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Nachgefragt: 3 Experten zu Industrie 4.0 – Teil 1

Automatisierer parshippen und docken für Industrie 4.0 an

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Firmen zum Thema

Haben Sie bereits Produkte und/oder Services digitalisiert?

Johannes Kalhoff ist Fachleiter Technology Management im Bereich Corporate Technology bei Phoenix Contact.
Johannes Kalhoff ist Fachleiter Technology Management im Bereich Corporate Technology bei Phoenix Contact.
(Bild: Phoenix Contact)

Johannes Kalhoff: Phoenix Contact hat in der eigenen Produkterstellung und Fertigung verschiedene Aspekte von Industrie 4.0 sowie der Nutzung digitaler Ketten implementiert. Unsere Kunden können schon heute ihr Produkt – beispielsweise ein Gehäuse oder einen Interface-Baustein – individuell konfigurieren, den erzeugten Artikel bestellen oder den entsprechenden Datensatz erhalten. In der Engineering-Kette sind eCl@ss-, 2D- oder 3D-Daten sowie wesentliche Makros für die ECAD-Systeme verfügbar. Die von den Kunden beispielsweise aus Eplan generierten ECAD-Daten lassen sich in Produktkonfiguratoren sowie in der nachfolgenden Bestellung, Fertigung z.B eines Schaltschranks, Beschriftung des Materials und im Service verwenden. Zudem werden die Produkte digitaler. So kann der Anwender die Konfiguratoren von Netzgeräten sowie deren Bestell- und Konfigurationsprozesse über einen CR-Code mit dem Internet-Portal von Phoenix Contact verknüpfen. Die Konfiguration über NFC (Near Field Communication) oder eine auf dem Smartphone/Tablet-PC befindliche App vereinfacht die Abläufe deutlich. Automatisierungsprodukte bieten Fähigkeiten, mit denen der Anwender die Vorteile von Industrie 4.0 in seine Maschinen und Anlagen überführen kann. Beispiele hierfür finden sich in der Produktion von Phoenix Contact sowie in Lösungen wie der Steuerungsplattform PLCnext Technology und der Proficloud.

Oliver Merget ist Leiter Geschäftsbereich Automation Systems bei Turck.
Oliver Merget ist Leiter Geschäftsbereich Automation Systems bei Turck.
(Bild: Turck)

Oliver Merget: Wir haben gerade im Bereich IO-Link und RFID ein großes Produktspektrum, das die Grundlage für Turcks Industrie-4.0-Angebot darstellt. Diese Lösungen bieten die Möglichkeit, eine Vielzahl von digitalen Daten für die Prozesssteuerung, Planung und prädiktive Maintenance anzubieten. Weiterhin werden wir an der Erweiterung unseres Portfolios hinsichtlich Kommunikation an überlagerte Ebenen arbeiten und z.B. Produkte mit OPC UA-Schnittstelle anbieten. Zur Zeit arbeiten wir auch daran, Cloud- und Datenbanklösungen anzubieten. Um die Menge der Daten effizient einzuschränken, werden wir schon auf unseren I/O-Modulen eine Datenvorverarbeitung anbieten, um eventuelle Vorberechnungen direkt am Prozess vorzunehmen und nur noch die relevanten Informationen weiterleiten zu müssen. Auf dieser Grundlage denken wir auch über neue Geschäftsmodelle nach, wie etwa eine Datenhaltung in externen Rechenzentren oder Software Update Services. Hier sind zahlreiche Anwendungen denkbar, die wir derzeit gemeinsam mit unseren Kunden einer genaueren Prüfung unterziehen. Die weitere Verarbeitung der Daten sehen wir heute nicht als unser zukünftiges Kerngeschäft. Die Bereitstellung von Analysetools z. B. überlassen wir anderen Anbietern, die darauf spezialisiert sind.

Dr. Jens Weber ist Technology Manager bei der Schmersal Gruppe.
Dr. Jens Weber ist Technology Manager bei der Schmersal Gruppe.
(Bild: Schmersal)

Dr. Jens Weber: Schmersal hat bereits in der Vergangenheit einige Basistechnologien entwickelt, die dazu geführt haben, dass einzelne Komponenten für die Maschinensicherheit heute schon kommunikationsfähige Objekte sind. Ein Beispiel sind Sicherheitssensoren auf RFID-Basis, welche Informationen zur Verfügung stellen und die zur vorbeugenden Instandhaltung genutzt werden können. Diese nicht-sicheren Diagnosesignale können mit dem von Schmersal entwickelten SD-Interface über Standardbussysteme an eine übergeordnete Automatisierungssteuerung weitergeleitet werden. Flexibilität und die Produktion kleiner Losgrößen auf modular aufgebauten Anlagen sind wichtige Themen im Rahmen von Industrie 4.0-Konzepten. In diesem Sinne ist etwa unsere Sicherheitssteuerung Protect PSC1 Industrie-4.0-tauglich, indem sie den Aufbau modularer Sicherheitsarchitekturen ermöglicht. Auch unsere neuen Safety-Installationssysteme stellen eine flexible Plug-and-Play-Lösung dar, die umfangreiche Diagnosedaten zur Verfügung stellen kann. Wir sehen jedoch Industrie 4.0 als evolutionären Prozess, der von uns permanente Anstrengungen bei der Weiterentwicklung unserer Produkte und Systeme verlangt. Momentan prüfen wir beispielsweise die Umsetzung einer IO-Link-Safety-Schnittstelle für unsere Produkte. Darüber hinaus planen wir den Aufbau einer internen Produktionsdatenbank, mit der wir künftig unseren Kunden und Geschäftspartnern die relevanten Daten über unsere Produkte digital zur Verfügung stellen wollen. Auch prüfen wir die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit externen Partnern Cloud-Dienstleistungen zur Visualisierung und Analyse von Monitoringdaten anzubieten.

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Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Fachredakteurin Automatisierung, Vogel Commnications Group GmbH & Co. KG