Young Professionals Deutschland verheizt seinen Nachwuchs

Redakteur: Sariana Kunze

Sie sind jung und brauchen das Geld... wenn es auch leider oft nicht allzu viel und dazu ausgesprochen sauer verdient ist. Die teilweise prekären Verhältnisse auf dem modernen Arbeitsmarkt machen auch vor jungen Beschäftigten nicht halt. Zu diesem Schluss kam eine Auswertung der Repräsentativumfrage "Gute Arbeit" des DGB-Index.

Anbieter zum Thema

Viel Arbeit für relativ wenig Geld - das täglich Brot vieler junger Arbeitnehmer.
Viel Arbeit für relativ wenig Geld - das täglich Brot vieler junger Arbeitnehmer.
(Jorma Bork_pixelio.de)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) führt seit 2007 jährlich eine repräsentative Umfrage zu den Arbeitsbedingungen in deutschen Betrieben, Institutionen und Organisationen durch. Die Studie ist fokussiert auf Einkommen, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und besondere Belastungen. 2011 lag der Schwerpunkt der Umfrage auf den Themen "Arbeitshetze, Entgrenzung, Intensivierung". Es wurden über 6.000 Beschäftigte befragt, davon waren 1.238 jünger als 35 Jahre. Die Studie ergab, dass auch viele der jungen Arbeitenden unter der Unsicherheit ihrer Arbeitsverhältnisse leiden, sich unter Druck gesetzt fühlen und von ihrem Lohn mehr schlecht als recht leben können.

Traum von Altersvorsorge

Dass das nicht nur Jammern auf hohem Niveau ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: 21 Prozent der jungen Beschäftigten haben nur befristete Verträge, vier Prozent werden über Zeitarbeitsfirmen vermittelt und sieben Prozent leben sogar nur von einem 400-Euro-Job. Nach Geschlechtern aufgeschlüsselt, ergeben sich für die jungen Frauen sogar noch erschreckendere Zahlen: Hier haben zehn Prozent nur einen Minijob. Von Altersvorsorge und Vermögensbildung können diese jungen Menschen nur träumen.

Überstunden gelten als normal

Der Trend zur Arbeitsintensivierung setzt sich fort. Auf Fragen nach der Arbeitsbelastung gaben mehr als 50 Prozent der jungen Beschäftigten an, sie fühlten sich durch gestiegene Arbeitsanforderungen mehr belastet als in der Vergangenheit. Auch hier scheinen die Frauen wieder schlechter dran zu sein: 61 Prozent meinen, sie müssten in der gleichen Zeit erheblich mehr leisten als noch vor einigen Jahren. Bei den Männern haben immerhin 52 Prozent diesen Eindruck. Ganze 70 Prozent der jungen Beschäftigten machen regelmäßig Überstunden. Für 41 Prozent sind mehr als fünf Überstunden pro Woche der Normalfall, 19 Prozent leisten sogar regelmäßig mehr als zehn wöchentliche Überstunden.

Erholung ist out

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen auch bei den jungen Leuten: Für viele gibt es den Feierabend nicht mehr wirklich. Gut ein Viertel kann nach der Arbeit nur schwer abschalten, 16 Prozent schaffen es auch im Urlaub kaum, die Arbeit aus ihren Gedanken zu verbannen. 14 Prozent geben an, sie erledigten "sehr häufig" oder jedenfalls "oft" in der Freizeit noch liegen gebliebene Arbeit für den Betrieb. Viele gehen auch dann zur Arbeit, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen eigentlich das Bett hüten müssten. 70 Prozent der Befragten waren während der vergangenen zwölf Monate einmal oder mehrfach krank zur Arbeit gegangen.

Viel Arbeit für relativ wenig Geld

Dieser Raubbau am eigenen Leben hat Folgen für die Gesundheit: Auch junge Beschäftigte riskieren heute ein Burnout-Syndrom; viele balancieren am Rande chronischer Erschöpfung. Und wofür das alles? Nur die Hälfte er jungen Beschäftigten verdient monatlich mehr als 1.500 Euro, lediglich bei jedem Dritten landen über 2.000 Euro auf dem Konto. Rund ein Viertel der Befragten muss mit weniger als 1.500 Euro pro Monat auskommen, jeder sechste verdient nicht einmal 800 Euro. Unbefristet beschäftigt ist auch nur die Hälfte der jungen Arbeitsmarktteilnehmer.

Der DGB reagiert auf diese Entwicklungen mit der Forderung nach Tariflöhnen für junge Beschäftigte und Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro oder mehr. Bei der Vorstellung der Studienergebnisse erklärten DGB-Funktionäre, gerade junge Menschen bräuchten finanzielle Sicherheit und verlässliche Perspektiven, um wichtige persönliche Entscheidungen wie die über die Gründung einer Familie oder die Altersvorsorge treffen zu können. Anstatt junge Arbeitskräfte unter schlechten Bedingungen zu verheizen, sollten die Unternehmen zudem auch im eigenen Interesse durch ein durchdachtes Gesundheits-Management die langfristige Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit ihrer jungen Mitarbeiter und Fachkräfte sichern.

(ID:42413366)