Human Machine Interface

Industrial Usability Day 2014: „Steve macht alle wuschig“

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Früher schuf er Imperien, heute Arbeitswelten

Wenn Joerg Niesenhaus an das Programmieren denkt, dann war er bis vor einigen Jahren vor allem auf die Gamingindustrie fokussiert. Elf Jahre lang verdiente der heutige Senior User Experience Engineer sein Geld in den Spielewelten von Blue Byte und Ubisoft. Damals drehte sich bei Niesenhaus vieles um die Klassiker „Die Siedler“ oder „Anno“ – Strategiegames, die für Ubisoft Umsatzbringer wurden. Mittlerweile erschafft Niesenhaus keine Imperien mehr an der Konsole – zu mindestens beruflich – sondern neue Arbeitswelten in der Industrie und verdient damit Geld. Sein heutiger Arbeitgeber Centigrade und er setzen auf Gamification in der Maschinenbedienung und in Produktionsprozessen. Dabei bedient sich Niesenhaus spielerischer Gestaltungselemente, um beispielsweise die Nutzerzufriedenheit oder Prozesseffizienz zu steigern. Zu den Referenzen zählen SEW, Trumpf oder SMA. In der industriellen Fertigung ist die Prozessstruktur an Maschinen orientiert, so Niesenhaus. Um einen optimalen Durchsatz, eine hohe Qualität und möglichst geringe Ausfallzeiten zu erreichen, kommt es jedoch auf das Mitwirken der Bediener und Wartungsmitarbeiter an. Neben der Mitarbeitermotivation durch Belohnungssysteme spielen auch die Förderung der Team-Arbeit sowie klare Feedback-Prozesse und eindeutige Zielformulierungen eine besondere Rolle bei der Einführung spielerischer Elemente.

Die Gamification-Entwickler setzen beispielsweise auf Punktekonten. Jeder Arbeitsschritt zahlt auf ein Teamkonto ein – erinnert an die Token, soll aber noch mehr liefern. Qualität und Effizienz und soziale Interaktion werden analysiert und gutgeschrieben. Das soll die Motivation erhöhen. Gleichzeitig kann in den Produktionsstraßen mit „Leben“ wie aus Super Mario World gespielt werden. Produziert die Mannschaft beispielsweise Ausschuss verliert sie ein „Leben“. Dazu kommt die Visualisierung von Aufgaben und Ergebnissen auf einem Display. Statische Informationen regen Mitarbeiter weniger an, als wenn der Nutzer sich an seine heimische Spielumgebung erinnert fühlt und als Wartungsingenieur schon einmal virtuell durch die Räume geführt wird – Levelvorschau á la World of Warcraft, ein Massively-Multiplayer-Online-Role-Playing-Game, das auch im Team gespielt wird. Doch Gamification ist nicht nur eine Bedien- und Motivationsmethode für junge Mitarbeiter, die im heimischen Wohnzimmer zocken. Auch ältere Kollegen schätzen den Ansatz, erklärt Niesenhaus. Er gibt aber auch zu: „Das Thema ist in Deutschland noch nicht eingeschlagen.“

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Anders die Disziplin Usability: Vor allem die Region Würzburg schickt sich an zum Usability-Valley aufzusteigen. Forschung, Wirtschaft, Verbände und Fachmedien arbeiten bei der Bedienbarkeit von Maschinen in der Industrie vor Ort eng zusammen. Was mit Steve Jobs im Silicon-Valley startete, findet seine industrielle Fortsetzung in der Industrie in und um Mainfranken.

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