Zertifizierung von Lapp-Produkten für Nordamerika

Durchblick im Normen-Dschungel

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Eigene Regelungen der Bundesstaaten

Wem das alles zu kompliziert ist, wird sich nicht freuen zu hören, dass die USA noch weitere Überraschungen bei der Zulassung von Produkten bereithält. Weil das Land ein Staatenbund ist, liegt die Autorität dafür bei den Bundesstaaten. NFPA 79 ist nationales Recht, das aber in jedem Bundesstaat ergänzt werden kann. In San Francisco zum Beispiel gelten aufgrund des Feuers nach dem verheerenden Erdbeben von 1906 noch einmal höhere Anforderungen an den Brandschutz. Deshalb sind in Nordamerika immer noch Kabel mit einer PVC-Nylon-Isolation verbreitet. Nylon verbessert zwar den Brandschutz, macht das Kabel aber steifer und ist in Europa weniger gebräuchlich. Es gibt aber auch Kabel wie zum Beispiel die neue Ölflex Tray VTC, die auch ohne Nylon-Isolation dem TC-ER Listing entspricht und dabei flexibler und dünner ist.

Kabel, die für den europäischen Markt entwickelt und produziert wurden, können also nicht einfach im nordamerikanischen Markt verwendet werden. Umgekehrt ist das aber meistens möglich, US-Firmen müssen im Prinzip nur noch das CE-Kennzeichen an ihren Produkten anbringen, konstruktive Änderungen sind nicht nötig. Zum einen ist die US-Norm NFPA 79 zum Teil etwas enger gefasst, etwa beim Brandschutz, so dass UL-zertifizierte Kabel europäische Standards in der Regel mit abdecken. Zum anderen machen europäische Standards weniger detaillierte Vorgaben als UL-Standards, sind also leichter zu erfüllen, auch wenn der europäische Standard technisch gesehen keine geringeren Anforderungen stellt. Die USA hat durch diesen klugen Schachzug eine Barriere für ausländische Unternehmen aufgebaut und schützt lokale Hersteller.

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Keine unnötigen Kosten

Allzu hoch ist diese Hürde aber nicht. Wer sich in die Eigenarten der nordamerikanischen Normen- und Zertifizierungswelt eingearbeitet hat, findet einfache Wege, um die eigenen Produkte fit für diesen Markt zu machen.

Eine Herausforderung gibt es allerdings für europäische Unternehmen, die nach USA exportieren wollen, denn sie müssen dafür andere, teurere Komponenten verwenden als innerhalb der EU. In den USA sind die entsprechenden Komponenten in der Regel günstiger zu haben, die Regelungen schützen also nicht nur die einheimischen Komponenten-, sondern auch die Maschinenhersteller.

Ein gutes Beispiel ist das Mantelmaterial eines Kabels. Standard ist Polyvinylchlorid, kurz PVC, das gute Eigenschaften hat und für viele Einsatzzwecke geeignet ist. PVC für Kabelmantel gibt es in zahlreichen Varianten, etwa mit Additiven für besseren Brandschutz. Das von der UL vorgeschriebene PVC muss einen höheren Brandschutz aufweisen, ist also entsprechend teurer. Für alle anderen Märkte ist einfacheres und günstigeres PVC völlig ausreichend und keineswegs schlechter. Der Kunde zahlt nur, was er wirklich braucht. Lapp geht einen pragmatischen Weg: Der Kunde bekommt das Kabel, das seine Anforderung erfüllt – ein UL-zertifiziertes für Nordamerika und ein IEC-zertifiziertes für alle anderen Märkte.

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