E-Nase

Elektronische Nase: Forscher entwickeln kostengünstigen Geruchssensor

| Redakteur: Katharina Juschkat

So gut wie eine Hundenase wird die E-Nase sicherlich nicht sein – aber sie soll helfen, rechtzeitig Kabelbrände oder verdorbene Lebensmittel aufzuspüren.
So gut wie eine Hundenase wird die E-Nase sicherlich nicht sein – aber sie soll helfen, rechtzeitig Kabelbrände oder verdorbene Lebensmittel aufzuspüren. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Forscher des KIT entwickeln die E-Nase – eine elektronische Nase für Industrie und alltägliche Anwendungen. Der Sensor soll beispielsweise schnell Kabelbrände oder verdorbene Lebensmittel riechen können.

Sensoren fühlen Temperatur, sie messen Geschwindigkeit, Druck oder Helligkeit. Sensoren können so eine Maschine mit allerlei nützlichen Sinnen ausstatten. Welche Funktion sie bisher aber kaum übernehmen, das ist das Riechen. Das KIT will diesen Sinn jetzt auch Maschinen zur Verfügung stellen und hat deshalb die „elektronische Nase“ entwickelt. Die E-Nase „Kamina“ (Karlsruher Mikronase) soll alltagstauglich sein und mögliche Gefahren wie schwelende Kabel oder verdorbene Lebensmittel früher als ein Mensch erschnuppern.

Preiswerter und alltagstauglicher Geruchssensor

Die Nase des Menschen besteht aus etwa zehn Millionen Riechzellen, mit rund 400 unterschiedlichen Geruchsrezeptoren. Diese Rezeptoren nehmen die Gerüche wahr und erzeugen ein spezifisches Signalmuster. Das Gehirn ordnet das Signalmuster einem bestimmten Geruch zu. „Wir haben uns die biologische Nase als Vorbild genommen“, sagt Dr. Martin Sommer, der das Projekt Smelldect am Institut für Mikrostrukturtechnik des KIT betreut. „Bei unserer elektronischen Nase reagieren Nanofasern auf komplexe Gasgemische – also Gerüche – und bilden ebenfalls Signalmuster, anhand derer der Sensor diese erkennt.“ Das Ziel von Smelldect ist, einen preiswerten massen- und alltagstauglichen Geruchssensor zu entwickeln.

Die elektronische Nase ist nur wenige Zentimeter groß. Sie enthält die gesamte Betriebselektronik, inklusive der Technologie zur Auswertung der Gase. Die „Nase“ besteht aus einem Sensorchip, auf dem Nanodrähte aus Zinndioxid auf vielen einzelnen Sensoren angebracht sind. Spezifische Signalmuster errechnet der Chip über die Widerstandsänderungen der Einzelsensoren. Diese hängen von den Molekülen aus der Umgebungsluft ab, sind für verschiedene Gerüche jeweils unterschiedlich – und damit charakteristisch und wiedererkennbar. Wurde dieses Muster vorher in den Chip eingelernt, kann es der Geruchssensor innerhalb von Sekunden erkennen.

Geruch ist nicht gleich Geruch

Um das Verfahren in Gang zu bringen, setzen die Forscher auf eine in das Sensorgehäuse integrierte Leuchtdiode, welche die Nanodrähte mit UV-Licht bestrahlt. Dadurch sinkt der ursprünglich sehr hohe elektrische Widerstand des Zinndioxids soweit, dass Änderungen von diesem – hervorgerufen durch die für den Geruch verantwortlichen und auf der Zinndioxid-Oberfläche angelagerten Moleküle – überhaupt erst ermittelt werden können. „Nimmt der Sensor einen Geruch wahr, sinkt der Widerstand noch weiter. Verschwindet der Geruch, dann stellen sich die ursprünglichen Verhältnisse mit entsprechend hohem elektrischen Widerstand wieder ein, sodass die ,Nase‘ für weitere Geruchsmessungen bereit ist“, sagt Sommer.

BUCHTIPPDas Buch „Industriesensorik“ beschreibt die Entwicklung und die praktische Anwendung der wichtigsten Sensoren. Durch anwendungsbezogene Fehleranalysen von Messsystemen, Sensoren und Sensorsystemen, jeweils ergänzt durch viele detaillierte, vollständig durchgerechnete Anwendungsbeispiele, eignet sich das Buch nicht nur für Studenten, sondern auch für Ingenieure und Techniker verschiedener Fachrichtungen.

Der Sensorchip kann viele unterschiedliche Gerüche erlernen und soll damit vielseitig einsetzbar sein: Etwa im Haushalt zur Kontrolle der Raumluft oder als Brandmelder; beim Einkaufen, um zu erkennen, wie frisch Fisch oder Fleisch ist; in der Qualitätsendkontrolle beispielsweise von Honig oder als Nase für einen Roboter. „Die Schwierigkeit ist, dass Geruch nicht gleich Geruch ist. Eine Rose beispielsweise riecht bei Sonnenschein anders als bei Regen“, so der Physiker. „Deshalb trainieren wir die elektronische Nase momentan für spezifische Einsatzzwecke, die aber universell wählbar sind.“

Preiswerter Sensor für viele Einsatzbereiche

Die Wissenschaftler des KIT wollen einen möglichst preiswerten Sensor entwickeln, um ihn massentauglich zu machen. „So könnte man die elektronische Nase in Zukunft beispielsweise in alle Elektrogeräte einbauen, um Kabelbränden vorzubeugen. Oder wir statten Smartphones damit aus. Jeder hätte dann beim Einkaufen seine eigene, hochsensible elektronische Nase dabei“, sagt Sommer.

Bei der industriellen Herstellung und dem Vertrieb unterstützen die Projektpartner JVI-Elektronik und Fire Eater das KIT. Beide haben bereits 2015 zusammen mit dem KIT im EU-Projekt „Smoke Sense“ einen intelligenten Brandmelder auf Basis einer elektronischen Nase entwickelten. Er spürt Schwel- und Brandgase auf und bietet eine zuverlässige Analyse, um welches brennende Material es sich handelt.

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