Pro & Contra Industrie 4.0: Revolution oder Evolution?

Redakteur: Reinhard Kluger

Ein Begriff, der schnell eine kommunikative Lawine auslösen kann: Industrie 4.0. So einig man sich über die künftige Bedeutung ist, umso mehr entzündet sich die Diskussion an der Frage: Läutet Industrie 4.0 nun einen Paradigmenwechsel ein, oder ist es nicht schon heute in den Fabriken zu Hause?

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Ole Moller-Jensen, President Danfoss Power Electronics mit Sitz im dänischen Grasten: „Unsere Produktphilosophie, die den Kunden alle Freiheiten bei der Produktauswahl lässt, treibt uns an, Lösungen zu entwickeln, die Industrie 4.0-ready sind.“
Ole Moller-Jensen, President Danfoss Power Electronics mit Sitz im dänischen Grasten: „Unsere Produktphilosophie, die den Kunden alle Freiheiten bei der Produktauswahl lässt, treibt uns an, Lösungen zu entwickeln, die Industrie 4.0-ready sind.“
(Danfoss)

PRO: Durch den Einsatz neuer Technologien hat es die deutsche Industrie in der Vergangenheit geschafft, den Produktions- und Exportstandort zu sichern. Nun gilt es, das Internet der Dinge für eine vierte industrielle Revolution zu nutzen.

Dr. Bernhard Diegner, ZVEI: „ Automatisierungstechnik und industrielle IT sind Schlüsseltechnologien der kommenden Jahre für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Es ist zu erwarten, dass besonders Industrieunternehmen von der Entwicklung bis zum Einsatz von Cyber-Physical-Systems am meisten betroffen sein werden. Gegenstände und Maschinen verfügen künftig im Internet über eigene Adressen und Informationen bezüglich Herkunft und Bestimmung. Sie werden über das Internet miteinander in Kontakt treten und autonom miteinander kommunizieren. Das dadurch entstehende Internet der Dinge ermöglicht die Entwicklung ressourcensparender, hocheffizienter Produktionsverfahren. Es ist zugleich Basis für neue Geschäftsmodelle und damit Treiber einer vierten industriellen Revolution.

Losgröße Eins gibt es zu Kosten der Massenproduktion

Kennzeichnend für die vierte industrielle Revolution wird einerseits die modellbasierte integrierte Steuerung und Gestaltung des Unternehmens sein. Entwurf und Betrieb ganzer Produktionsanlagen sind mithilfe von Computermodellen mit nie dagewesener Flexibilität und Effizienz machbar. Somit wird es möglich, Fertigungen bis zur Losgröße Eins zu den Bedingungen und Kosten der Massenproduktion zu realisieren. Andererseits werden Unternehmen via Internet ihre Produktionsstandorte in ein ganzheitliches verteiltes Wertschöpfungsnetzwerk integrieren und sogar die Ressourcen anderer Unternehmen mit ihren eigenen zusammenführen können. So werden unternehmensübergreifend Wertschöpfungsnetzwerke geschaffen. Im interdisziplinären Zukunftsprojekt ‚Industrie 4.0‘ haben Elektrotechniker, Informatiker und Maschinenbauer damit begonnen, diesem Wandel den Weg zu bereiten. Ziel ist es, Deutschland einen Vorsprung bei der nächsten IKT-basierten Innovationswelle zu verschaffen. Führende deutsche Industrieunternehmen können gemeinsam mit dem Mittelstand in Deutschland einen Leitmarkt für die Industrieautomation der Zukunft entwickeln und in der Folge zu den Leitanbietern weltweit aufsteigen. Der ZVEI hat zur Verwirklichung dieses Zieles mit dem VDMA und Bitkom eine gemeinsame Plattform eingerichtet, die das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 der Hightech-Strategie der Bundesregierung weiterführen und zur industriellen Umsetzung bringen soll. Hauptaugenmerk wird auf der Entwicklung von Technologien und Standards, aber auch von Sicherheitskonzepten und Organisationsmodellen liegen. Industrie 4.0 ist ein Paradebeispiel dafür, wie klassische Branchengrenzen verschwinden, wie neue, übergreifende Handlungsfelder entstehen und neue Kooperationsformen notwendig werden. Die Plattform Industrie 4.0 wird Anlaufstelle für Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit sein und dabei helfen, Deutschlands Stellung als führender Produktionsstandort zu erhalten.“

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