Dozenten müssen ausstrahlen Die drei Merksätze der Rhetorik richtig üben und anwenden
„In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst!“ sagte der Rhetorikprofessor und später Kirchenvater genannte Augustinus. Die Ausstrahlung fällt auch Dozenten nicht in den Schoß. Wie entsteht sie überhaupt? Ist sie das Ergebnis einstudierter Bewegungen oder ist sie die Folge einer tollen Lebenseinstellung? Sie ist beides: innere und äußere Haltung.
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Wer vor den Studenten rumzappelt, sie nicht anschaut, wird wenig ausstrahlen. Und wer fahrig oder flach denkt, fühlt und spricht, wird ebenfalls seine Studenten nur wenig ansprechen und wenig Eindruck hinterlassen. Ausstrahlung ist das Produkt von innerer Einstellung und äußeren Formen in Bewegung, Gestik und Mimik.
Unsere innere Einstellung können wir bewußt entwickeln. Wer lernt, bei allem auch die schönen Seiten zu sehen und lebensbejahend sowohl ungute Punkte anzuschauen als auch daneben die sich bietenden Entwicklungschancen anzusprechen, macht sich und den Studenten das Leben und Lernen leichter.
Aber: Dies darf nicht zur Masche „Alles positiv sehen!“ verkommen. Wer einen Weg sucht, sollte mehr auf die Durchschlüpfe und Pfade schauen als auf die Barrieren und Hindernisse.
Die Lebenskunst des populären Gegenwartsphilosophen Wilhelm Schmid („Mit sich selbst befreundet sein“) erinnert an Heilsames: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, fordert er uns auf, auch uns selbst zu lieben.
Unsere innere Haltung können und müssen wir entwickeln – und das kann uns unser ganzes Leben Freude machen. Und unsere äußere Haltung? Unsere Bewegungen, unsere Gestik und Mimik vor der Gruppe? Dies lässt sich erfreulich gut üben. Drei wichtige Schritte:
Freundlich schauen. Wer kein freundliches Gesicht hat, darf keinen Laden eröffnen, meinen die Chinesen. Wer Erwachsene lehren und trainieren will, sollte sie mögen und freundlich anschauen. Wer hingegen den Studenten das Lernen verleiden möchte, sollte ein miesgrämiges Gesicht aufsetzen und zugleich die Studenten keines Blickes würdigen.
Fest und beweglich stehen. Dies kann man gut und leicht üben: Stellen Sie sich einfach mal hin, setzen Sie Ihre Füße etwa schulterbreit auseinander und stehen Sie auf der vollen Fläche beider Fußsohlen. Spüren Sie trainingshalber wie Sie durch beide Sohlen die Füße fest in den Boden drücken können. Die Arme lassen Sie einfach frei hängen. Und jetzt richten Sie sich auf, genießen Sie das Emporkommen der Wirbelsäule. Dann stellen Sie sich noch vor, Sie würden ein Buch auf dem Kopf balancieren. Vielleicht müssen Sie noch beide Schultern eine Idee nach hinten führen. Und jetzt genießen Sie Ihre erstmal ungewohnte aufrechte Haltung. Es ist so einfach, eine starke Haltung zu üben und sich anzugewöhnen. Und aus ihr können Sie dann kraftvoll sich bewegen, schauen und sprechen. Testen Sie die Wirkung, indem Sie alles bewußt falsch machen: Zappeln Sie, überkreuzen Sie beim Stehen Ihre Beine und stellen Sie sich nur auf Teilflächen Ihrer Sohlen. Und lassen Sie das Rückgrat einfallen und den Kopf nach vorne hängen.
Probieren Sie Verblüffendes: Je nach Gesicht (freundlich oder miesgrämig) und je nach äußerer Haltung verändert sich auch die Stimmung bei Ihnen und den Studenten. Mein Gesicht und meine Haltung, zeigen meine Stimmung! Und durch Umsteuern meines Gesichtes und meiner Haltung verändere ich auch meine Stimmung – und die der Angesprochenen.
Deutlich sprechen. Gewöhnen Sie sich (wieder) an, beim Sprechen die Zähne, die Lippen und die Kiefer zu bewegen. Und schon wird ein mit der Zeit nachlässig und undeutlich gewordenes Sprechen wieder gut vernehmbar. Probieren Sie auch hier mal das Gegenteil: Sprechen Sie also Sätze mit geringst möglicher Bewegung der Zähne, Lippen und Kiefer.
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