7 Experten zum Thema IO-Link - Teil 1

Nachgefragt: Welcher Mehrwert resultiert aus dem Einsatz von IO-Link?

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Klaus Ebinger:Produktmanager Interfacetechnik bei Turck
Klaus Ebinger:Produktmanager Interfacetechnik bei Turck
(Turck)
Klaus Ebinger, Produktmanager Interfacetechnik bei Turck: IO-Link ist streng genommen „nur“ ein standardisiertes Ausgangssignal. Die möglichen technischen und wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich aus der Anwendung heraus. IO-Link bietet als Plattformtechnologie neue Möglichkeiten, um ein Maschinen- oder Anlagenkonzept flexibler, einfacher und kostengünstiger zu gestalten.

IO-Link Geräte können beispielsweise an veränderte Produktionsparameter quasi per Knopfdruck angepasst werden. Die neuen Konfigurationen müssen nicht umständlich vor Ort am Gerät eingegeben, sondern können bequem über einen Datenserver der Steuerung in das Gerät übertragen werden. Dies erhöht den Einsatzzweck und die Verfügbarkeit einer Maschine enorm. Darüber hinaus sind Fehleingaben oder Manipulationen ausgeschlossen.

Auch das Reduzieren oder Wegfallen von Analogsignalformen führt zu Kosteneinsparungen, denn verschiedene Analog-Eingabekarten sind zukünftig nicht mehr notwendig. IO-Link überträgt schnell und sicher den Prozesswert und stellt darüber hinaus noch Diagnosedaten – ohne zusätzlichen Verdrahtungsaufwand – zur Verfügung. Dies ist ein echter Mehrwert zur konventionellen Analogsignalübertragung.

Selbst im Bereich der Binärsignale kann IO-Link mit Vorteilen glänzen. Dort, wo heute mit Passivverteilern Signale gesammelt und über Multicore-Kabel an die Steuerung weitergeleitet werden, können Verteiler mit IO-Link-Technologie einfach eine 3-Draht-Leitung am IO-Link-Eingang der Steuerung nutzen. Das reduziert erheblich den Verkabelungsaufwand und die Fehlermöglichkeiten.

Im Zuge der Modularisierung und Miniaturisierung von Maschinen und Anlagen sehe ich ein enormes Potenzial für die Technologie IO-Link. Die Forderungen an die Instrumentierung nach mehr Intelligenz, kleineren Baugrößen und geringerem Energiebedarf werden immer stärker. Mit den bisherigen Konzepten kommt man sehr schnell an die Grenzen. Displays und Bedienung vor Ort benötigen Platz und Energie; IO-Link-Sensoren können viel besser an die neuen Anforderungen angepasst werden, da sie nicht vor Ort parametriert werden müssen. Ein Prozesswert alleine wird zukünftig nicht mehr ausreichen, um eine Maschine und Anlage effizient und kostengünstig zu betreiben. Mit einem Stromausgang alleine wird man hier sehr schnell an die Grenzen kommen. Mit IO-Link können mehr Informationen und Wissen aus der Applikation übertragen werden, die dabei helfen, die Produktion besser auf veränderte Gegebenheiten anzupassen.

Christian Gemke;Market Management I/O Systems im Geschäftsbereich I/O and Networks bei Phoenix Contact Electronis, Bad Pyrmont
Christian Gemke;Market Management I/O Systems im Geschäftsbereich I/O and Networks bei Phoenix Contact Electronis, Bad Pyrmont
(Phoenix Contact)
Christian Gemke, Market Management I/O Systems im Geschäftsbereich I/O and Networks bei Phoenix Contact Electronis: Die Anwendungsvorteile IO-Link lassen sich in drei Punkten zusammenfassen: Da ist zuerst einmal die einfachere Verdrahtung. IO-Link überträgt die Signale über ungeschirmte Drei-Leiter-Leitungen, sodass teure und aufwändig zu konfektionierende geschirmte Kabel entfallen können. Ein weiterer Nutzen für den Anwender liegt in der besseren Diagnose. Aufgrund der in IO-Link eingebauten Fehlererkennungs-Mechanismen werden Fehler bei der Signalübertragung eindeutig und ortsgenau detektiert. Das vereinfacht die Diagnose und gestaltet den Betrieb der Maschine oder Anlage zuverlässiger.

Als Pluspunkt des Standards erweist sich außerdem die Parametrierung. So lassen sich die Parameter aus der Steuerungsebene über einen in IO-Link integrierten Service-Daten-Kanal an die angeschlossenen Sensoren und Aktoren weiterleiten – und das sowohl während des Anlaufs als auch im laufenden Betrieb der Applikation. Ferner können beispielsweise Teach-Werte im Master abgespeichert werden, die im Fall eines Gerätewechsels zur Neuparametrierung zur Verfügung stehen.

In Summe bedeuten diese Vorteile für den Anwender sinkende Installationskosten, kürzere Inbetriebnahmezeiten sowie die schnelle und zielführende Eingrenzung und Behebung von Fehlern. Alles in allem reduziert sich also der Aufwand bei steigender Produktivität.

