Rittal, GSI und etalytics haben den Electrifying Ideas Award des ZVEI für ihr zukunftsweisendes Konzept europäischer KI-Rechenzentren gewonnen. Ihre Lösung meistert extreme Leistungsdichten durch Direct Liquid Cooling und KI-gestützte Energieoptimierung.
Dorothee Bär (Bundesministerin für Forschung, Technik und Raumfahrt) hat den Electrifying Ideas Award überreicht an: Dr. Helmut Kreiser (GSI Helmholtzzentrum), Philipp Müller (Rittal) und Dr. Thomas Weber (etalytics). Mit im Bild: ZVEI-Präsident Daniel Hager (ZVEI). (v.l.n.r.)
(Bild: Rittal)
Der ZVEI hat den Gewinner des Electrifying Ideas Award 2026 gekürt. Mit dem Preis prämiert die deutsche Elektro- und Digitalindustrie Innovationen und Lösungen, die Energie effizient einsetzen, Ressourcen schonen und zugleich wirtschaftlich wie gesellschaftlich wirken.
Schlüsseltechnologie für energieeffiziente Rechenzentren
Unter den über 50 Einreichungen setzte sich die Electrifying Idea von Rittal durch: Mit Direct Liquid Cooling hat Rittal eine Schlüsseltechnologie für den energieeffizienten Betrieb KI‑fähiger Rechenzentren entwickelt. Gemeinsam mit dem GSI Helmholtzzentrum und dem Start-up Etalytics wurde ein praxistaugliches Flüssigkühlsystem mit über 1 MW Kühlleistung realisiert. Die direkte Chipkühlung überwindet die physikalischen Grenzen herkömmlicher Luftkühlung und ermöglicht den skalierbaren Einsatz von Hochleistungs-GPUs. KI-basierte Regelalgorithmen und Digitale Zwillinge optimieren den Energieverbrauch in Echtzeit und senken den CO₂-Footprint deutlich. Das Projekt liefert ein erprobtes Serienkonzept und eine übertragbare Best Practice für klimafreundliche KI‑Infrastruktur ‚Made in Europe‘.
„Diese Idee löst ein echtes Zukunftsproblem: KI braucht enorme Rechenleistung, und genau daran hängen Strombedarf und Kühlung. Hier geht es nicht nur um eine bessere Kühlung, sondern um einen praktischen Hebel für die Rechenzentrumswende. Dieses enorme große Wirkungspotenzial hat uns überzeugt“, sagte der Vorsitzende der Award-Jury, Dr. Gunther Kegel.
AI-Anwendungen erzeugen hohe Datenmengen
Der Hintergrund: Künstliche Intelligenz verspricht rasante Fortschritte für Forschung, Industrie und Alltag – mit hoher Relevanz für den deutschen Wirtschaftsstandort. Ihr Wachstum entscheidet sich auch im Maschinenraum der Digitalisierung: In den Rechenzentren, wo neue Hochleistungsprozessoren (GPUs ) enorme Datenmengen für AI-Anwendungen verarbeiten. Hier sind neue Architekturen für Kühlung und Strom gefragt, denn die etablierten Konzepte mit Luftkühlung haben längst ihre physikalische Grenze erreicht.
Rittal hat ein Direct-Liquid-Cooling-System entwickelt, das mit Wasser die Wärme direkt an den Chips aufnimmt.
(Bild: Rittal)
Genau dort setzt das ausgezeichnete Projekt aus Deutschland mit internationalem Know-how an: Rittal hat ein Direct-Liquid Cooling-System entwickelt, das mit Wasser die Wärme direkt an den Chips aufnimmt. So wird Rechenleistung von über einer Million Watt auf engstem Raum möglich – modular, einfach instandzuhalten und ausgelegt auf 24/7-Betrieb im großen Stil. Gemeinsam mit GSI wurde das System in Darmstadt im Green IT Cube in Betrieb genommen und zur Serienreife weiterentwickelt. Das grüne GSI-Rechenzentrum bietet die ideale Umgebung: moderne Datacenter-Architektur mit höchster Energieeffizienz, High-Performance-Computing für den Teilchenbeschleuniger FAIR und das Digital Open Lab als Entwicklungsplattform. Etalytics ergänzt das Konzept um AI-gestützte Energieoptimierung auf Basis von digitalen Zwillingen und AI-basierten Regelungsalgorithmen und senkt damit den CO2-Footprint noch weiter.
