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BMW Der Befähiger

| Redakteur: Robert Weber

Porträt BMW will der gute Autobauer sein. Die Autoproduktion soll weniger Strom verbrauchen und auch bei der Energieversorgung setzen die Bayern auf Nachhaltigkeit. Gesteuert werden die Bemühungen in den zahlreichen Werken aus München. Die Energiemanager vor Ort sollen unternehmensübergreifend denken. Ein Besuch in Leipzig.

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Er haucht den Batterien des Elektroautos i3 neues Leben ein. Stefan Köhn verantwortet den Energie- und Gebäudebetrieb im Werk Leipzig.
Er haucht den Batterien des Elektroautos i3 neues Leben ein. Stefan Köhn verantwortet den Energie- und Gebäudebetrieb im Werk Leipzig.
(Bild: Robert Weber, VBM)

Stefan Köhn ist sparsam. Der Maschinenbauingenieur übergibt seine Visitenkarte, die Handynummer ist mit Kugelschreiber ausgebessert. „Es hat sich ja nur die Vorwahl geändert“, schiebt Köhn schnell nach. Sparsamkeit gehört zu seinem Beruf. Köhn verantwortet im BMW-Werk Leipzig den Energie- und Gebäudebetrieb und will den Energieverbrauch weiter reduzieren. Das Ziel der BMW Group ist es, den Energiebedarf je produziertem Fahrzeug in naher Zukunft um 45 % auf 1,88 MWh zu senken. Zum Vergleich: 2006 lag der Verbrauch je Fahrzeug bei 3,42 MWh. Doch Energiemanager Köhn soll nicht nur sparen, BMW will auch die regenerativen Energien ausbauen. Aktuell liegt deren Anteil am Gesamtverbrauch der Elektroenergie bei 51 %. In Leipzig setzt das Unternehmen unter anderem auf vier Windräder mit einer Jahresgesamtleistung von 26 GWh. Damit decken Köhn und seine Mitstreiter den Strombedarf der Elektrotfahrzeugproduktion i3 und i8 am Standort nahezu komplett ab. Ein Blockheizkraftwerk liefert noch mal 3047 kW elektrische und 3013 kW thermische Leistung und ein weiteres ist in Planung, „wenn die Rahmenbedingungen passen", erklärt Köhn. Er meint die gesetzlichen Vorgaben. „Ein Hin und Her in der Politik erschwert unsere Arbeit.“ Gesetze und Verordnungen gehören zu seinem Alltag. Sein Arbeitsplatz ist das Büro. Der Energieeinkauf wird durch die zentrale Einkaufsabteilung erledigt. Das Alltagsgeschäft überlässt Köhn dem Dienstleister Voith.

Besuch in der i3-Produktion

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Das Energiebudget verwaltet München

Die Kollegen überwachen den Energiefluss. Köhn verantwortet das operative Energiemanagement des Werks. Angefangen hat er 1998 im Werk Berlin. Bei den BMW-Motorrädern standen damals Sanierungsmaßnahmen im Mittelpunkt. Heute sind es neue Herausforderungen und eine werksübergreifende Organisation mit Zentralstelle in München. Auch die Energiemanager in den anderen Werken berichten in die bayerische Landeshauptstadt. Dazu kommt: Das Energiebudget wird ebenfalls dort verwaltet. Die Energieexperten tauschen sich über eine werksübergreifende Plattform zu Themen aus, erhalten Einblick in Verbrauchszahlen und Projekte und Investitionsentscheidungen werden in der Gruppe getroffen. „Wir fragen uns in den Runden, in welchem Werk am meisten Potential für die Maßnahmen schlummert.“ Das bedeutet auch: Ein Sparansatz, der in Leipzig entwickelt wurde, muss nicht automatisch auch dort umgesetzt werden. Vernetztes Denken ist vom Vorstand gewünscht und die Entscheidungsstruktur dem angepasst. Eines der letzten Projekte waren leistungsstarke Wärmetauscher auf dem Dach der Lackiererei – „ein Heiligtum in der Autoproduktion, das man selten anrührt, wenn sie einmal läuft“, scherzt er. Doch der Mut wurde belohnt. Der Erdgasverbrauch sank um 55 %. Aufgrund des Erfolges folgte dem ersten Bauabschnitt auch der zweite Schritt in gleicher Form. Für die Technik zeichnete die Technologieabteilung der BMW Group verantwortlich „Ich befähige unsere Mitarbeiter Energie einzusparen“, definiert Köhn seine Rolle im Werk. Oft sind es die Kollegen aus der Produktion, die Ideen haben. Die Energiemultiplikatoren tragen diese dann ins Gremium. Köhn ist also der Mann für das Sammeln von Ideen und auch für die Finanzen, wenn eine Abteilung Geld für Energieeffizienzmaßnahmen beantragt. „Wir brauchen Mitstreiter im Presswerk, am Band, in der Lackiererei, im Büro, in der Planung oder in der Logistik“, meint der Energieverantwortliche. „Wir bieten unseren Kollegen eine Plattform, ihre Ideen vorzustellen.“ Und wie viel darf das kosten? Auf einen ROI will sich Köhn nicht festlegen. Nur so viel: Die Ebit-Marge soll bei BMW zwischen 8 und 10 % liegen. Er gibt aber auch zu bedenken: Es sind nicht nur die großen Investitionen, die Erfolge versprechen. Immer wieder sonntags machen sich die Energiemultiplikatoren und Vertreter des Dienstleisters auf den Weg ins Werk, um das Abschaltverhalten der Kollegen zu prüfen. Die Sensibilisierung folgt dann unter der Woche.

Doch momentan sind Köhns Wochen weitgehend verplant. Unter anderem fordert ihn und seine Mannschaft das Projekt Eneffco. Der Plan: Das Unternehmen will den Energieverbrauch auf Werks und Technologieebene in Kurzzeitauflösung erfassen, planen und beeinflussen. Ein modernes Energiemanagementsystem ist das Ziel. Das System soll eine Energiebedarfsprognose für die nächsten Tage errechnen und Einflussmöglichkeiten aufzeigen. Warum? Der Autobauer will ins Lastmanagement einsteigen. Ein erster Versuch startet mit der vorhandenen Ladeinfrastruktur und der Nutzung von i3-Batterien im Werk. Darüber hinaus will man ein Monitoring über aktuelle Verfügbarkeiten der Energieversorgung aufbauen. Die Entscheidung fiel in München. Stefan Köhn und seine Mitarbeiter dürfen das Projekt jetzt umsetzen. Er freut sich auf das Sparen.

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