Immer weniger junge Menschen wollen Elektrotechnik studieren. Wie kann das sein im Zeitalter der Energiewende, der Digitalisierung und Robotik? Die Antwort des VDE: Wir haben ein Imageproblem.
Verteilung von Elektroingenieurinnen und -ingenieuren über die Branchen (Quelle: Mikrozensus, IW Köln)
(Bild: VDE)
Nur 3,5 Prozent aller Studierenden entscheiden sich für ein Studium der Elektrotechnik. Ein neuer Tiefstand. Dabei sucht Deutschland quer durch alle Branchen Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure. Ein Blick in die Zahlen zeigt, wie dringend eine Kehrtwende eingleitet werden muss.
VDE-Report „Arbeitsmarkt 2022 – Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure“ gibt detaillierte Auskunft über den Arbeitsmarkt. So gab es 2018 rund 220.300 im „Erwerbsberuf Ingenieur“ Tätige. Also Frauen und Männer mit einem abgeschlossenen Studium der Elektrotechnik, die tatsächlich entwickeln, planen oder konstruieren. Davon sind knapp 18.000 selbstständig in der Planung oder Entwicklung tätig – oft als Einzelunternehmen. 192.000 studierte Elektrotechniker und Informationstechniker arbeiten zudem als Hochschullehrende und als Fach- und Führungskräfte in Beratung oder Vertrieb.
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Wie viele Ingenieurinnen oder Ingenieure der Elektrotechnik braucht Deutschland eigentlich? Dieser Bedarf ergibt sich zu einem Großteil aus denjenigen, die demnächst in Rente gehen. Dr.-Ing. Michael Schanz, Referent für den VDE Fachausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft: „2023 werden rund 13.000 Ingenieure der Elektrotechnik und Informationstechnik in Rente gehen.“
Hinzu kommt, dass auch der Bedarf an studierten Elektrotechnikern und Informationstechnikern auf dem deutschen Arbeitsmarkt steigt. 6.200 Experten und Expertinnen pro Jahr haben die Autoren des VDE-Reports errechnet. Auch wenn die Elektroindustrie naturgemäß der größte Arbeitergeber ist, sind hier in den vergangenen Jahren kaum zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Jedoch suchen Branchen, die die großen Trends unserer Zeit bedienen, händeringend nach studierten Elektroingenieuren. Das sind im Wesentlichen IuK-Dienstleistungen, Energieversorgung, der Maschinenbau und der Fahrzeugbau.
Dem gegenüber stehen rund 7500 Absolventen, inklusive der ausländischen Studenten. Diese Kluft zeigt, dass Deutschland seinen Aktuellen Bedarf nicht aus eigener Kraft decken kann.
Woher sollen die gefragten Elektroingenieure kommen?
Kurzfristig können die Unternehmen diesen Mangel nur ausgleichen, indem sie aus dem Ausland Elektrotechniker aus dem Ausland rekrutieren. Konzerne, die international agieren, tun sich damit relativ leicht. Dem deutschen Mittelstand fällt es jedoch ungleich schwerer, qualifizierte Elektroingenieure zu gewinnen.
Langfristig gilt es, zwei wichtige Aufgabe zu lösen. Zum einen müssen mehr junge Menschen für das Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik begeistert werden. Seit 2015 sinkt die Zahl der Erstsemester. Zum anderen muss es gelingen, dass diese Erstsemester dann auch das Studium in diesem Fach abschließen. Der VDE-Report stellt fest, dass die Schwundquote heute 63 Prozent beträgt.
Die Gründe dafür seien vielschichtig. Natürlich gibt es einen Teil, der sich nur aufgrund der Begünstigungen für Studierende, etwa kostenfreies ÖPNV-Ticket, für den Numerus-Clausus-freien Studiengang einschreibt. Oder sie hatten schlicht falsche Vorstellungen über die Anforderungen und Inhalte des Studiums. Diese brechen recht schnell ab oder wechseln einfach das Studium. Die Autoren des VDE-Arbeitsmarktreports plädieren daher sich denen „zu widmen, die zwar kognitiv in der Lage wären, ein Studium zu meistern, aber aus diversen umfeldbedingten Gründen wie Rückschläge im Studium oder im privaten Bereich aufgeben.“
Um High-Potentials ein Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik schmackhaft machen zu können, muss man zunächst verstehen, warum dieses Studienfach trotz seiner immensen Bedeutung und der Vielzahl an Möglichkeiten nicht als attraktiv wahrgenommen wird.
Das Interesse an einem Studium der Elektrotechnik sinkt seit Jahren beständig. Während im Jahr 2012 5,4 Prozent eines Jahrgangs sich für die Elektrotechnik und Informationstechnik entschieden haben, so sind es heute nur noch 3,5 Prozent. Das entspricht einem Rückgang um 35 Prozent. Die Informatik hingegen konnte in derselben Zeit 27 Prozent Interessenten für sich gewinnen.