Thorsten Schröder: Produktmanager Innovative Optische Sensoren bei Pepperl+Fuchs
Thorsten Schröder: Produktmanager Innovative Optische Sensoren bei Pepperl+Fuchs
(Pepperl+Fuchs)
Thorsten Schröder, Produktmanager Innovative Optische Sensoren bei Pepperl+Fuchs: IO-Link bietet eine Vielzahl von Vorteilen. Den Nutzen, den der Anwender daraus ziehen kann, ist dementsprechend individuell unterschiedlich. Die Spanne ist sehr breit und reicht von einer vereinfachten Installation über eine optimale Parametrierung bis hin zu detaillierten Diagnosemöglichkeiten. Wir als Sensorhersteller sehen klar den Trend, dass selbst vermeintlich einfache Sensoren mit immer mehr Intelligenz versehen werden. IO-Link liefert den Schlüssel, um auf diese Ressourcen zuzugreifen. Wenn der Anwender die damit gegebenen Möglichkeiten sinnvoll nutzt, kann er zum Beispiel Wartungsintervalle optimieren, Fernwartungen durchführen und schlussendlich die Verfügbarkeit seiner Anlage nachhaltig steigern.

Armin Hänsler:Leiter Produktbereich Sensorik bei Sensopart Industriesensorik, Gottenheim
Armin Hänsler:Leiter Produktbereich Sensorik bei Sensopart Industriesensorik, Gottenheim
(Sensopart Industriesensorik)
Armin Hänsler, Leiter Produktbereich Sensorik bei Sensopart Industriesensorik: Die IO-Link-Schnittstelle bietet viele Vorteile gegenüber anderen Schnittstellen. Zum Beispiel lassen sich mit IO-Link analoge Schnittstellen - 0 bis 10 V oder 4 bis 20 mA - ersetzen, die durch notwendige Zusatzkomponenten weitere Kosten verursachen. Außerdem reduziert sich der Verdrahtungsaufwand, weil die Sensoren über zentrale Anschluss-Module gebündelt werden und nur diese direkt mit der Steuerung verbunden werden müssen. Verrichten mehrere Sensoren in einer Maschine die gleiche „Arbeit“, so können die Einstellungen eines Sensors automatisch auf die anderen übertragen werden, was eine erhebliche Zeitersparnis beim Einrichten bedeutet. Bei Maschinen, die häufige Programmwechsel durchführen, ist eine zentrale Steuerung der Sensoren Voraussetzung. Die Einstellungen für ein bestimmtes Programm werden in der übergeordneten Steuerung abgespeichert und beim Programmwechsel in die Sensoren eingespielt. Sollte ein Sensor ausgetauscht werden müssen, übernimmt der neue Sensor automatisch die Parameterwerte.

Durch den Informationsaustausch zwischen Sensor und Anlagensteuerung lässt sich die Mess-Qualität von – kritischen - Anwendungen, wie beispielsweise der Erkennung von transparenten Objekten, permanent kontrollieren. Auch eine Ferndiagnose der Maschine bis zur Sensor-Ebene ist durch IO-Link möglich. So könnte etwa ein Servicetechniker in Deutschland per Online-Zugriff die Fehler in einer in Brasilien stehenden Maschine analysieren und beheben. Dies spart Reise- und Arbeitszeit und reduziert unproduktive Maschinen-Stillstandszeiten.

Ergänzendes zum Thema
Rekordbeteiligung bei IO-Link

IO-Link präsentierte sich auf der SPS IPC Drives 2013 mit einer noch nie erreichten Geräteanzahl: mit 127 Geräten von 29 Herstellern. Eine Vielzahl von Neuheiten bietet dem Anwender noch mehr Vorteile und rundet das IO-Link Produktspektrum ab.

Mehr denn je stand die große Bandbreite an verfügbaren IO-Link Produkten im Vordergrund. So wurden 30 komplett neue Produkte in Nürnberg gezeigt, die auch neue Gerätekategorien erschließen. So wurden auf der IO-Link Wand erstmalig Master mit Device Net und mit Sercos-Anschluss gezeigt. Aber auch bei den Devices waren neue Kategorien hinzugekommen, so zum Beispiel IO-Link Koppler, Signalleuchten, Signalkonverter oder auch kapazitive Sensoren.

Als herstellerübergreifender Standard für einfache Verkabelungs- und Kommunikationslösungen setzt sich IO-Link im Maschinen- und Anlagenbau immer mehr durch. Inzwischen kommt IO-Link in zahlreichen Branchen und Maschinen zum Einsatz. Der Anwender konnte sich in Nürnberg selbst davon überzeugen, wie groß die Produktvielfalt mittlerweile ist und wie schnell IO-Link wächst. Im Dialog mit den Anwendern wird weiterhin an neuen Geräten gearbeitet für produktive, flexible und Kosten senkende Automatisierungsprodukte.

Nicht nur das Produktspektrum sondern auch die IO-Link Gemeinschaft wächst kontinuierlich. So zählt das IO-Link Konsortium mittlerweile 59 Mitglieder. Allein dieses Jahr sind bereits drei neue Firmen der Gruppe beigetreten.

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