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Negativpreis Plagiarius

Das sind die dreistesten Fälschungen des Jahres

| Redakteur: Katharina Juschkat

Am 10. Februar hat die Aktion Plagiarius e.V. zum 41. Mal den Negativ-Preis „Plagiarius“ verliehen. Der Preis kürt die dreistesten Produktfälschungen und will Schäden durch Plagiate ins öffentliche Licht rücken.

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Fälschungen des Druckmessgerätes von Wika landen auf Platz 3. Auf der Fälschung steht sogar der Firmenname des Originalherstellers.
Fälschungen des Druckmessgerätes von Wika landen auf Platz 3. Auf der Fälschung steht sogar der Firmenname des Originalherstellers.
(Bild: Aktion Plagiarius e.V.)

Der vom Designer Prof. Rido Busse ins Leben gerufene Negativ-Preis „Plagiarius“ wurde am 10. Februar 2017 auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ zum 41. Mal verliehen. Seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. den Schmäh-Preis an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen.

Der Verein will die unfairen und teils kriminellen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten aus aller Welt ins öffentliche Bewusstsein rücken, um Industrie, Politik und auch Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase als Symbol für die exorbitanten Gewinne, die die Nachahmer auf Kosten anderer erwirtschaften.

Die diesjährigen „Gewinner“ des Plagiarius

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Globalisierung, digitale Kommunikation, das Internet und leichtgläubige Schnäppchenjäger – das sind die Haupttreiber für die explosionsartige Ausbreitung von Produkt- und Markenpiraterie. Dabei sind Plagiate und Fälschungen weder Kompliment noch Kavaliersdelikt. Für Fälscher ist es ein lukratives Geschäftsmodell. Die Schäden für die Originalhersteller und die Sicherheitsrisiken für Verbraucher hingegen sind enorm. Doch solange Nachfrage für kopierte Waren besteht, wird diese bedient werden. Eine praxisnahe Aufklärung der Verbraucher ist wichtig.

Seit 1977 verleiht deshalb die Aktion Plagiarius den Preis an bisher rund 400 Produkte. Prämiert wurden Produkte der unterschiedlichsten Branchen, darunter Haushaltwaren, Sanitärprodukte, Werkzeuge, Möbel, Kinderspielzeug, technische Produkte und Geräte wie nicht funktionierende Notfallbeatmungsgeräte, Autofelgen, Motorsägen und Mopeds. Der Preis zeigt mittlerweile Wirkung: Jedes Jahr informiert die Aktion die vermeintlichen Plagiatoren über ihre Nominierung und gibt ihnen somit die Chance, darauf zu reagieren. Über die Jahre hinweg haben nach Angaben der Veranstalter viele Nachahmer die Plagiate vom Markt genommen oder sich mit dem Originalhersteller geeinigt.

Gesetz vs.Moral: Plagiarius will kein Recht sprechen

Die Auszeichnung soll nichts darüber aussagen, ob das jeweilige nachgemachte Produkt juristisch erlaubt oder rechtswidrig ist. Das hängt von vielen Faktoren ab wie eingetragenen gewerblichen Schutzrechten für das Originalprodukt oder unlauterem Wettbewerbsverhalten seitens des Nachahmers. Die Aktion kann und will kein Recht sprechen. Sie darf aber auf die Schäden betroffener Firmen und die Risiken für Verbraucher aufmerksam machen. Und sie darf die Meinung äußern, dass plumpe 1:1 Plagiate einfallslos und moralisch verwerflich sind und zu Stillstand führen. Die Aktion Plagiarius betont, dass legale Wettbewerbsprodukte – die einem Trend folgen, sich aber optisch und technisch ausreichend vom Original unterscheiden – keine Auszeichnung mit dem „Plagiarius“ fürchten müssen, sondern ausdrücklich erwünscht sind, weil sie fairen Wettbewerb beleben.

