Frontplattenschnittstelle

So nützlich kann ein kleines Bauteil für den Schaltschrank sein

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Steckdose normkonform abgesichert

Im industriellen Bereich müssen Steckdosen bis 20 A durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) abgesichert werden. Das fordern die Normen VDE 0100-410 („Errichten von Niederspannungsanlagen“), EN 60204-1 Entwurf 2011 („Sicherheit von Maschinen - Elektrische Ausrüstung von Maschinen“) und die für Nordamerika gültige NFPA79 („Electrical Standard for Industrial Machinery 2007 Edition“).

In Modlink MSDD kann deshalb ein handelsüblicher 2-poliger Schutzschalter integriert werden. Die daneben befindliche Steckdose wird damit normkonform abgesichert. Nach einem Fehler lässt sich der Schutzschalter einfach zurücksetzen, ohne die Schaltschranktür öffnen zu müssen. Für die Datenkommunikation kann dieser Einsatz, je nach Bedarf, mit USB-A- oder RJ45-Anschluss versehen werden. Dadurch ergibt sich eine vollständige Programmierschnittstelle inklusive abgesichertem (und länderspezifische wählbarem) Stromanschluss - eine sichere Anwendung und einzigartige Lösung.

Auf dem amerikanischen Markt kommen Steckdosen der Art NEMA 5-15 oder GFCI 5-15 (mit integrierter Schutzeinrichtung) zum Einsatz. Auch die Modlink-MSDD-Einsätze können hier sämtliche gängige Datenanschlüsse integrieren. Darüber hinaus ist es dort Usus, Steckdosen zusätzlich mit einer 3A-Sicherung abzusichern. So wollen die Endanwender sicherstellen, dass die Steckdosen am Schaltschrank wirklich nur für ihren eigentlichen Einsatzzweck – das Anschließen eines Laptops – genutzt werden, nicht aber für die Stromversorgung größerer Gerätschaften. Aus diesem Grund sind auch entsprechende Sicherungen in die Einsätze integrierbar.

Zertifizierung: Standard- und kundenspezifische Einsätze

Für den internationalen Einsatz sind Zulassungen wichtig. Die Frontplattenschnittstellen mit der von Schaltschränken bekannten Doppelbart-Schließung sind bei UL nach cURus zugelassen. Sie sind damit sowohl von Herstellern in den USA und Kanada sowie von Unternehmen, die in diese Länder liefern, problemlos einsetzbar. Eine Konstruktionszulassung bedeutet: Die Zertifizierung umfasst nicht nur Standard-, sondern auch kundenspezifische Einsätze. Neukonfigurierte Einsätze sind somit sofort nach cURus zugelassen und ohne Wartezeit und langwierige Zulassungsprozeduren verwendbar.

Schaltschränke auf dem amerikanischen Markt sind nach einem speziellen NEMA/UL Type Rating spezifiziert. Wird ein Ausschnitt zum Beispiel in die Tür geschnitten, dann geht diese Spezifikation verloren. Dies lässt sich allerdings vermeiden, wenn der Einbaurahmen der Schnittstelle über eine solche Spezifikation verfügt. Die Modlink-MSDD-Einbaurahmen sind nach NEMA/UL Type Rating 1, 4, 4x, 12 und 13 zertifiziert und tragen so zu Normerfüllung bei.

Eine praxiserprobte Lösung bei Krones und Shenyang

Wie sich der Einsatz der Frontplattenschnittstellen in der Praxis darstellt, erläutert Roland Kerscher. Er ist Gruppenleiter Standardisierung Forschung & Entwicklung bei Krones im bayerischen Neutraubling: „Wir bauen Modlink MSDD in Schaltschränken und in Maschinengehäusen ein. Damit schaffen wir einen Zugang zur Steuerung. Die Steckdose nutzen wir zur Stromversorgung des Laptops, mit dem USB-Steckplatz schaffen wir Zugriff auf Visualisierungen und über den RJ45-Steckplatz integrieren wir die Maschinen ins Netz.“ Besonders interessant ist für Krones, dass dadurch Schaltschränke nicht mehr geöffnet werden müssen. Das sei unheimlich praktisch und wichtig, erklärt Kerscher: „In den Brauereien unserer Kunden dampft es und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Darum werden unsere Schaltschränke mit Klimageräten betrieben. Beim Öffnen dieser Schränke tritt zwangsläufig Staub und vor allem feuchte Luft ein. Dann beschlagen die Komponenten im Schrank und eine Betauung tritt ein. Das schadet den Bauteilen und kann den ganzen Schaltschrank lahm legen. Durch die Verwendung von Modlink MSDD vermeiden wir das.“

Yan Hao Ming, der bei der Shenyang Machine Tool der Verantwortliche für die Inbetriebnahme ist, erklärt weitere Vorteile: „Wenn wir eine Anlage in Betrieb nehmen, müssen wir regelmäßig auf die Steuerung zugreifen. Bislang stand dafür sehr häufig die Schaltschranktür offen. Das war wegen der spannungsführenden Teile gefährlich. Deshalb haben wir aufwendige Schutzzäune errichtet, um einerseits die Mitarbeiter zu schützen und andererseits unbefugten Zugang zu vermeiden. Mit dem Einsatz von Modlink MSDD bleibt die Schaltschranktür dauerhaft geschlossen und wir können auf Schutzzäune verzichten. Dadurch sparen wir eine Menge Arbeitszeit ein. Für uns ist das ein kleines Bauteil mit einem großen Nutzen.“

SPS IPC Drives: Murrelektronik, Halle 9, Stand 325

* Bastian Baier, Senior Produktmanager Power Supplies & Interface; Alexander Hornauer, Corporate Marketing; beide Murrelektronik

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