneanforderungen), Field Labeling (Vor-Ort-Abnahmen), Limited Production Certification (Zertifizierung für Kleinserien) und Panel-Shop-Listing (Schaltschrank-Zulassung) von Deutschland aus an.
„Zum Verkauf der Produkte ist zwar kein Prüfzeichen erforderlich, jedoch ist ein national anerkanntes Prüfzeichen für kommerziell genutzte Maschinen und Geräte ein freiwilliges Muss“, beurteilt der Ingenieur. Oft treten die Probleme nämlich erst während oder nach der Installation beim Kunden auf — etwa während der Erteilung der Betriebserlaubnis durch die AHJ oder als Folge von Kontrollen durch die OSHA. Aber auch bei den Haushaltsgeräten nehmen Handelsketten das Risiko der Produkthaftung bei ungeprüften Produkten nicht auf sich. Und auch Versicherungen, wie Brand- und Haftpflicht beispielsweise, verlangen den Einsatz von geprüften Geräten und Anlagen oder versichern nur gegen erhöhte Prämien.
Bei Unfällen unterscheidet sich die Rechtsprechung in Nordamerika ebenfalls von der deutschen bzw. europäischen. Die Produkthaftung liegt beim Inverkehrbringer, oder im kommerziellen Bereich auch beim Betreiber, eines Gerätes oder einer Maschine. „Wer ohne ein anerkanntes Prüfzeichen auf dem nordamerikanischen Markt agiert, trägt also ein sehr hohes Risiko — wenn die Anlage bzw. Maschine infolge eines Red-Tag gesperrt wird, bzw. es zu hohen, zum Teil die Existenz bedrohenden Schadenersatzsummen kommt“, so Kloft weiter. Die Konformität mit nationalen Sicherheitsnormen entbinde zwar nicht von der Produkthaftung, dokumentiere jedoch die eingehaltene Sorgfaltspflicht des Herstellers und kann so die Risiken in einem Gerichtsprozess erheblich reduzieren.
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