Funkfernsteuerungen Mehr Sicherheit bei Inspektion und Fehlerbehebung

Autor / Redakteur: Michael Bücker, Ellen-Christine Reiff / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Müssen Mitarbeiter zur Wartung den Sicherheitsbereich laufender Maschinen oder Anlagen betreten, sollen, mehr oder weniger gut erreichbare, Not-Aus-Schalter für Schutz sorgen. Eine oft unsichere Angelegenheit vor allem in weitläufigen Anlagen. Inzwischen gibt es jedoch gerade dafür maßgeschneiderte Sicherheitslösungen.

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Um den Schiebebühnenbereich bei laufender Anlage zu betreten, weil beispielsweise eine Anomalie überprüft werden soll, nimmt der Bediener den Handsender aus der Ladehalterung und autorisiert sich durch den elektronischen Schlüssel. Wenn ein Mitarbeiter den Bereich ohne Handsender betritt, schaltet sich die Schiebebühne sofort ab.
Um den Schiebebühnenbereich bei laufender Anlage zu betreten, weil beispielsweise eine Anomalie überprüft werden soll, nimmt der Bediener den Handsender aus der Ladehalterung und autorisiert sich durch den elektronischen Schlüssel. Wenn ein Mitarbeiter den Bereich ohne Handsender betritt, schaltet sich die Schiebebühne sofort ab.
( Archiv: Vogel Business Media )

Anlagenbereiche, bei denen gefährliche Maschinenbewegungen ein Unfallrisiko bergen, darf eigentlich niemand betreten. Falls doch, sorgen Schutztüren, Lichtgitter oder -schranken für einen sofortigen Bewegungsstopp. Bei Inspektionen, Fehlersuche oder Einstellarbeiten ist es jedoch oft unerlässlich, dass ein Mitarbeiter den Sicherheitsbereich betritt und sich darin aufhält, während die Maschine oder zumindest Teile davon in Betrieb sind. Dabei ist es gang und gäbe, dass ein zweiter Mitarbeiter am Bedienpult auf Zuruf die Maschine manuell so steuert, dass die notwendigen Arbeiten oder Einstellungen durchgeführt werden können. Zur zusätzlichen Absicherung dienen die an der Maschine festinstallierten obligatorischen Not-Aus-Schalter. Je nach Arbeitsposition sind diese aber nicht immer einfach und wirklich jederzeit erreichbar. Abhilfe versprechen maßgeschneiderte Sicherheitslösungen.

Abschalten und Steuern von überall

Mit der Serie Radiosafe beispielsweise bietet Datenfunk- und Fernsteuerungsexperte Welotec eine mobile Funk-Notabschaltung. Diese erhöht das Sicherheitsniveau deutlich für jeden, der an im Handbetrieb oder Wartungsmodus laufenden Maschinen und Anlagen Störungen manuell beheben oder Einstellungen vornehmen muss. Denn per Tastendruck lassen sich gefahrbringende Bewegungen innerhalb von Sekundenbruchteilen per Funk abschalten.

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Das komplette System besteht aus einem im Schaltschrank montierbaren Sicherheitsempfänger, einem mobilen Sender und einer Ladehalterung. Der ergonomisch geformte Sender ist leicht und lässt sich problemlos mit einer Hand bedienen. Ein fest eingebauter Li-Ionen-Akku sorgt für eine Autonomie bis 30 Stunden. Außer dem Not-Aus-Schlagtaster befinden sich bis vier weitere, frei konfigurierbare Taster oder Schalter auf dem Handsender. Dadurch kann der Bediener, wenn die Maschine im Handmodus läuft, auch alle für ihn wichtigen Funktionen selbst fernsteuern, etwa Schritt-für-Schritt-Modus und Modulation der Drehgeschwindigkeit. Diese lassen sich mit selbstklebenden Etiketten neben den Funktionstasten eindeutig kennzeichnen.

Zusätzlich verhindert eine einstellbare Tot-Mann-Funktion, dass der Bediener den Sender für längere Zeit aus der Hand legt. Die Sicherheit des im Gefahrenbereich arbeitenden Mitarbeiter erhöht sich dadurch beträchtlich, vor allem wenn bestimmte Maschinenfunktionen während der Wartung im so genannten Wartungs- oder Diagnosemodus automatisch laufen.

Anpassung an die jeweilige Applikation

Die Betriebsfrequenz über die Sender und Empfänger kommunizieren ist frei programmierbar; man kann sie also den individuellen funkelektrischen Konfigurationen der Anwendungsumgebung anpassen. Insgesamt stehen 64 Frequenzen von 433 bis 434 MHz zur Wahl. Der Sicherheitsempfänger selbst stellt zahlreiche komfortable Möglichkeiten zur Verfügung, denn außer dem der Not-Aus-Taste des Senders zugeordneten Funkeingang gibt es weitere Ein- und Ausgänge.

Je nach Anwendung sind beispielsweise ein oder zwei Not-Aus-Eingänge mit zwei Kanälen oder Eingängen für Sicherheits-Lichtschranken (Typ 4 nach EN 61498) oder fest verdrahtete Not-Aus-Taster vorgesehen. Bis zu sechs statische Ausgänge lassen sich den Sender-Funktionstasten zuordnen, um im Wartungs- oder Einstellmodus die gewünschten Maschinenfunktionen zu starten. Außerdem gibt es bis zu zwei Eingänge, die die Anwesenheit des Senders auf der Ladestation überwachen. Nur wenn der Sender aus der Ladehalterung entnommen ist, lässt sich zum Beispiel der manuelle Wartungsmodus der Maschine starten. Umgekehrt ist der Automatikbetrieb der Maschinen oder Anlagen nur möglich, wenn sich der Handsender auf der Ladehalterung befindet.

Per elektronischem Schlüssel autorisieren

Hat der Bediener den Handsender aus der Ladehalterung entnommen, muss er sich mit einem elektronischen Schlüssel zunächst autorisieren. Nur dann lassen sich die Funktionen des Funk-Not-Aus-Systems nutzen. Der elektronische Schlüssel hat gleichzeitig aber noch eine weitere Funktion: Auf ihm sind alle wichtigen Konfigurationsdaten gespeichert. Fällt eine Sendeeinheit aus, lassen sich alle notwendigen Betriebsparameter schnell auf ein Ersatzgerät übertragen.

Für weitläufige Maschinen- oder Anlagen-Areale lässt sich das Sicherheitsniveau mit einer (optionalen) Infrarot-Einschaltfreigabe noch weiter erhöhen. Im Gegensatz zu Funkwellen verlangen Infrarotwellen Sichtkontakt. Das heißt, der Bediener kann den Handsender in diesem Fall nur freischalten, wenn Sichtverbindung zu einem an strategisch günstiger Stelle platzierten Infrarotsender besteht. Er muss sich also innerhalb eines definierten Arbeitsbereichs aufhalten, um die Maschinenfunktionen manuell zu steuern.

Die Funk-Notabschaltung erfüllt alle einschlägigen Normen und Richtlinien: die europäische Maschinenrichtline 98/37/EG, die Sicherheitsnorm EN 61 508, die EN ISO 13849-1, sowie die Normen IEC 60204-32 und 60 204-1. Damit erschließen sich der cleveren Drahtlos-Lösung viele Einsatzmöglichkeiten. Typische Applikationen sind beispielsweise Schiebebühnen, automatische Hochregal-Lager, Fördertechnik-Einrichtungen, Krananlagen und zahlreiche weitere Maschinen und Anlagen, die ein manuelles Eingreifen erforderlich machen, ohne dass sie komplett abgeschaltet werden können.

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