Engineering 2014 Soft Skills werden für Ingenieure immer wichtiger
Nicht erst seit dem Trendthema Industrie 4.0 ist die Engineeringwelt vom Wandel geprägt. Neue Technologie verlangen immer wieder nach neuen Herangehensweisen. So müssen sich auch Ingenieure dem stetigen Wandel anpassen – ganz egal ob Master oder Diplom. Neben den neuen technischen Herausforderungen werden zudem beim Berufsbild Ingenieur die Soft Skills immer wichtiger.
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In der Wochenzeitung „Die Zeit Nº 17/2012“ gab es einst ein Generationengespräch zweier Ingenieure. Beide arbeiten bei Bosch, der eine – Klaus Heyke – seit 42 Jahren und Robert Kolb seit sieben Jahren. Auf die Frage, welche Eigenschaften ein Ingenieur vor vier Jahrzehnten und heute mitbringen muss, antwortet Heyke: „Es gibt zwei Konstante. Erstens: Der Ingenieur muss kreativ sein. Und zweitens: Er muss absolut sicher sein in den physikalisch-technischen Grundlagen. Diese beiden Eigenschaften sind unerlässlich“. Dazu Kolb: „Was dazugekommen ist, sind Soft Skills wie soziales, kommunikatives und methodisches Wissen. Dinge, die im Studium fast gar nicht vorkommen. Ich habe das erst durch Förderprogramme hier im Unternehmen gelernt. Neue Anforderungen, wie interkulturelle Kompetenz, kommen durch die starke Internationalisierung hinzu: Was muss ich beachten, wenn ich Kollegen in China Mails schreibe? Längst ist es selbstverständlich, dass wir auch mit deutschen Mitarbeitern im Ausland auf Englisch kommunizieren.
Beim Generationenwechsel Synergien nutzen
Laut den Herren Kolb und Heyke entbrannte auch eine Diskussion zwischen Master, Diplom und deren Qualifikation. Unabhängig davon mündete das Gespräch in dem Fakt, dass beide voneinander profitieren können – Alt von Jung und umgekehrt. Bildungstraditionen hin oder her, die Berufserfahrung lehrt, dass mit einer wandelnden Technologie auch die Herangehensweise im Engineering sich verändert. Am Beispiel einer Gleichrichterdiode macht dies Heyke deutlich: “Dieses Bauteil ist ein eher bodenständiges Produkt. Sie ist fundamental für Generatoren, die Lichtmaschine eines Autos kann ohne Dioden nicht funktionieren. Trotzdem hat sich viel getan auf dem Gebiet. Es wäre verwunderlich, wenn wir Senioren auf dem exakt gleichen Niveau der Jungen wären. Die Stärken des einen sind die Schwächen des anderen. Beim Computer bin ich auf dem Stand eines 15-Jährigen. Aber wetten, dass Herr Kolb nicht mit dem Rechenschieber umgehen kann?“
Dazu Kolb: „Stimmt. Für mich ist es dennoch erstaunlich, wie schnell die Erfahrung eines älteren Mitarbeiters manchmal zum Ziel führen kann. Da dreht einer an ein paar Schräubchen, und schon läuft die ganze Anlage wieder. Die Jungen rasen mit Tempo 200 über die Autobahn, und die Alten fahren mit 50 über die Landstraße. Trotzdem sind sie schneller da, weil sie die Abkürzung kennen.“
Frauen stärken die Innovationskraft
Zum Thema „Frauen im Ingenieurswesen“ meint Kolb, dass gemischte Teams wichtig sind für die Innovationskraft von Unternehmen. Mehr Vorbilder sind auf den Firmenfluren gefragt – Frauen in Führungspositionen und Männer in Eltern- oder Teilzeit – damit der Paradigmenwechsel endlich in den Köpfen ankommt. Neue Arbeits- und Rollenmodelle sind bei Bosch gängig, mit verkürzten Arbeitszeiten und flexiblen Arbeitsplätzen. Die Zahl der Väter in Elternzeit ist bei Bosch in den vergangenen fünf Jahren von 60 auf über 1.000 gestiegen. Was bei Heyke und Kolb schon angeklungen ist, beweist Petra Samek, Diplomingenieurin (FH) mit ihrem Werdegang. Bei Lapp Kabel arbeitet sie als Entwicklungsingenieurin und hat parallel ihre Familie laufen. Ihr Job heute ist eine bunte Mischung aus Beratung, technischer Dokumentation, Normenrecherche, virtuose Anwendung vorhandener Software und Berechnungen. Sei es, um mal eben den Wellenwiderstand einer Leitung anzugeben oder Leitungsvolumen für bestimmte Brandklassifikationen zu ermitteln. Als Teilzeitingenieurin und Mutter von drei Kindern arbeitet sie zweimal die Woche von zu Hause aus.
Längst ist das Engineering keine reine Frage des Geschlechts. Vielmehr muss mangels des Absolventen hinterfragt werden, wie Schulen und Hochschulen die Affinität für Technik stärken können. Oder sollen sich auch die Unternehmen dafür verantwortlich zeigen? Die Technikskepsis in Deutschland ist nicht zu unterschätzen. Daher gibt es Initiativen wie die Gerda-Stetter-Stiftung „Technik macht Spaß“ sowie Bücher wie „55 Gründe, Ingenieur zu werden“ von Ekkehard D. Schulz. Natürlich auch ähnliche zielführende Aktionen und Projekte, die von Hochschule und der Industrie kommen.
Erkenntnisse an die junge Generation weitergeben
Eine Aufklärung zum Ingenieurberuf schafft Vertrauen für die Bildungswege, verschafft den Unternehmen die Nachwuchskräfte und beschafft den Absolventen die Motivation für den passenden Arbeitgeber. Was genau einen Ingenieur ausmacht ergibt nicht das Gespräch der beiden Bosch-Ingenieure alleine. Diese kurze Einzelreflexion macht nur klar, wie vielschichtig die Themenfelder im Engineering sind. Und wie komplex die Zusammenhänge in den Ingenieursdisziplinen sein können. Elektrotechnik, Maschinenbau und Software – die Mechatronik ist allgegenwärtig. Die vielschichtigen Erfahrungsschätze gehören geborgen und weiter gegeben.
Im Fokus steht damit der Austausch an Informationen. Es ist das Zusammenwirken aller Kräfte in der Kommunikation, auf Neudeutsch das sogenannte Networking. Wenn sich alle Kompetenzträger dem verschreiben, ihre Erfahrungen festzuhalten, dann ist der individuelle Profit gewährleistet. Der Blog „Startblog Engineering“ soll dafür eine Plattform bieten.
* Paul Kho, Freier Fachjournalist, Technische Kho-mmunikation
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