Rutronik Umweltschutz geht uns alle an
Dass „grüne“ Elektronik nicht alleine Sache der produzierenden Industrie ist, zeigt der Distributor Rutronik. Unter dem Motto „Think green“ hat der Broadliner eine Umweltkampagne gestartet, die an der Schnittstelle zwischen Hersteller und Kunden ansetzt. Wie das Unternehmen seine Kunden für Umweltthemen sensibilisieren möchte, erläutert uns Markus Krieg, Bereichsleiter Halbleiter bei der Rutronik Elektronische Bauelemente GmbH in Ispringen.
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Herr Krieg, was genau steckt eigentlich hinter Ihrer Umweltschutzkampagne?
Unter „Think green“ verstehen wir Umweltbewusstsein und Energieeffizienz entlang der Distributionskette. Rutroniks integratives Engagement für den Umweltschutz erstreckt sich auf vier Säulen: umweltkonforme Beratung bei Produktauswahl und Design-In, Qualitäts- und Umweltmanagement, Recycling und Mehrweg. Übergreifend sehen wir auch das Breitband-Sortiment als Beitrag zum Umweltschutz: Je mehr Komponenten der Kunde aus einem Vertriebskanal beziehen kann, desto weniger Transportaufkommen ist nötig und desto besser ist man in der Lage, die Komponenten möglichst Strom sparend aufeinander abzustimmen.
Ist das Umweltengagement bei Rutronik ganz neu entstanden?
Wir betreiben schon sehr lange aktiven Umweltschutz im Hause Rutronik, auch als das Thema noch nicht so populär und öffentlichkeitswirksam war. Die Kampagne „Think green“ fasst unser Umweltengagement jetzt plakativ zusammen. Damit möchten wir noch gezielter Akzente bei unseren Kunden zu diesem Thema setzen und verstärkt aktiv auf die Notwendigkeit von Umwelt- und Klimaschutz aufmerksam machen. Wir haben an der Schnittstelle zwischen Herstellung und Vertrieb von Bauelementen eine wichtige Vermittlerposition inne und wollen einen entscheidenden Beitrag zur „grünen“ Elektronik leisten.“ Natürlich gehört dazu auch Umweltschutz im eigenen Unternehmen, sonst wäre unser Auftritt nicht glaubhaft.

Stoßen Sie bei Ihren Kunden damit auf offene Ohren?
Energie schonende und emissionsarme Applikationen sind beim Verbraucher immer mehr gefragt. Er übt mit dieser Nachfrage einen erheblichen Marktdruck aus. Darauf reagieren auch unsere Kunden als Produzenten von Endgeräten oder Zulieferprodukten für verschiedene Industrien verstärkt. Sie erkennen den verkaufsfördernden Aspekt von umweltkonformen Anwendungen zunehmend, haben aber noch erheblichen Informationsbedarf. Erfreulicherweise ziehen die Komponenten-Hersteller inzwischen nach: Sie setzen mehr und mehr auf umweltgerechte Produkte, etwa über weitere Miniaturisierung.
Wie sieht die Gesetzgebung aus - welche Umweltvorschriften sind für den Distributor zu beachten?
Mit der RoHS-Verordnung ist zwar ein erster Schritt zur Schadstoffreduzierung getan, Ziel muss aber weiterhin sein, Schadstoffe in Bauelementen zu reduzieren und vorhandene Umweltbelastungen so schnell wie möglich aus dem Produktlebenszyklus zu nehmen. Der Gesetzgeber hat hier einiges in petto, so beispielsweise das Umweltprofil. Es ist anzunehmen, dass in Zukunft weitere Anforderungen zur Reduzierung der umweltbezogenen Belastungen von Elektronikbauteilen und -komponenten kommen werden. Von Herstellern wird erwartungsgemäß verlangt werden, dass sie in der Lage sind, Auskunft über das Umweltprofil ihrer Produkte zu geben. Daher ist seitens der OEMs und Zulieferer eine ausführliche Vorbereitung gefragt, um den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein. Auch wir als Distributor werden wieder gefordert sein, ähnlich wie bei der RoHs-Thematik, in unserer Mittlerposition zwischen Hersteller und Kunde aussagekräftige Informationen zur Verfügung zu stellen. Noch sind keine gesetzlichen Normen festgelegt, die ein einheitliches Energie- und Umweltprofil von Produkten definieren oder vorschreiben. Unsere eCommerce-Plattform Webg@te hat bereits über ein Login für jedermann zugängliche Umweltinformationen zu den Produkten gelistet. Der Informationsgehalt von Seiten der Hersteller ist jedoch noch recht unterschiedlich.
Wie meinen Sie, Ihre Kunden positiv beeinflussen zu können und auf den „grünen Weg“ zu bringen?
