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Hackathon

Was ist ein Hackathon? Definition, Ablauf, Vor- und Nachteile

| Autor: Katharina Juschkat

Ein Hackathon ist eine gute Möglichkeit, in einer knappen Zeit mit anderen Tüftlern kreative Lösungen zu finden – aber was genau gehört eigentlich zu einem Hackathon und wie läuft er ab? Das Wichtigste im Überblick.

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Auf einem Hackathon werden innerhalb kürzester Zeit kreative und unkonventionelle Ideen umgesetzt.
Auf einem Hackathon werden innerhalb kürzester Zeit kreative und unkonventionelle Ideen umgesetzt.
(Bild: @venimo – stock.adobe.com )

Bei Hackathon denkt manch einer an vermummte Cyberkriminelle, die kryptische Zeichen in die Tastatur hacken. Aber diese Vorstellung ist weit von einem echten Hackathon entfernt. Ein Hackathon ist vielmehr eine Art der Veranstaltung, bei der innerhalb kürzester Zeit in kleinen, kreativen Gruppen und lockerer Atmosphäre an Problemen getüftelt, neue Produkte entwickelt und Lösungen programmiert werden.

Was ist ein Hackathon?

Traditionell kommt der Hackathon aus dem Software-Bereich, wobei sich heute auch Hackathons bilden, um ganz allgemein technische Probleme kreativ zu lösen, ohne dass es auf Softwareprogrammierung beschränkt bleibt. Der Begriff Hackathon setzt sich aus den Wörtern “Hack” und “Marathon” zusammen, wobei sich „Hack“ auf das englische „to hack“ – „tüfteln“ bezieht, und im wörtlichen Sinne mit einem Tüfteln im technischen Kontext übersetzt werden kann.

Die Teilnehmer kommen in der Regel aus unterschiedlichen Gebieten der Soft- und Hardwareentwicklung und setzen ihre Fähigkeiten in kleinen Gruppen ein, um ein Problem zu lösen. Bei der Aufgabe bzw. dem Problem geht es häufig darum, eine neue Anwendung, Apps oder allgemein, Lösungen zu finden und zu programmieren. Da die Lösungsfindung in einem knappen Zeitraum von z.B. 24 oder 48 Stunden stattfindet, arbeiten die Teilnehmer häufig unkonventionell und ohne lange Pausen. Am Ende des Hackathons steht ein fertiger Prototyp.

Wie läuft ein Hackathon ab?

Zu Beginn eines Hackathons stehen eine oder mehrere Problemstellungen, und in der Regel folgen Hackathons dabei einem bestimmen Thema. So können sich die Veranstaltungen danach unterscheiden, welche Programmiersprache zum Einsatz kommt, was genau entwickelt werden soll – z.B. Apps – oder welche übergreifende Thematik behandelt wird. In vereinzelten Fällen ist es den Teilnehmern aber auch völlig freigestellt, welches Problem sie angehen wollen.

In einem kurzen Ideenpitch können bereits erste Lösungsvorschläge geteilt werden, bevor die Teilnehmer in Gruppen beginnen, an dem Problem zu arbeiten. Die Gruppen haben sich entweder bereits gemeinsam angemeldet oder finden sich je nach ihren Fähigkeiten nach dem Ideenpitch zusammen. Klassischerweise haben die Gruppen eine Größe von etwa fünf Personen und sind idealerweise disziplinübergreifend.

Die Arbeitsphase selbst dauert mehrere Stunden bis Tage, wobei bei einer mehrtägigen Veranstaltung die Teilnehmer vor Ort übernachten. Nach Abschluss des Hackathons präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse. Einige Hackathons küren im Anschluss einen Sieger, für den es je nach Veranstaltung Sach- oder Geldpreise gibt. Eine Teilnahmegebühr wird in der Regel nicht erhoben, eventuell muss die Verpflegung gezahlt werden.

Es gibt die Möglichkeit, dass Hackathons von Unternehmen intern ausgerufen werden, oder Veranstalter extern zu Hackathons aufrufen.

Woher kommt der Hackathon?

Der erste Hackathon fand im Jahr 1999 auf der Java-One-Konferenz in San Francisco statt, wo sich Programmierer, Entwickler und Techniker zusammenfanden, um ein Programm für das Palm V, einem damals topmodernem PDA, zu entwickeln. Die Idee stammte von Informatiker John Gage. In den darauffolgenden Jahren fanden immer mehr Hackathons statt, von Investoren und Technologiegruppen initiiert, die das Potential erkannten, um schnell neue Entwicklungen umzusetzen.