Das Ergebnis: Aus einer Nischen-Technologie für Spezialanwendungen wurde ein praxisbewährtes Serienkonzept für schnelle Skalierung – geeignet als Tempomacher für den Ausbau souveräner AI-Infrastruktur mit Know-how und hoher Wertschöpfungstiefe in Europa.
Electrifying Ideas Award
2026 hat der ZVEI den Electrifying Ideas Award bereits zum vierten Mal ausgelobt. Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie prämiert damit Innovationen und Lösungen, die Energie effizient einsetzen, Ressourcen schonen und zugleich wirtschaftlich wie gesellschaftlich wirken.
Der nächste Electrifying Ideas Award wird am 12. Mai 2027 verliehen. Bewerbungen werden ab Herbst 2026 entgegengenommen.
KI-Technologien nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben
„Wir sind sehr dankbar für die Entscheidung der Jury, uns diese Auszeichnung zu verleihen. Sie lenkt zur rechten Zeit die Aufmerksamkeit auf ein drängendes Thema. Der Ausbau AI-fähiger Infrastruktur in Europa muss erheblich Tempo aufnehmen“, sagt Prof. Dr. Friedhelm Loh, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Friedhelm Loh Group.
„Die Auszeichnung zeigt, wie wichtig die Kooperation zwischen Forschung und Industrie ist. Technologietransfer ebnet den Erkenntnissen aus der Spitzenforschung den Weg in konkrete Anwendungen“, sagt Prof. Dr. Thomas Nilsson, Wissenschaftlicher Geschäftsführer von GSI und Fair.
Thomas Weber, Co-Founder & CSO von Etalytics, ergänzt: „Wenn wir in Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir den Einsatz von neuen KI-Technologien bestmöglich umsetzen. Genau dies ist in der Zusammenarbeit von Rittal, GSI und etalytics durch die Kombination aus ingenieurswissenschaftlichen Know-How und KI Technologien gelungen: Der Kontext des Kältesystems konnte gezielt in die KI-Anwendung übertragen und dort nutzbar gemacht werden.“
MIt drei Partnern zur Schlüsseltechnologie
Schnelle Skalierung mit System gehört zum internationalen Geschäft von Rittal. Das Familienunternehmen aus Hessen beschleunigt die Prozesse seiner Kunden nicht nur in der Industrie mit Systemtechnik, Software und Automatisierung. Der Global Player liefert auch jährlich rund 180.000 Server-Racks an die als Hyperscaler bekannten großen Cloudanbieter in den USA und Asien. Mit ihnen arbeitet Rittal auch im Open Compute Project OCP an den internationalen Spezifikationen für die AI-Fabriken der Zukunft – für Racks und immer mehr auch für Kühlung und Stromverteilung.
GSI ist international vor allem für einzigartige Infrastruktur zur Grundlagenforschung bekannt. Mit dem zukünftigen Beschleunigerzentrum Fair werden Forschende aus aller Welt Experimente durchführen, um neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums zu gewinnen. Über die Forschung hinaus fördert GSI mit dem „Digital Open Lab“ gezielt den Transfer von Technologien und Innovationen in die Industrie und Digitalwirtschaft. Externe Kooperationspartner können die Infrastruktur und IT-Kompetenzen für gemeinsame Entwicklungsprojekte und Kollaborationen rund um die Themen Rechenzentrumsinfrastruktur, High Performance Computing und KI nutzen.
Das Deep-Tech-Unternehmen Etalytics ist aus einer Forschungsgruppe der TU Darmstadt hervorgegangen. Es sorgt für Transparenz der hoch relevanten Energieverbräuche und optimiert sie mit einer AI-gestützten Plattform. Das Start-up bringt Entwicklungen aus den Bereichen Datenanalyse, AI und Energiewissenschaften aus der Forschung in immer größerem Stil und bei immer größeren Unternehmen in die Praxis. Mit digitalen Zwillingen des Systems sorgt AI so für mehr Energieeffizienz beim Einsatz von AI-Anwendungen.
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