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Sensorik

Studenten entwickeln Koffer, der automatisch folgt

| Redakteur: Katharina Juschkat

Nie mehr Koffer schleppen: Vier Studenten der Universität des Saarlandes haben einen Koffer entwickelt, der mittels Kamera, Sensoren und Steuerung automatisch seinem Besitzer folgt.

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Ein Koffer, den man nicht mehr tragen muss: Der „Smartcase“ wurde von vier Studenten entwickelt.
Ein Koffer, den man nicht mehr tragen muss: Der „Smartcase“ wurde von vier Studenten entwickelt.
(Bild: Oliver Dietze)

Heutzutage gibt es smarte Uhren, smarte Telefone, smarte Fernseher und smarte Kühlschränke – warum also nicht auch smarte Koffer? Studenten der Universität des Saarlandes wollen mit ihrem smarten Koffer dafür sorgen, dass Reisende in Zukunft ihre Hände für Wichtigeres frei haben.

Koffer verfolgt den Besitzer

Der „Smartcase“ genannte Prototyp, den die vier Nachwuchsforscher gerade entwickeln, heftet sich an die Fersen – oder bei Rollstuhlfahrern auch an die Felgen – seines Besitzers und fährt ihm oder ihr hinterher. Möglich wird dies durch eine Kombination aus Kamera, Sensoren und einer pfiffigen Regelung und Steuerung.

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„Wir denken dabei gerade auch an Menschen mit Einschränkungen wie Gehbehinderungen. Ihnen könnte solch ein intelligenter Koffer unabhängigeres Reisen möglich machen“, erklärt Joshua Summa, der Systems Engineering an der Universität des Saarlandes studiert. Gemeinsam mit seinen Studienkollegen Till Mertin, Nick Kempel und dem Informatikstudenten Joshua Arens, baut der angehende Ingenieurwissenschaftler derzeit einen intelligenten Koffer, der das Reisen künftig stressfreier machen soll.

Prozessor plant Route permanent neu

Der „Smartcase“-Prototyp ist in der Lage, sich an die Fersen einer bestimmten Zielperson zu heften, und dann konsequent ihre Verfolgung aufzunehmen. „Unser System beruht auf einer Kombination mehrerer Sensoren“, erklärt der Student Summa. Kernstück ist eine Kamera, die denjenigen erkennt, dem sie folgen soll, und jede seiner Bewegungen erfasst. Hinzu kommen drei Ultraschallsensoren, die unter anderem permanent Entfernungen messen und so etwa dabei helfen, Hindernisse zu erkennen und ihnen, wenn nötig, auszuweichen.

Die Messdaten der Sensoren laufen in einem Mikro-Prozessor zusammen, der die Informationen auswertet, weiterarbeitet und entsprechende Befehle an die Elektromotoren der Räder des Koffers weitergibt. Das haben die Studenten dem Prozessor beigebracht. „Wir haben das System so angelernt, dass es mit den Daten der Sensoren die Route permanent neu berechnen kann und entsprechende Signale an den Motor sendet“, erklärt Joshua Summa.

Weitere Anwendungen in Logistik möglich

„Die Einsatzmöglichkeiten eines solchen Sensorsystems lassen sich noch weiterdenken: etwa im Transportbereich oder in der Lagerlogistik“, erläutert Summa das weitere Potenzial der Erfindung.

Die Idee zum smarten Koffer hat ihren Ursprung in einer Vorlesung von Professor Seidel über Mikromechanik. Diese gilt an der Saar-Uni bereits seit Langem als Ideenschmiede für besondere Prototypen: Ein anderes Studententeam hat etwa einen kopfgesteuerten Rollstuhl entwickelt. Besonders erfolgreich war auch ein Sensorsystem gegen Falschfahrer, das in Leitpfosten eingebaut werden kann: Die Jungforscher, die dieses System entwickelt hatten, wurden mehrfach ausgezeichnet

Mit ihrem Prototyp „Smartcase“ nehmen die Bachelor-Studenten Joshua Summa, Till Mertin, Nick Kempel und Joshua Arens Ende Oktober am Cosima-Wettbewerb in Berlin teil. Der Studentenwettbewerb, der jedes Jahr vom VDE ausgeschrieben wird, soll dazu beitragen, neue Einsatzmöglichkeiten von Mikrosystemen zu finden.

Buchtipp

Das Buch Industriesensorik beschreibt die Entwicklung und die praktische Anwendung der wichtigsten Sensoren. Durch anwendungsbezogene Fehleranalysen von Messsystemen, Sensoren und Sensorsystemen, jeweils ergänzt durch viele detaillierte, vollständig durchgerechnete Anwendungsbeispiele, eignet sich das Buch nicht nur für Studenten, sondern auch für Ingenieure und Techniker verschiedener Fachrichtungen.

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