Interview mit Pepperl+Fuchs

„Amerika tendiert zum Think Big“

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Auf was sollten europäische Unternehmen in den USA achten?

Wenn wir über I4.0 sprechen, reden wir ja auch notwendigerweise über Software. Auch wenn es in vielen Situationen darum geht, wie Maschinen mit anderen Maschinen kommunizieren, sind Benutzer-Interfaces immer noch mit im Spiel. Und genau hier gehen die Erwartungen und Geschmäcker recht weit auseinander. Mal übertrieben gesprochen ist es das Ziel eines europäischen Unternehmens, eine Software bereitzustellen, in der über 500 Parameter eingestellt werden, die einen acht Wochen Trainingskurs voraussetzt; nach dem Informatikstudium versteht sich, die alles nur erdenkliche leisten kann und dann auch wirklich jede nur irgendwie verfügbare Information liefert. Perfektion ab der ersten Minute. Ebenso übertrieben gesprochen ist der US-Ansatz der, dass die Software drei Buttons hat und man nach 20 Sekunden ein irgendwie brauchbares Ergebnis sieht. Wenn man dann mehr will/braucht, geht das zwar auch, aber vielleicht nur über aktive Anpassung mit Hilfe des Softwareunternehmens … kostenpflichtig. Das wichtige hierbei ist die dahinterstehende Philosophie:

Als Deutscher, vielleicht auch Europäer, versucht man jeden nur erdenklich Fall zu behandeln, ist dann aber auch der Ansicht, alles gelöst zu haben. Weil das aber so viel Arbeit war ‚weiß man‘, dass die Lösung gut ist.

Der amerikanische Ansatz ist von Versuch, Scheitern und Neuversuch geprägt. Dieser Iterative Prozess wirkt zwar ‚primitiver‘, ist aber der breiten Masse zugänglicher und verständlicher und führt schnell zu Teilergebnissen.

Die Hannover Messe soll genutzt werden, um das Freihandelsabkommen TTIP voranzubringen. Stehen Sie dahinter oder sehen Sie das, wie dessen Kritiker, eher als Machtzuwachs für internationale Konzerne, unter dem Deckmantel des Freihandels?

Da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass Handelsbeschränkungen langfristig einem Land oder einer Region eher schaden. Wenn es über solch ein Abkommen gelingen könnte, die vielen lokalen Regeln, die zum Beispiel allein bei unseren Produkten zu beachten sind wie CE, UL, R&TTE und FCC, zu reduzieren, wäre vielen damit geholfen. Jede dieser Regeln kann an sich gut erklärt werden und behandelt im Kern etwas, was auch sicherlich reguliert werden muss. Leider gibt es sehr viel Redundanz, die zu extra Arbeit führt, wodurch die hiermit verbundenen Kosten und Verzögerungen erheblich sind. Das sieht dann alles mehr oder weniger wie eine 'barrier to entry' aus; Innovation wird somit sicherlich verlangsamt und unterdrückt.

Hannover Messe, Pepperl+Fuchs, Halle 9, Stand D76

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