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Nachgefragt: Sensorik 4.0

Wer löst die Henne-Ei-Frage für die Zukunft der Sensorik?

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Was halten Sie von der Aussage, dass es einen Sensor für Industrie 4.0 – also einen Smart Connected Sensor – noch gar nicht gibt?

Dr. C. Thomas Simmons: Das kann man anhand von Beispielen widerlegen, ein schönes liefert die Firma STW, Sensor Technik Wiedemann, als klassischer Mittelständler. Bereits seit Jahren ermöglicht STW einem Hersteller mobiler Landmaschinen durch ein eingebautes Condition Monitoring die Orts- und Lageerkennung mit telemetrischer Datenübertragung. Die Daten werden in der Zentrale gesammelt und ausgewertet. Mit den gewonnenen Erkenntnissen kann der Kunde frühzeitig Verschleißteile auswechseln, bevor es zum Maschinenstillstand kommt und er kennt jederzeit den Standort seiner Maschinen.

Prof. Andreas Schütze: Ein weiteres Beispiel kennen wir von der Firma Dräger, die bereits den Schritt vom Messtechnik-Lieferanten hin zum Messwert-Lieferanten im Bereich Industrial Safety vollzogen hat. Dräger bietet einen Container mit Messgeräten an, mit einer allabendlichen Wartung, die bei Großrevisionen in Raffinerien genutzt werden. Die Abrechnung erfolgt bereits auf Basis der genutzten Messwerte.

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Auf der Sensor+Test adressieren Sie seit diesem Jahr mit einem Sonderforum das Thema Vernetzung. Inwieweit ist die AMA selbst zu diesem Thema aktiv?

Holger Bödeker: Dass unsere Messe in diesem Jahr dem Thema „Messtechnik in der Cloud“ besonderen Raum gegeben hat, ist ja bereits ein Ergebnis unserer Verbandsarbeit. Im Ausstellerbeirat der Sensor+Test arbeiten rund 20 AMA Mitglieder engagiert an der richtigen Strategie für die Messe.

C. Thomas Simmons: Im AMA Verband gibt es neben der Sensor+Test verschiedene Gremien und Arbeitskreise, die sich mit dem Thema ‚Sensorik für die Industrie 4.0‘ beschäftigen. Der Arbeitskreis Marketing und Vertrieb ebenso wie der AMA Wissenschaftsrat und der neugegründete Arbeitskreis ‚Industrie 4.0‘. Auch das Angebot der AMA Weiterbildung bietet spezielle Seminare zur Wissensvermittlung und Hands-on-Trainings. Dabei geht es einerseits um die Entwicklung von Industrie-4.0-Lösungen für Kunden unserer Mitglieder, andererseits auch darum, entsprechende Ansätze in der eigenen Fertigung zu etablieren. Selbstverständlich pflegen wir den Kontakt zu anderen Verbänden wie dem VDMA, dem ZVEI, der DECHEMA und dem IVAM. Seit Anfang des Jahres ist AMA auch Kooperationspartner des BMBF-Projektes ‚Expert 4.0‘. Denn die Herausforderungen liegen bekanntlich nicht nur auf der technischen Ebene, sondern betreffen unter anderem auch die Personalentwicklung, einschließlich ihrer Aus- und Weiterbildung.

Am 29. Juni 2016 hat der Verband einen neuen Arbeitskreis „Industrie 4.0“ gegründet, um mit den Industriemitgliedern unter anderem neue Geschäftsideen für die Sensorik zu entwickeln. Gibt es bereits erste Ergebnisse? Welche Weichen müssen Sie stellen, wer sind die Gründungsmitglieder?

C. Thomas Simmons: Auf Initiative von Thomas Röttinger, Pewatron, und Christoph Kleye, IS-Line und Mitglied des AMA Vorstandes, und mehr als 50 weiteren AMA Mitgliedern, gründete sich der Arbeitskreis ‚Industrie 4.0‘. Im Fokus dieses Arbeitskreises stehen die zukünftigen Geschäftsmodelle, etwa der Verkauf von Messwerten statt Sensoren bzw. Messsystemen, die sich für unsere Mitglieder aus einer ‚Industrie 4.0‘ ergeben.

Prof. Andreas Schütze: Bereits im März 2016 beschäftigten wir uns im AMA Wissenschaftsrat mit dem Thema Industrie 4.0. Dort fokussierten wir uns primär auf Technologien, z.B. den Bedarf für mehr sensornahe Signalvorverarbeitung, um die Kommunikations- und Leitebenen nicht mit einer riesigen Datenmenge zu verstopfen. Naheliegende Anwendungen sehen Experten insbesondere im Bereich der Bauteilverfolgung, sowohl mit bekannten Ansätzen wie RFID-Tags, als auch ohne jegliche zusätzliche Kennzeichnung, und im Condition Monitoring von Produktionsanlagen für gleichbleibend hohe Produktqualität und vorausschauende Wartung.

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Redakteurin online/print bei elektrotechnik AUTOMATISIERUNG, elektrotechnik