Die Stechuhr war gestern

Arbeitszeitmodelle für Arbeit 4.0

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Unternehmen machen gute Erfahrungen mit Home Office & Co

Auch Ventilatorenhersteller EBM-Papst hat schon vor Jahren flexiblere Arbeitszeitmodelle eingeführt. So können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Servicebereiche seit 2014 ihre Arbeitszeit eigenverantwortlich frei festlegen. In Mulfingen gibt es seitdem keine Kernzeit mehr, Mitarbeiter können ihre Mindestarbeitszeit von vier Stunden bei einer Vollzeitbeschäftigung frei einteilen und ihre Stundenkonten eigenverantwortlich steuern. Ziel war es, so erklärt uns der Leiter der Unternehmenskommunikation, Hauke Hannig, von einer anwesenheitsorientierten zu einer ergebnisorientierten Kultur zu kommen.

Auch EBM-Papst hat mit dem neuen Modell positive Erfahrungen gesammelt. Dabei hat die Mehrheit der Mitarbeiter den gewohnten Arbeitsablauf zu Beginn nicht verändert. Genutzt haben die flexiblen Arbeitszeiten vor allem junge Angestellte und solche, deren Lebenssituation etwa durch Nachwuchs oder Pflege von Angehörigen ein gesundes Maß an Spontanität braucht. Und auch wenn sich das System bei den Mulfingern bisher nur schwer auf den Schichtbetrieb in der Produktion anwenden lässt (EBM-Papst arbeitet hier derzeit mit Teilzeitmodellen), denkt das Unternehmen bereits weiter.

Im Oktober 2016 wurde in einem logischen Schritt auch die Mindestarbeitszeit pro Tag gestrichen. „Auf Führungskräfte-Ebene setzt EBM-Papst inzwischen gänzlich auf ein Vertrauens-Arbeitszeitmodell, bei dem nicht mehr die Zeit gemessen wird, sondern das Ergebnis. Dieses Modell werden wir mittel- und langfristig auch auf weitere Bereichsebenen erweitern“, so Hannig.

400 Arbeitsplätze für 500 Mitarbeiter

Die freiere Gestaltung der Arbeitszeit bringt weitere Vorteile für Unternehmen – etwa in der Gestaltung des Arbeitsplatzes und den damit verbundenen Kosten. Denn wofür braucht man eine komplette Bürolandschaft, wenn die Angestellten nicht rund um die Uhr vor Ort sind? Auch hier reagieren viele Unternehmen bereits. Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen etwa investiert derzeit 12,5 Mio. Euro in einen Neubau für E-Mobilität am Standort Schweinfurt.

Eingeführt wird dort auch das in der Firmenzentrale bereits angewandte „Bürokonzept 3.0“. Für die 500 Mitarbeiter stehen dann nur noch 400 Arbeitsplätze zur Verfügung. Zudem gibt es je nach Aufgabe und Bedarf verschiedene Zonen für Konzentration (Einzelarbeit), Kommunikation (Meetings) und Kollaboration (Projektarbeit). Jeder Mitarbeiter sucht sich für den Tag den passenden Schreibtisch, abends muss alles wieder geräumt sein.

Lapp setzt in seiner neuen Europazentraler auf ein modernes Open-Space-Konzept.
Lapp setzt in seiner neuen Europazentraler auf ein modernes Open-Space-Konzept.
(Bild: Wolfram Scheible/Lapp)

Auch Lapp Kabel verfährt bei seiner jüngst eingeweihten Europazentrale nach einem ähnlichen Muster. Der Kabelhersteller setzt in Stuttgart-Vaihingen auf ein modernes Open-Space-Konzept, bei dem möglichst auf Zugangsbeschränkungen und abgeschlossene Büros verzichtet wird. Das kommt, so das Unternehmen, dem Wunsch der Mitarbeiter nach kollaborativem und mobilem Arbeiten entgegen und soll mehr Kommunikation, Kollaboration, Wissenstransfer und Kreativität fördern. Wer will, so heißt es, kann sogar im Erdgeschoss an der Espressobar oder auf der Dachterrasse arbeiten.

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