System mit Digitalkameras scannt Feldoberfläche Bildverarbeitung macht Landwirtschaft grüner
Digitale Bildverarbeitungstechnologien sind inzwischen in der industriellen Inspektion weit verbreitet und prüfen die Produktqualität, steuern Automaten oder optimieren Prozesse. Auch in der Landwirtschaft kann der Einsatz von Machine-Vision die Produktivität steigern, die Kosten senken und dabei auch die Umwelt schonen. Also entwickelten Forscher der Universität Wageningen in den Niederlanden ein neuartiges System zur automatischen Erkennung und Bekämpfung von Unkraut auf dem Feld.
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So wie das Unkraut in jedem Garten kaum zu bewältigen ist, so ist es auch auf den Feldern in der Landwirtschaft. Ein typisches Beispiel ist die Wildkartoffel, wie sie etwa auf Zuckerrübenfeldern wächst. Dabei handelt es sich um übrig gebliebene Kartoffelpflanzen, die wild nachwachsen, nachdem im Folgejahr das Feld auf einen anderen Anbau wie Zuckerrüben umgestellt wurde. Das Kartoffel-Unkraut überträgt Fadenwürmer (sog. Nematoden) und kann auch Krankheitserreger wie die Phytophtora Infestans auf dem Feld verbreiten. Auf einem mehrere Hektar großen Feld können Menschen unmöglich jede einzelne Wildkartoffel herausgraben, also kommt zur Bekämpfung meist nur noch die chemische Keule in Frage: Um einige verstreute Unkrautpflanzen zu vernichten wird das ganze Feld mit Pestiziden bespritzt, die natürlich auch an die absichtlich angebauten Pflanzen gelangen.
Die Niederlande sind für ihre fortschrittliche und sehr produktive Landwirtschaft bekannt, die einen Spitzenplatz in der Agrarwissenschaft belegt. So verwundert es nicht, dass sich Forscher aus dem flachen Land dieses Problems der Unkrautvernichtung angenommen haben. Das fünf Jahre dauernde Projekt der Abteilung Landwirtschaftstechnologie der Universität Wageningen war Bestandteil einer Doktorarbeit und wurde von der STW-Stiftung für Technologie (Utrecht) unterstützt.
Riesiger Ackerscanner
Ziel des Projekts war es, Unkrautkartoffelpflanzen auf dem Feld zu erkennen und gezielt zu bekämpfen, ohne die ganze Ackeroberfläche und vor allem die Zuckerrübenernte zu kontaminieren. Schnell stellte sich heraus, dass ein Bildverarbeitungssystem notwendig war, um die Pflanzen auf dem Feld zu erkennen und anschließend gezielt zu bespritzen.
Mit Unterstützung vom niederländischen Bildverarbeitungsspezialist Data Vision, Allied Vision Technologies‘ Vertriebspartner im Benelux, entwickelten die Forscher ein mobiles System, das von einem Traktor geschleppt werden kann. Dieser Riesenscanner erfasst die Bodenoberfläche und erkennt Wildkartoffelpflanzen. Diese werden anschließend von einer Mikrosprühanlage gezielt mit Herbizid bespritzt.
Unkraut erkennen und gezielt bekämpfen
Das gesamte System ist auf einem Anhänger montiert, der von einem Schlepper über das Feld gezogen wird. In einer ersten Etappe muss das Unkraut erkannt werden. Hierzu werden zwei Marlin F-201-Digitalkameras von Allied Vision Technologies eingesetzt. Beide Kameras sind mit einem 2-Megapixel Sensor ausgestattet; allerdings handelt es sich bei der einen Kamera um eine Farbversion, bei der anderen um eine infrarotempfindliche Monochromvariante mit 780 nm IR-Pass-Filter. Die Kameras haben zwei Funktionen: Zum einen die Lokalisierung der Pflanzen auf dem Erdhintergrund; zum anderen die Identifizierung der Pflanzen als Unkraut oder Nutzpflanze.
Bei einer erfassten Bodenfläche von 150 × 18 cm wird eine Auflösung von knapp über 1 Pixel/mm erreicht (1,08 Pixel/mm). Für optimale, vergleichbare Bilder sind die Kameras in einem nach unten offenen Kasten montiert, in dem fünf Xenon-Scheinwerfer für eine kontrollierte Beleuchtung sorgen. An einem der Räder des Anhängers ist außerdem ein Entfernungsmessgerät installiert, um die genaue Position des Bilds auf dem Feld zu dokumentieren.
Für die Steuerung der Bilderfassung und die Bildanalyse setzten die holländischen Entwickler auf National Instruments Hardware (NI PXI System mit Virtex-5 FPGA) und Software (NI LabView).
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