Netzwerk, SPS, HMI, Antriebe und Sensoren auf einer Plattform programmiert Matratzenproduktion (be)ruht auf Ethernet und DeviceNet

Autor / Redakteur: Daniel Zberg, Nora Crocoll / Ines Stotz

Naturprodukte sind heute überall gefragt - von Lebensmitteln bis zu Gebrauchsartikeln des täglichen Bedarfs. Die Verarbeitung von Naturlatex zu Matratzen- und Kissenkernen ist eine sensible Sache, was somit auch hohe Anforderungen an die eingesetzte Automatisierungstechnik stellt.

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Im Kanton Aargau in der Nordschweiz stellt Neutex, eine Tochter der Foam-Gruppe, Matratzen- und Kissenkerne aus 100 Prozent Naturlatex her. Jetzt wurden die Produktionskapazitäten erweitert und eine neue hochmoderne Fertigungsanlage in Betrieb genommen.

Zur Herstellung der Latexmatratzen wird der Naturlatex schrittweise mit Seifen und Schwefeldispersion vermischt, ruht nun im so genannten Maturierungstank und kommt schließlich in den Tagestank. Dieser führt abhängig von der gewünschten Matratzenhärte dem Durchlaufmixer je Matratze die entsprechende Latexmenge zu. Der Mixer schlägt die Masse zu einem luftigen Schaum, der in eine Form gegossen wird.

Nachdem der Mixer die Masse zu einem luftigen Schaum aufgeschlagen hat, wird dieser in eine Form gegossen (Archiv: Vogel Business Media)

Diese startet nun, geführt von Kettenantrieben, ihre Reise durch eine Art zweistöckiges Karussell. Nach einem Gelierprozess hebt ein Fahrstuhl die Form auf die obere Ebene. Hier werden die Matratzen im Vulkanisierungstunnel „gebacken“. Dabei erhalten sie ihre typische elastische Struktur. Nun fährt ein weiterer Fahrstuhl die Form wieder auf die untere Ebene, wo zwei Mitarbeiter die noch ca. 80°C heißen Matratzen von Hand auspacken.

Das Auspacken der Matratzen ist echte Handarbeit, die neben Kraft auch viel Gefühl erfordert (Archiv: Vogel Business Media)

Danach kommen die Matratzen in die Nachbehandlung zum Waschen, Trocknen und Nachvulkanisieren. Die leeren Formen fahren im Karussell über einen Kühlkanal zum Anfang zurück, hier werden sie von neuem gefüllt. Dabei arbeitet die Anlage im Vier-Schichtbetrieb sieben Tage die Woche.

Reibungsloses Zusammenspiel

Das Bild zeigt einen Teil des Karussells, das aus 60 Einzelplätzen besteht, die über zwei Stockwerke verteilt sind. Im oberen Teil befindet sich der Vulkanisierungskanal, unten die Füllstation, der Gelierkanal, die Auspackstation und der Kühlkanal für die Formen (Archiv: Vogel Business Media)

Der gesamte Produktionsprozess ist nur bei gutem Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine möglich. Das Karussell besteht insgesamt aus 60 Einzelplätzen, die theoretisch fast alle gleichzeitig mit je einer Matratzenform belegt sein können. Gibt es an einem Punkt des Kreislaufes Verzögerungen, gerät die gesamte Produktion ins Stocken. Verbleiben die Matratzen zu lange in der Vulkanisationsstrecke, besteht die Gefahr einer Übervulkanisation. Das Material wird dabei spröde statt weich und elastisch. Steht die Anlage nur einige Minuten still, ist nicht nur eine komplette Charge unbrauchbar, sondern auch die Formen müssen aufwändig gereinigt werden. Damit es nicht zu solchen kostspieligen Anlagenstillständen kommt, war eine zuverlässige Automatisierungslösung gefragt.

„Weil wir bereits bei der alten Anlage mit Eltromatic erfolgreich zusammengearbeitet haben, fiel auch in diesem Projekt für den Steuerungsbau die Wahl auf den Automatisierungsexperten aus dem benachbarten Flaach“ berichtet Alfred Michel, Geschäftsführer bei Neutex und Projektleiter bei der Anlagen-Neugestaltung. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Steuerungsbau für Schaltanlagen und Schaltwarten in Industrie und im kommunalen Bereich. Dabei gehört u.a. auch die Softwareerstellung für SPS- und Visualisierungssysteme zum Dienstleistungsspektrum der Automatisierungsexperten.

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