Ein Distributor übt unmittelbaren Einfluss auf die Produktauswahl seiner Kunden aus und sollte diese Position verantwortungsvoll ausschöpfen, um dessen Verständnis für Schadstoffe und Energieeffizienz maßgeblich zu schärfen. Die Stromversorgung von Applikationen ist ein essenzieller Ansatzpunkt für den Umweltschutz. Mit der von der europäischen Union verabschiedeten EUP-Richtlinie (Energy using products) „Umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte“ wurde ein gesetzlicher Rahmen geschaffen, um die Integration von Umweltaspekten in die Entwicklung und das Design von energiebetriebenen Produkten und damit die Verbesserung der Umweltauswirkungen dieser Produkte zu fördern. Interessant wird dies vor allem beim Thema „Standby-Funktion“ elektronischer Geräte. Geltendes Recht ist diese Verordnung in Europa aber noch nicht, da die Gesetzgebung bekanntlich der Hoheit der einzelnen Mitgliedsstaaten obliegt. Momentan ist es also noch eine rein freiwillige Angelegenheit jedes Produzenten, inwieweit er seine Anwendungen umweltfreundlich gestaltet. Hier sehen wir einen entscheidenden Anknüpfungspunkt beim Kunden über intensive Beratung und Sensibilisierung. Darüber hinaus eignet sich Wissenstransfer hervorragend, um das Einkaufsverhalten der Kunden auf die grüne Schiene zu bringen, wie sich auch in der Vergangenheit bei unseren Seminarreihen „Bleifrei“ und „Power Factor Correction“ (Leistungsfaktorkorrektur) gezeigt hat.
Wo genau sehen Sie in der Beratung also konkrete Ansatzpunkte für den Umweltschutz?
In der modernen Welt werden nun mal elektronische Geräte mit Strom versorgt. Aus unserer Sicht lässt sich aber genau dort ansetzen, wo die Energie umgesetzt wird: bei der Spannungswandlung. Dank unseres breiten Produktangebotes an aktiven, passiven und elektromechanischen Bauelementen können wir unsere Kunden optimal mit aufeinander abgestimmten, energiesparenden Kits mit niedriger Verlustleistung versorgen. Eine Reihe von Kunden hat bereits Vorgaben, welche Menge an Energie genutzt werden darf. Natürlich soll der Wirkungsgrad möglichst hoch und damit einhergehend der Stromverbrauch extrem niedrig sein, besonders wichtig ist das bei akku- und batteriebetriebenen Geräten. Andere müssen aus Gründen des Thermomanagements energiesparende Bauteile verwenden. Parallel dazu setzen wir unsere Bemühungen darauf an, unsere Kunden aktiv auf die grüne Schiene zu bringen: Wir erörtern dem Kunden bei der Produktberatung ausführlich, warum es für seine Applikation von Marktvorteil ist, wenn das Produkt unter grünen Aspekten designed wird und bieten stromsparende Kits an.
Wie gehen Sie selbst beim Umwelt- und Qualitätsmanagement mit gutem Beispiel voran?
Qualitätsmanagement (QMS) und Umweltmanagement (UMS) nach ISO 14001 sind schon lange Standard bei Rutronik. Während QMS heutzutage ein Muss ist, ist UMS freiwillig und in vielen Unternehmen noch Wunschdenken. Eine Rolle spielt das UMS vor allem in den Bereichen qualifizierte Abfallentsorgung, Abfallreduzierung und strikte Überwachung des Ressourcenverbrauchs. Zu nennen ist aber auch die Reduzierung der Schadstoff-Emissionen: da setzen wir auf weniger Transportpartner, eine effiziente Tourenplanung der LKWs und die Bündelung von Wegen innerhalb des gesamten Außendienstes. Das QMS wirkt sich beispielsweise bei RoHS unmittelbar auf den Umweltschutz aus. Wir haben vor der Einführung der RoHS-Richtlinie frühzeitig eine klare Trennung der Artikel über neue Artikel-Nummern eingeführt, die dem Kunden eine ordnungsgemäße Abwicklung der Aufträge garantieren.
Inwieweit sind Sie in das Recycling-Procedere beim Kunden involviert?
Rutronik übernimmt als Serviceleistung bei verschiedenen Kunden in Deutschland die Rückführung der anfallenden Kunststoffverpackungsmaterialien, da eine Rücknahme der Verpackungsmaterialien in Deutschland bei B2B-Geschäften nicht gesetzlich verpflichtend ist. Der Kunde sammelt beispielsweise IC-Stangen und Spulen. Die Kunststoffe werden in vier Fraktionen getrennt und an die für uns tätigen Recyclingunternehmen übergeben. Die anfallenden Frachtkosten übernimmt Rutronik.
Bieten Sie ein Mehrwegsystem bei den Verpackungen an?
Ein Teil unserer Kunden – mit zunehmender Tendenz - nutzt auch unsere Mehrwegsysteme. Die hier verwendeten Verpackungsmaterialien bestehen in erster Linie aus Kartonagen. Diese sind recyclebar und lassen sich dem Wiederverwertungsprozess zuführen. Das Mehrweg-Procedere bei Rutronik richtet sich nach der bereits erläuterten ISO 14001 und ist als Tauschsystem mit Verpackungsbehältern ausgelegt. Ein Pfandsystem stellt dies aber nicht dar, da hierfür in der Regel keine Gelder fließen. Die Verwaltung findet über ein Behälterkonto statt, das Kundenseitig einmal im Jahr inventiert wird, auf Wunsch von Rutronik. Grundsätzlich gilt es, die Struktur des innerbetrieblich verwendeten Leerguts beim Kunden zu vereinheitlichen und unnötiges Umpacken zu vermeiden. Der Kreislauf gestaltet sich etwa so: Vom Hersteller trifft die Ware in Kartonagen verpackt ein. Diese wird im Rutronik-Wareneingang teilweise in rutronikspezifische Lagerbehälter umgepackt und für die Einlagerung vorbereitet. Ein gewisser Anteil der Ware verbleibt aber im Originalkarton. Sofern der Kunde original Losgrößen und Mengen bestellt und aus dem Prozess heraus kein Auspacken notwendig ist, bleibt die Verpackung vom Hersteller ungeöffnet und wird in dieser Form an den Kunden weiter versendet.
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