Norm DIN VDE 0701-0702

So kommen Prüftechniker sicher in den Feierabend

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Die wichtigsten Prüfschritte im Überblick

Die Norm VDE 0701-0702 definiert Anforderungen an die „Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte“. Dabei legt die Norm Prüfschritte fest. Auch Karl-Heinz Becker geht stets nach diesen Schritten vor. Er hat sich den Grundsatz „Besichtigen, Erproben, Messen“ eingeprägt. Die Sichtprüfung unterteilt sich in die beiden Abschnitte Begutachtung auf erkennbare Mängel und Feststellung der Schutzmaßnahmen, erklärt der Elektrotechniker. Becker untersucht zunächst den Prüfling nach äußerlich erkennbaren Beschädigungen am Gehäuse, Leitung oder Stecker. Dabei achtet er auf jedes Detail und untersucht alle Schäden und Spuren genau. Hat das Gerät die Sichtprüfung bestanden wird es im Gerätetester quittiert. In den meisten Fällen erkennt Becker die Schutzklassen am Typenschild. Findet er ein Zeichen mit einem großen und kleinen Quadrat, handelt es sich um Schutzklasse SK II. Findet Becker allerdings kein Zeichen, dann handelt es sich um SK I. „Im Anschluss überprüfe ich, ob der Schutzleiter eine Schutzfunktion hat oder ob er lediglich zur Ableitung von Betriebsströmen dient“, berichtet der Techniker. Bei älteren Geräten gibt es jedoch oft keine Typenschilder oder diese sind durch Schmutz und Korrosion nicht mehr eindeutig lesbar. In diesem Fall muss ein Prüftechniker die Schutzmaßnahmen ermitteln. Es gilt der Grundsatz: Hat der Prüfling einen Schutzleiter (gelb/grün), so handelt es sich um ein Gerät der SK I. Geräte ohne Schutzleiter müssen nach SK II geprüft werden.

Wiederholungsprüfung nach Schutzklasse SK I

Beim Schutzleiter kommt es auf seine Durchgängigkeit an, also auf einen niederohmigen Widerstand. Der Messstrom muss dabei mindestens 200 mA betragen. Der Widerstandswert muss dabei zwischen 0,3 Ω und 1 Ω liegen. Der Widerstand darf bei einer Leitung bis 5 m nicht über 0,3 Ω liegen. Je weitere 7,5 m Leiterlänge kommen 0,1 Ω hinzu, bis der maximale Wert von 1 Ω erreicht ist. Für noch längere Kupferleitungen muss also ein entsprechend höherer Querschnitt gewählt werden. R = p x I : A + 0,1 Ω.

Ergänzendes zum Thema
PAT410
7 Tipps für den Arbeitsalltag
  • Im PAT410 reicht eine Bestätigung für Bestanden oder Nichtbestanden für die Sichtprüfung.
  • Beim PAT410 wird der Mangels über eine eingebaute PC-Tastatur im Eingabefeld eingetragen und kann im Detail beschrieben werden.
  • Mit dem PAT410 können alle Prüfabläufe mit individuellen Besonderheiten frei programmiert werden.
  • Am PAT410 muss die Messsonde nicht umgesteckt werden, damit sinkt die Fehlerwahrscheinlichkeit.
  • Mit PAT410 sind Differenzstrom-Messverfahren möglich, dies ist nützlich für Geräte mit elektronischen Netzschaltern.
  • Das PAT410 besitzt einen eingebauten Durchgangs- und Sicherungsprüfer für Isolationsmessung und Ersatzableitstrommessung.
  • Mit dem Login-PIN können Prüfabläufe für elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) unveränderbar voreingestellt werden.

Der Isolationswiderstand wird zwischen L und N gegen PE mit 500 V gemessen sowie zwischen allen berührbaren und leitfähigen Teilen, die nicht mit dem PE verbunden sind. Becker muss den Prüfling während der Prüfung einschalten, um sicher zu gehen, dass alle Isolierungen, die durch Netzspannung beansprucht sind, auch erfasst werden. Der Grenzwert in SK I liegt bei 1 MΩ. Hat der Prüfling einen Schutzleiter, muss auch der Schutzleiterstrom gemessen werden. Wichtig: Das gilt nicht bei Verlängerungsleitungen, Kabeltrommeln und Mehrfachsteckern, weil hier durch fehlende Energie kein Differenzstrom zustande kommen kann. Die Grenzwerte liegen bei max. 3,5 mA. Bei Heizelementen liegt der Wert bei 1 mA pro Kilowatt und darf insgesamt nicht höher sein als 10 mA, es sei denn, der Hersteller schreibt etwas anderes vor. Es gibt Betriebsmittel auf dem Markt, die über berührbare und leitfähige Teile verfügen, die aber nicht mit dem Schutzleiter verbunden sind. Hier muss Becker zum Abschluss den Berührstrom messen. Die Grenzwerte liegen hier bei unter 0,5 mA.

Wiederholungsprüfung nach Schutzklasse SK II

Wenn Becker allerdings einen Prüfling der Schutzklasse SK II zuordnet, dann stellt sich für ihn die Frage: Ist hier eine Isolationsmessung möglich? Eine Isolationsmessung ist nämlich nicht möglich, wenn der Prüfling einen elektronischen Netzschalter hat. Von außen kann er das aber nicht erkennen. Es ist nur mit einem separaten Durchgangsprüfer feststellbar. Ist eine Isolationsmessung möglich, ist diese von Becker mit einer Prüfspannung von 500 V durchzuführen. Der vorgeschrieben Grenzwert ist max. 2 MΩ. Nach der Isolationsmessung kann der Elektrotechniker den Berührstrom mit dem Ersatz-Ableitstromverfahren an allen berührbaren und leitfähigen Teilen messen. Der Berührstrom darf nicht größer als 0,5 mA sein. Ist eine Isolationsmessung nicht möglich, muss er eine Berührstrommessung mit dem direkten Messverfahren durchführen. Auch hier darf der Berührstrom nicht größer sein als 0,5 mA. Zuletzt muss Becker das Gerät einschalten und auf seine Funktion hin überprüfen und sicherstellen, dass alle Sicherheitseinrichtungen vorhanden sind und funktionieren

Tipp: Bei Megger kann ein kostenloses Poster mit Prüfabläufen in den Schutzklassen SK I und SK II im Format A1 (594 x 840 mm) bestellt werden. Sowie ein beispielhaftes Protokoll nach DIN VDE 0701-0702. Bestellen können Sie das kostenlose Poster hier.

* Georg Halfar, Leiter Marketing und Kommunikation, Megger, Oberursel

(ID:43495541)