Schließlich formte das Silicon Valley die Hackathons so, wie wir sie heute kennen. Die jungen disruptiven Technologieunternehmen weiteten die Ideen aus und nutzten die Veranstaltungen, um auf kreative Art und Weise Lösungen für Probleme zu finden, die im normalen Büroalltag nicht möglich sind.

Was sind die Vorteile und Nachteile eines Hackathons?

Was bringt ein Hackathon? In wenigen Stunden unter Zeitdruck ein Problem bearbeiten und vorstellen – was haben die Teilnehmer von dieser Veranstaltung?

Der Gewinn: Zum einen winken bei einigen Hackathons attraktive Preise – das reicht von kleinen Sachpreisen bis hin zu hohen Geldpreisen.

Die Kontakte: Wem das nicht genügt, der kann davon profitieren, dass man auf einem Hackathon interessante Kontakte knüpfen kann. Man hat die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, die man im normalen beruflichen Alltag nie getroffen hätte. Manche Unternehmen suchen auch auf Hackathons gezielt nach jungen Talenten.

Die Abwechslung: Jeden Tag im Büro am Rechner sitzen sorgt zwar für die nötige Routine, doch die Kreativität kann auf der Spur bleiben. Der Hackathon bietet eine Abwechslung vom Arbeitsalltag, um neue Ideen zu finden und in lockerer Atmosphäre zu arbeiten.

Der Zeitdruck: Natürlich ist es stressig, unter Zeitdruck zu arbeiten – doch ein Hackathon ist eine gute Möglichkeit, das zu trainieren. Zeitdruck ist auch hilfreich, um eine Aufgabe zu einem Ende zu bringen, da man gezwungen ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Nachteile eines Hackathons:

Unbezahlte Mehrarbeit? Natürlich ist ein Hackathon zeitaufwändig und kann stressig werden, das muss man sich bewusst machen. Die amerikanische Soziologin Sharon Zukin hat sogar den Vorwurf erhoben, dass Hackathons wenig bringen und für die Mitarbeiter nur unbezahlten Mehraufwand bedeuten würde. Ihre Quintessenz: Hackathons seien nur was fürs Firmenimage.

Welche Hackathons gibt es in Deutschland (Auswahl)?

Automation Hackathon: Zum zweiten Mal findet dieses Jahr der Automation Hackathon auf der Fachmesse SPS statt. Dort treffen Start-ups auf große Automatisierungsunternehmen, um gemeinsam in 48 Stunden Lösungen für die Automatisierungsbranche zu finden. Zu gewinnen gibt es insgesamt 15.000 Euro.

Jugend hackt: Unter dem Motto „Mit Code die Welt verbessern“ veranstaltet die Open Knowledge Foundation und Mediale Pfade.org den Hackathon zur Förderung des Programmiernachwuchses. Die Teilnehmer tüfteln gemeinsam mit Mentoren an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft.

Coding Davinci: Der Kultur-Hackathon Coding Davinci vernetzt die Kultur- mit der Technikwelt. Entwickler kommen mit Kulturinstitutionen zusammen und entwickeln aus offenen Kulturdaten funktionierende Prototypen wie Apps, Websites, Spiele oder interaktive Installationen. Etwas ungewöhnlich für einen Hackathon ist die Dauer: Über sechs Wochen finden sich die Teams zusammen und entwickeln ihre Lösungen.

Science Hack Day: Der Hackathon findet weltweit in verschiedenen Städten statt – in Deutschland war er zuletzt im November. Der Science Hack Day ist sehr offen: Innerhalb von 24 Stunden sollen irgendwelche kreativen Ideen, die mit Wissenschaft zusammenhängen, entwickelt werden. Ob es alberne Ideen sind oder ernste, das ist den Teilnehmern freigestellt. Die Idee ist, wissenschaftlich Interessierte aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen, um völlig neue Ideen zu entwickeln.

She Codes: Der She-Codes-Hackathon richtet sich vornehmlich an Frauen, im Speziellen an Programmiererinnen und Webdesignerinnen, die binnen 24 Stunden ihre Ideen umsetzen können. Veranstaltet von Young Targets soll der Hackathon junge Frauen für die IT-Branche begeistern.

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Über den Autor

Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group