Unternehmensfinanzierung (Teil 1) Sale-and-Lease-back verspricht neue Liquidität für Innovationen und Investitionen

Autor / Redakteur: Rainer Wieser / Wolfgang Leppert

Als Finanzierungsinstrument bringt sich Sale-and-Lease-back gerade in Zeiten der Kreditklemme als attraktive Lösung ins Gespräch. Wichtig ist jedoch, die Vor- und Nachteile intensiv auszulooten, bevor eine solche Maßnahme ergriffen wird.

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Sale-and-Lease-back bedeutet, dass ein Unternehmen zunächst seine Immobilie oder einen anderen Vermögensgegenstand zum aktuellen Verkehrswert an eine Leasing-Gesellschaft verkauft. Anschließend mietet oder least das Unternehmen das Verkaufte wieder zurück. Nicht ausgeschlossen ist dabei, dass das Unternehmen die geleasten Gegenstände zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder zurückkauft. Da gerade bei Immobilien, Grund und Boden in Unternehmen große Summen an Kapital fest gebunden sind, wird durch dieses Instrument ein hoher Kapitalwert freigesetzt. Eine besonders innovative und immer häufiger genutzte Form des Sale-and-Lease-back ist die Anwendung auf selbstgeschaffene immaterielle Güter wie Marken oder Patente. Diese werden von Banken kaum als Sicherheiten akzeptiert und sind dadurch häufig unbelastet und frei für Sale-and-Lease-back-Finanzierungen.

Die Vorgehensweise: Zunächst werden Gegenstände ausgewählt, die verkauft und zurückgeleast werden sollen. Anschließend wird der Wert des Objekts ermittelt. Dies mündet in die Gestaltung und Verhandlung der Verträge über die Transaktion. Dabei werden der Kaufvertrag über den Verkauf des Objekts und der Leasingvertrag durch eine Rahmenurkunde zu einem Vorgang verknüpft.

Methode aktiviert stille Reserven im Anlagevermögen

Was auf den ersten Blick etwas verwunderlich klingen mag, hat durchaus seinen Charme: Durch diese Leasing-Variante werden sofort Mittel für Innovationen, Zukunftsinvestitionen oder strategische Akquisitionen frei. Dadurch stärkt das Unternehmen seine Liquidität, ohne die Fremdkapitalquote zu erhöhen. Zudem können sogenannte stille Reserven im Anlagevermögen aktiviert werden: Hat ein Unternehmer sein Grundstück beispielsweise in der Vergangenheit zu einem günstigen Kaufpreis erworben, ist die in der Zwischenzeit eingetretene Wertsteigerung in einer HGB-Bilanz nicht sichtbar, sondern wegen des zu befolgenden Niederstwertprinzips nur der ursprünglich gezahlte Kaufpreis. Durch den Verkauf des Grundstücks kann dieser Wertzuwachs realisiert werden. Der Erlös taucht anschließend als Bargeldbestand im Umlaufvermögen auf und erhöht so die Bilanzsumme. Allerdings darf bei der Aktivierung von stillen Reserven nie vergessen werden, dass diese Möglichkeit dann für die Zukunft ausgeschöpft ist und mögliche finanzielle Schieflagen anderweitig abgefangen werden müssen.

Besonders attraktiv ist am Sale-and-Lease-back, dass für den Verkäufer die Nutzung „seines“ Gegenstands durch die Übereignung im Zuge des Verkaufs gesichert ist. Nach einer Sale-and-Lease-back-Transaktion ist das Unternehmen nicht mehr Eigentümer und nimmt auch an zukünftigen Wertsteigerungen nicht teil, es sei denn, es hat eine Kaufoption an der verkauften Immobilie zum steuerlichen Restbuchwert zum Laufzeitende verhandelt und nimmt diese wahr.

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