Interview: Weidmüller Applikationsspezifische Lösungen als Standard
Gerade hat Weidmüller seine Abteilungen OEM und Kundenspezifische Lösungen zum neuen Geschäftsfeld Applikationsspezifische Lösungen zusammengeführt. Klaus Holterhoff, der Leiter des neuen Geschäftsfelds, erklärt im Gespräch die Hintergründe, das Konzept und die Vorteile dieser Neuausrichtung.
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Herr Holterhoff, die Abteilungen OEM und KSL wurden gerade zu dem neuen Geschäftsfeld Applikationsspezifische Lösungen, kurz AS, zusammengeführt. Welche Gründe verbergen sich hinter dieser Entscheidung?
OEM und KSL sind Lösungsfindungsbereiche, die sich autark entwickelt haben und bisher getrennt waren. Im Gegensatz zu den Standardportfolien bieten beide traditionell Kreativlösungen an, die auf das jeweils aktuelle Problem des Kunden abgestimmt sind. OEM geht dabei mit sehr hohem Projektleitungs- und Entwicklungsaufwand vor. Die KSL auf der anderen Seite hat bislang auf Basis bestimmter Kundenwünsche Komponenten neu zusammengeführt, um sie dann als ganzheitliche Lösung für den Kunden auszuliefern. Betrachtet man diese Leistungen, kommt man schnell zu dem Schluss, dass die zwei Bereiche aus Kundensicht im Grunde genommen das Gleiche anbieten: passgenaue Lösungen für individuelle Bedarfe. Der wesentliche Grund für die Zusammenführung besteht daher darin, dem Kunden ein einheitliches und stimmiges Gesamtangebot für den gleichen Geschäftsansatz zu bieten. Wichtig war uns auch die Nutzung von Synergieeffekten, zum Beispiel durch ein einheitliches Marketing sowie durch die Harmonisierung von Abläufen wie Produktentwicklung oder Qualitätssicherung.
Wie Sie gerade beschrieben haben, lag bei Weidmüller sowohl im OEM-Bereich als auch bei der KSL der Fokus auf den Bedarfen von Einzelkunden. Hat sich das neue Geschäftsfeld auf die Erweiterung hin zur Applikationsorientierung eingestellt?
Auf jeden Fall. Früher galt für die Abteilung OEM der strikte Anspruch: Ein Kunde, ein Produkt. Für Ingenieure hat das den Charme, sich immer wieder mit neuen Problemen auseinandersetzen zu müssen. Aus Geschäftssicht macht es jedoch weitaus mehr Sinn, eine einmal erarbeitete Lösung direkt so breit wie möglich zu vertreiben – hierdurch lassen sich die Risiken für beide Seiten egalisieren. Daher schreiben wir uns nun auf die Fahne, neben individuellen Lösungen auch Produkte zu entwickeln, die für mehr als nur einen Kunden gedacht sind. Natürlich werden wir hier auch kundenspezifisch bleiben, aber unsere Hauptausrichtung geht nun in die Richtung, eine Lösung mit einem oder mehreren Kunden zu erarbeiten und sie dann dem gesamten Markt anzubieten. Nach der Investition von einer Menge Entwicklungskompetenz und -Know-how ist eine Lösung am Ende schließlich ziemlich perfekt für die Applikation, für die sie entwickelt wurde.

Pocon oder die String-Box für die Photovoltaikbranche sind schöne Beispiele hierfür. Beide Produkte waren ursprünglich individuelle Lösungen für einen bestimmten Kunden und sind mittlerweile als Standards etabliert.
Applikationen sind (Teil-)Prozesse beim Anwender, die bei anderen Kunden, in anderen Ländern oder in anderen Segmenten durchaus ähnlich sein können. Dementsprechend meinen wir mit einer applikationsspezifischen Lösung ein Produkt - oder auch eine Produktzusammenstellung - bei der Weidmüller einen wesentlichen Teil zur Spezifikation beigetragen hat.
Was ändert sich für den Kunden, der vorher mit dem Bereich OEM oder mit der KSL zusammengearbeitet hat, wenn er sich nun an Weidmüllers Geschäftsfeld Applikationsspezifische Lösungen wendet?
Wenn ein Kunde sich an uns wendet, war der bisherige Anspruch, dass wir genau zuhören, was er braucht, um dann mit ihm gemeinsam zu diskutieren, welche die perfekte Lösung für ihn ist. Diese Lösung haben wir schließlich eins zu eins umgesetzt. Heute ist der wesentliche Unterschied, dass wir dem Kunden immer häufiger ein bereits fertig entwickeltes Produkt an die Hand geben können, das seine Anforderungen bereits ziemlich genau trifft, da es schon in ähnlichen Applikationen anderer Kunden erfolgreich eingesetzt wird.
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