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Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2017:

Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus Vertretern der unterschiedlichsten Bereiche. Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2017 setzte sich wie folgt zusammen:

  • Ulrike Adorf, Senior Sachbearbeiterin React Germany, Anti-Counterfeiting Network, Düren
  • Martin Bendel, 1.Bürgermeister der Stadt Ulm
  • Carin Benter, Geschäftsführerin Daff GmbH & Co. KG, Düsseldorf
  • Ingrid Bichelmeir-Böhn, Leiterin Global Brand Protection, Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach
  • Cornelia Dollacker, Leiterin Hessen Design e.V., Darmstadt
  • Mario Hehle, Head of Scouting & Venturing/Technology & Innovation, Linde AG, Linde Gases Division, Pullach
  • Dr. Oliver Schön, Richter am Landgericht München, 7. Zivilkammer
  • Karin Strübing, Geschäftsführerin Karin Strübing Innenarchitektur, Ulm
  • Jan F. Timme, Senior Partner Black IP GmbH, Insheim

Was einst als laienhafte Kopierversuche in Hinterhof-Werkstätten begann, hat sich in Zeiten von Internet und Globalisierung zu einer weltweit vernetzten und professionell agierenden Fälschungsindustrie entwickelt. Die Erscheinungsformen von Produkt- und Markenpiraterie sind dabei sehr vielfältig: von Markenfälschungen über Designplagiate und Technologieklau bis hin zu Raubkopien. Beim Plagiat kopiert der Nachahmer das Design oder die Technik eines erfolgreichen Produktes und verkauft dies dann unter seinem eigenen Namen. Bei der Fälschung übernimmt der Nachahmer zusätzlich den Markennamen des Originalherstellers. Erhältlich sind nachgemachte Waren mittlerweile in allen Preis- und Qualitätsabstufungen, von gefährlichen Billigfälschungen bis hin zu qualitativ hochwertigen Plagiaten, die kaum günstiger als das Originalprodukt sind.

Verbraucher müssen aufgeklärt werden

Das Internet und die digitale Kommunikation sind aktuell hauptverantwortlich für die rasante Zunahme von Produkt- und Markenpiraterie. Obwohl internationale Polizeibehörden jährlich zehntausende Websites wegen Handel mit gefälschten Produkten erfolgreich schließen lassen, ist das Angebot rechtswidriger Marken- und Designprodukte ungebrochen hoch. Meist setzen die Betrüger ihr Geschäft binnen kürzester Zeit unter neuem Firmen- und Domainnamen fort. Und genau diese bequeme Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit großer Mengen vermeintlicher Markenprodukte zum Spottpreis aus aller Welt verführen zum Kauf. Getäuscht werden die Kunden u.a. mit Fotos der Originalprodukte sowie gefälschten Kundenbewertungen und Qualitätssiegeln. Experten der Verbraucherzentralen warnen z.B. bei auffallend fehlerhaften Texten und insbesondere bei „Vorkasse“ als einziger Zahlungsmöglichkeit vor dem Kaufabschluss. Denn die Erfahrung geprellter Käufer zeigt, dass eine Rückabwicklung des Geschäfts bei unseriösen Anbietern in der Regel nicht möglich ist.

Immer mehr Plagiate kommen aus Europa

Laut EU-Kommission haben die EU-Zollbehörden allein 2015 mehr als 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von über 650 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt – ein Plus von 15 % gegenüber 2014. Die Mehrheit der festgehaltenen Waren kam auch 2015 aus China und Hongkong. Aber unter den Nominierten für den Negativ-Preis befinden sich seit Jahren immer mehr europäische Firmen. Zunehmend handelt es sich bei den Nachahmern um ehemalige Produktions- oder Vertriebspartner. Für eine bestmögliche Abwehr von Produkt- und Markenpiraterie empfiehlt die Aktion den Firmen, auf eine ganzheitliche Strategie aus juristischen, organisatorischen und technischen Maßnahmen zu setzen.

Das Museum Plagiarius präsentiert die Sammlung der Plagiarius-Preisträger von 1977 bis heute. Die Ausstellung umfasst mehr als 350 Produkte der unterschiedlichsten Branchen und zeigt jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. Vom Zoll beschlagnahmte Fälschungen ergänzen die Sammlung. (kj)

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