Interview mit Pepperl+Fuchs „Amerika tendiert zum Think Big“

Autor: Dipl. -Ing. Ines Stotz

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Dr. Helge Hornis, Director Technology, Factory Automation in den USA bei Pepperl+Fuchs: „Der amerikanische Ansatz ist von Versuch, Scheitern und Neuversuch geprägt.“
Dr. Helge Hornis, Director Technology, Factory Automation in den USA bei Pepperl+Fuchs: „Der amerikanische Ansatz ist von Versuch, Scheitern und Neuversuch geprägt.“
(Bild: Pepperl+Fuchs)

Dr. Hornis, die Hannover Messe steht in diesem Jahr im Zeichen Partnerland USA. Auch für Pepperl+Fuchs ist dies ein wichtiger Markt. Welche Bedeutung hat er für einen Sensorhersteller? Ein Zukunftsmarkt?

Pepperl+Fuchs ist seit über 30 Jahren als aktiver ‚Spieler‘ in Nord Amerika zu Hause und hat es in dieser Zeit geschafft, Automatisierung maßgeblich mitzugestalten. Das verwundert aber nicht sonderlich, wenn man bedenkt, dass wir mit der Erfindung des induktiven Näherungsschalters nicht nur die Entstehung einer ganzen Industrie angestoßen haben, sondern damit die Automatisierung wie wir sie kennen überhaupt erst ermöglicht haben. Das gilt für Europa, Asien und natürlich auch die USA.

Seit einigen Jahren findet hier ‚in-shoring‘ in erheblichem Maße statt und intelligente, automatisierte Systeme spielen hierbei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sehen wir die Wiedergeburt der US Automobilindustrie sowie die Entstehung der E-Mobility, die ja ohne Zweifel von Unternehmen in den Vereinigten Staaten technologisch als auch kundenbezogen dominiert wird. Wenn Sie dann noch die durchaus positiven sozioökonomischen Daten, wie Geburtenrate und wachsendes Bildungsniveau in Betracht ziehen, kommt man schnell zum Schluss, dass die Zeichen für den US-Markt sehr positiv sind. Somit ein klares Ja zum Zukunftsmarkt.

Es sollen vergleichsweise wenige US-Fertigungsunternehmen in neue Sensortechnologien investieren. Stimmt das? Eine große Chance für deutsche Sensorik?

Deutsche Unternehmen genießen nach wie vor einen guten Ruf, insbesondere auch wenn es um Sensorik geht. Firmen wie Pepperl+Fuchs bieten US-Kunden so ziemlich alles, was sie brauchen, um innovative Anlagen zu planen und umzusetzen. Fertigungsunternehmen tendieren allgemein aber dazu konservativ zu sein. Das geht selbstverständlich nur bis zu einem gewissen Punkt, wenn alte Methoden einfach nicht mehr greifen. Deutsche Sensorikanbieter sind dann hervorragend platziert, um am nächsten Technologieschub zu partizipieren. Ich möchte aber davor warnen, US-Unternehmen abzuschreiben. Die Risikobereitschaft der lokalen Unternehmen ist nicht zu unterschätzen und hieraus ergeben sich neue Möglichkeiten.

Ob man es mag oder nicht, Amerika tendiert zum ‚Think Big‘ und Firmen agieren oft mit Blick auf konsumentengetriebene Märkte, die erhebliche Economies-of-Scale-Vorteile bringen. Wenn solch eine Technologie dann in den Automatisierungsmarkt passt, hat sie das Potential sich disruptiv in unserer Industrie wiederzufinden. So haben zum Beispiel US Firmen schon recht früh erkannt, dass Ethernet eben nicht nur im Buero und zu Hause, sondern auch im industriellen Umfeld erhebliche Vorteile und somit Erfolg haben kann. Genau unter diesem Aspekt investiert Pepperl+Fuchs in Industrie 4.0 sowie Sensorik 4.0.

In welchen Industriezweigen ist Ihre Sensorik dort besonders gefragt?

Sensorik hoher Qualität ist immer dann gefragt, wenn Stillstandszeiten zu vermeiden sind; das ist natürlich nicht auf einzelne Industriezweige beschränkt. Dennoch finden sich unsere Produkte besonders häufig in der Automobilindustrie, in Lagertechnikanlagen und Sondermaschinen. Getrieben durch die Anforderungen des US-Marktes, haben wir schon vor vielen Jahren die Pile Driver Sensorfamilie entwickelt und mit großem Erfolg in vielen Ländern zur Anwendung gebracht. Die elektrische sowie mechanische Qualität dieser ‚Metal Face‘-Produkte wird von unseren Kunden besonders geschätzt und kommt immer dann zum Tragen, wenn konventionelle Lösungen einfach nicht standhalten. Obgleich Pepperl+Fuchs ein mittelständisches Unternehmen mit deutschen Wurzeln ist, haben wir zweifelsohne eine sehr globale Ausrichtung. Your Automation our Passion wird bei uns wirklich jeden Tag gelebt. So waren wir zum Beispiel das weltweit erste Unternehmen, das eine RFID-Lösung für Ethernet/IP vorgestellt hat. Eine Netzwerktechnologie, die primär in den USA vorangetrieben wurde und hier, sowie insgesamt auf beiden amerikanischen Kontinenten, besondere Bedeutung und Dominanz hat.

Auf welche Themen setzen Sie dort? Auch Digitalisierung?

Die Digitalisierung der Werke ist ohne Frage auch hier ein Thema. Allerdings wird es deutlich stärker von der Basis aus getrieben. Das Thema Smart Home zeigt, was möglich ist, begeistert die Menschen, und erzeugt somit eine Erwartungshaltung bei den Ingenieuren im professionellen Umfeld. Diese fragen sich dann, warum sie den Status ihres Garagentors, der Heizung und Haustür über Smartphone und Tablets jederzeit und von überall abfragen können, nicht aber denselben Diagnosezugriff auf die Produktionsanlagen haben, für die sie verantwortlich sind. Industrial Internet of Things muss das beantworten.

Aber es gibt natürlich auch Themen, die deutlich näher am Prozess sind. Industrielle Sensornetzwerke sind immer noch ein wichtiges Thema und wir setzen darauf, zunehmend mehr Produkten die Fähigkeit zu geben, direkt oder indirekt über Ethernet zu kommunizieren. Genau diese Überlegungen haben Pepperl+Fuchs dazu bewogen mit unsrem Smart-Bridge-Konzept zu zeigen, welche Vorteile intelligente Sensoren in Verbindung mit Cloud-Lösungen und Smartphone oder Tablets bringen. AS-Interface ist eine weitere Technologie, die wir mit wachsendem Erfolg in den US anbieten.

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Über den Autor

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Fachredakteurin Automatisierung, Maschinenbau-Ingenieurin, Fachjournalistin seit 2001; Vogel Communications Group