Das wirft für die Autoren die Frage auf, ob die Elektrotechnik und Informationstechnik gegenüber dem Fach Informatik ein großes Imageproblem hat. Sie glauben, dass Trendtechnologien wie Smartphone, Laptop, KI, Big Data, Embedded Systems, Digitalisierung eher mit Informatik verbunden werden als mit Elektrotechnik und Informationstechnik.
Stand: 08.12.2025
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Welches Image haben Elektroingenieure?
Wo genau der Hase nun begraben liegt, versuchen die „Studien zum Image des Studiums der Elektrotechnik“ herauszufinden – durch geführt vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen IZI, dem VDE, dem Fachbereichstag Elektrotechnik und Informationstechnik und dem Fakultätentag für Elektrotechnik und Informationstechnik. Dazu wurden unter anderem 50 High Potentials befragt, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen. Alle High Potentials begeistern sich für Mathe, Physik und Informatik und haben in diesen Fächern die Note 1 oder 2.
Die Studie wollte unter anderem von diesen High Potentials wissen, was sie sich unter dem Studium und dem Beruf eines Elektroingenieurs vorstellen. Die Antwort von Gero, 12. Klasse, 17 Jahre, ist beispielhaft: „Und unter dem Beruf stelle ich mir irgendwie vor, dass der Mann da halt eben in so Elektrokästen quasi rumschraubt. Und ich stelle mir vor das da vor allem praktisch vor. So auf einer Baustelle, dann halt man eben vor Ort ist und eben direkt probiert Sachen anzuschließen.“ Die Antworten insgesamt fassen die Autoren so zusammen:
Es hat mit Stromleitungen und Kabeln zu tun.
Arbeit ist sehr ‚praktisch‘ und handwerklich.
Für einige der Jugendlichen ist es auch Reparieren, Optimierung von Vorgängen sowie IT und Programmieren.
In der Praxis ist Elektrotechnik ein Männerberuf.
Kaum einer der befragten jungen Frauen und Männer stellen einen Zusammenhang von Elektroingenieur zur Energiewende, Industrie 4.0, Robotik oder Ähnlichem her. Vielmehr wird der Elektroingenieur eher mit dem Berufsbild des Elektrotechnikers assoziiert. Zu dessen häufigsten Aufgaben tatsächlich die Montage und elektrische Verkabelung von elektronischen Komponenten und Geräten gehört.
Die Hälfte aller der Befragten sehen Elektroingenieure in einem Büroalltag mit klassischer PC-Arbeit. Weitere 17 verorten den Elektroingenieur in einer Werkstatt oder auf einer Baustelle. Dort arbeiten sie an Kabeln, Leiterplatten, Schaltkästen oder PC. Die Arbeitsbereiche sehen die befragten High Potentials in der Wartung, Reparatur, Überprüfung von Anlagen, Stromkästen, Kabeln oder Servern sowie die Bedienung und Steuerung von Maschinen.
Was hält junge Frauen von einem Studium der E-Technik ab?
Die Autoren der Studienreihen wollten zudem wissen, was junge Schülerinnen von einer Zukunftsperspektive als Elektroingenieurin abhält. Dazu wurden 658 Schüler und Schülerinnen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, befragt. Die Auswertung zeigt, dass das Studium der Elektrotechnik als männerdominiert wahrgenommen wird. Verschiedene Annahmen führen dabei zur Ablehnung des Studiums:
Die Annahme, nicht ernstgenommen zu werden.
Die Annahme, ständig niedergemacht zu werden.
Die Annahme, die Peergroup oder Familie würden eine solche Wahl nicht gut heißen.
Zudem konstatieren die Autoren verschiedene Ängste bei den jungen Frauen:
Die Angst, nicht zu genügen.
Die Angst, Schaden anzurichten.
Das Gefühl, E-Technik sei zu öde, nicht kreativ und nicht sinnhaft genug.
Wie begeistert man junge Menschen für das Studium der Elektrotechnik?
Um junge Abiturienten für ein Studium der Elektrotechnik zu gewinnen, muss es gelingen, dessen Inhalte, Ziele und Zukunftsperspektiven zu vermitteln. Dass das funktioniert kann, zeigt die Studie: Nachdem die Befragten eine entsprechende Kampagne des VDE betrachtet und bewertet haben, haben sich auch deren Assoziationen zum Thema Elektrotechnik geändert.
Auch die Schülerinnen und Schüler haben abschließend recht konkrete Vorschläge gemacht: So wünscht sich Anika, 13. Klasse, 19 Jahre, einen Steckbrief mit den wichtigsten Punkten. Lea, 10. Klasse, 15 Jahre, möchte sich sicher sein, „dass es für beide Geschlechter ein Beruf ist.“
Auch die Kommunikation muss sich verbessern. Eliah, 10. Klasse, 16 Jahre, schlägt vor, „dass man diesen Beruf ein bisschen, ja, mehr in die Öffentlichkeit bringt. Und vielleicht auch ein bisschen mehr aufklärt durch so Kampagnen. Vielleicht auch auf Social Media.“