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RFID-System - Einblick in die Speise-Röhre

Transparenz bei einer automatischen Wagen-Transportanlage im Universitätsklinikum

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Absolute Transparenz

Im Gegensatz zu der einfachen binären Kodierung, die am UKD vor der Erneuerung der AWT-Steuerung verwendet wurde, bietet die RFID-Technologie absolute Transparenz. Vor dem Umbau auf RFID konnte lediglich der Containertyp identifiziert werden, der mittels induktiver Sensoren über Metall-Targets in der Stoßleiste erfasst wurde. „Im neuen Leitsystem haben wir jetzt alle relevanten Informationen, um die Container zu verfolgen. Wir wissen, wo sie sich befinden, wie lang sie auf einer Station verweilen, aber auch, wann sie gewaschen werden müssen, denn nicht jeder Container benötigt nach jedem Umlauf eine Reinigung. Das schafft eine nie gekannte Transparenz, die es uns ermöglicht, das System höchst effizient zu betreiben und die Daten vielfältig zu nutzen“, freut sich Scherring.

Da sich die Transportwege und -zeiten jetzt lückenlos dokumentieren lassen, nutzt man die RFID-Daten im UKD nun auch für weitergehende Aufgaben: So verlangt etwa das europäische Lebensmittelrecht im Rahmen der HACCP (Hazard Analysis Critical Control Points) eine Dokumentation der Herstellungs- und Transportvorgänge bei Lebensmitteln. Innerhalb von maximal 20 Minuten müssen die Speisen mit einer bestimmten Mindesttemperatur auf der Station sein. Die erfassten Daten tragen aber auch direkt zu Einsparungen bei, etwa beim Sterilgutversand. „Aufgrund der RFID-Daten können wir zum Beispiel die Umlaufgeschwindigkeit der Sterilversandcontainer erhöhen. Und je höher die Geschwindigkeit, desto weniger OP-Siebe werden benötigt“, sagt Scherring, der die Entscheidung für RFID nicht bereut hat.

In der Container-Waschanlage trotzen die RFID-Tags Feuchtigkeit und Hitze (Archiv: Vogel Business Media)

Zu Beginn der Projektierungsphase stand auch die Überlegung im Raum, die Identifikation mittels Barcode zu realisieren. Von dieser Idee ist man aber schnell abgerückt, vor allem im Hinblick auf die enormen Belastungen bei der Reinigung in der Containerwaschanlage. Das Fünfkammersystem wäscht die Behälter zunächst mit 45°C vor, um dann bei 70°C eine Hauptwäsche mit alkalischem Reiniger und bei 80°C eine Spülung durchzuführen. Zum Schluss folgen zwei Kammern, in denen 100°C heiße Luft die Trocknung übernimmt. Während ein Barcode diese Tortur nicht sehr oft überstehen dürfte, zeigen sich die RFID-Datenträger von Turck absolut immun gegen die Behandlung.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Der Reader liest den in der Stoßleiste eingeschraubten RFID-Tag aus (Archiv: Vogel Business Media)

Die Datenträger waren in der ersten Projektphase die größte Herausforderung, denn bei mehr als 1100 Containern, die mit den neuen Tags ausgerüstet werden mussten, zählt jede Montageminute, die eingespart werden kann. „Aufwändige Umbaumaßnahmen zum Anbringen der Tags wären für uns ein KO-Kriterium gewesen“, erklärt Projektleiter Scherring. Bei der großen Menge an Containern musste also eine Lösung her, die eine möglichst einfache Umrüstung erlaubt. Obwohl Turck bereits eine Vielzahl applikationsoptimierter Datenträger im Programm hatte, war die ideale Lösung seinerzeit nicht dabei: Entweder hätte man einen RFID-Tag, der dann allerdings nicht geschützt gewesen wäre, auf die umlaufende Kunststoffschutzleiste aufschrauben müssen oder man hätte einen Aufnahmeschlitz in die Leiste fräsen müssen, was wiederum zu aufwändig gewesen wäre.

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