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Nachgefragt: 3 Experten zu Industrie 4.0 – Teil 1

Automatisierer parshippen und docken für Industrie 4.0 an

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Welche Hürden und Chancen sehen Sie bei der gemeinsamen Ausgestaltung der Verwaltungsschale?

Johannes Kalhoff ist Fachleiter Technology Management im Bereich Corporate Technology bei Phoenix Contact.
Johannes Kalhoff ist Fachleiter Technology Management im Bereich Corporate Technology bei Phoenix Contact.
(Bild: Phoenix Contact)

Johannes Kalhoff: Als Hürde werden die Komplexität dieser Aufgabe, die damit verbundene verstärkt strukturierte Vorgehensweise sowie die im Konsens zu erbringenden Basisdefinitionen angesehen. In der Vergangenheit sind diese Faktoren als Grund für ein verzögertes Handeln dargestellt worden. Mittlerweile hat sich jedoch gezeigt, dass es sich dabei um einen Vorteil handelt, der den festzulegenden vielschichtigen und in seiner Ausprägung vorwettbewerblichen Kern – hier geht es um die Definition der Interaktion von Komponenten verschiedener Hersteller – klein und stabil hält. Durch die Einbindung der internationalen Standardisierung, organisiert über das Standardization Council Industrie 4.0, wird in Abstimmung mit den wichtigsten Normungsgremien und Konsortien eine weltweite Nutzung sichergestellt. Die Veröffentlichung der Kriterien für die Verwaltungsschale durch den ZVEI und die Plattform Industrie 4.0 sowie deren Aufbau in Teilmodellen ermöglicht parallel eine weitere produkt-, system- und branchenspezifische Definition der Semantik und Syntax ohne den zeit- und kostenintensiven Zertifizierungsprozess. Die Ergebnisse werden bereits über das openAAS-Projekt erprobt und bilden einen gemeinsamen, nicht-proprietären Kern einer allgemein verwendbaren Verwaltungsschale.

Oliver Merget ist Leiter Geschäftsbereich Automation Systems bei Turck.
Oliver Merget ist Leiter Geschäftsbereich Automation Systems bei Turck.
(Bild: Turck)

Oliver Merget: Ein Erfolg nur möglich, wenn es gemeinsame und für jeden offene Standards gibt. Die Automatisierungstechnik ist hinsichtlich der Anwendungen, Hersteller und Lieferanten sehr inhomogen. Wird hier ein gemeinsamer Konsens gefunden, den alle nutzen und mitgestalten können, wird dies eine große Chance sein, neue digitalisierte Lösungen anzubieten – vor allem für die deutsche Industrie. Die Hürde wird die Frage sein, wie die neuen großen Mitspieler aus dem Office Floor dies alles sehen. Werden auch diese an Lösungen interessiert sein, die Industrie-Standards sind und kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit geben, daran zu partizipieren?

Dr. Jens Weber ist Technology Manager bei der Schmersal Gruppe.
Dr. Jens Weber ist Technology Manager bei der Schmersal Gruppe.
(Bild: Schmersal)

Dr. Jens Weber: Die Verwaltungsschale ist sicher ein wesentliches Instrument zur Umsetzung von Industrie 4.0-Konzepten, denn sie ermöglicht es, dass Objekte und Komponenten kommunikationsfähig werden und Informationen in Netzwerken ausgetauscht werden können. Die Effizienzsteigerungen, die sich durch den Datenaustausch durchgängig bei allen Prozessen erzielen lassen, generieren einen enormen Mehrwert für die Unternehmen. Das erfordert jedoch eine Standardisierung der Daten und der Systeme für den Datenaustausch. Bei diesem Standardisierungsprozess wird jedes Unternehmen seine eigenen Ideen und spezifischen Anforderungen einbringen wollen. Daher wird die Festlegung von neuen Standards sicher ein schwieriger und langwieriger Prozess werden. Zudem gibt es eine weit verbreitete Skepsis hinsichtlich der Datensicherheit und es müssen Lösungen erarbeitet werden, die die Vertraulichkeit und Verfügbarkeit von Daten für alle Anwender sicherstellen. Die erhöhte Transparenz und vor allem das zu erwartenden zusätzliche Wertschöpfungspotenzial sind jedoch ein Anreiz, der die Umsetzung einer gemeinsam gestalteten Verwaltungsschale vorantreiben wird.

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Fachredakteurin Automatisierung, Vogel Commnications Group GmbH & Co. KG