Forschung Y-Reißverschluss ermöglicht 300-fache Versteifung auf Knopfdruck

Quelle: MIT 3 min Lesedauer

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Manchmal braucht auch eine geniale Idee lange, bis die Technik bereit dafür ist – Forscher des MIT haben jetzt ein Konzept aus den 1980er Jahren perfektioniert: Ein Y-Reißverschluss, der weiche Materialien in starre Säulen verwandelt. Was damals als Science-Fiction galt, erreicht heute eine 300-fache Versteifung auf Knopfdruck.

300-fache Versteifung auf Knopfdruck macht der Y-Zipper möglich.(Bild:  Tim Malieckal/MIT CSAIL)
300-fache Versteifung auf Knopfdruck macht der Y-Zipper möglich.
(Bild: Tim Malieckal/MIT CSAIL)

In Konstruktion und Entwicklung ist der Widerspruch zwischen Flexibilität und Stabilität allgegenwärtig. Ein Bauteil, das sich kompakt verstauen lässt, ist selten stabil genug, um Lasten zu tragen. Dass die Lösung in einem Reißverschluss liegen könnte, erkannte bereits vor knapp 40 Jahren William Freeman, PhD ’92, damals Elektroingenieur bei Polaroid. Er entwarf das Konzept eines dreiseitigen Verschlusses, doch die mechanische Umsetzung des Schlittens und der Zähne war mit den Mitteln der 80er Jahre kaum beherrschbar.

Wie kam die Idee für den Y-Reißverschluss auf?

1985 schaltete der Innovative Design Fund eine Anzeige in der Zeitschrift „Scientific American“, in der bis zu 10.000 Dollar zur Förderung cleverer Prototypen für Kleidung, Wohnaccessoires und Textilien angeboten wurden. William Freeman, PhD ’92, damals Elektroingenieur bei Polaroid und heute Professor am MIT, sah die Anzeige und reichte eine neuartige Idee ein: einen dreiseitigen Reißverschluss. Anstatt Hosen zu schließen, würde er wie ein Schalter funktionieren, der Stühle, Zelte und Handtaschen nahtlos zwischen weichen und starren Zuständen umschaltet, wodurch sie sich leichter verpacken und zusammenbauen lassen.
Freemans Entwurf ähnelte einem normalen Reißverschluss, war jedoch dreieckig. An jeder Seite befestigte er einen Riemen, um schmale hölzerne „Zähne“ miteinander zu verbinden. Ein Schieber, der das Gerät umschloss, konnte nach oben geschoben werden, um die drei Streifen zu fixieren und sie zu einem dreieckigen Schlauch zu richten. Sein Vorschlag wurde abgelehnt, doch Freeman ließ seinen Prototyp patentieren und lagerte ihn in seiner Garage, in der Hoffnung, dass er eines Tages nützlich sein könnte.

Vollendung einer Pionierleistung

Das Team um Jeffrey Wang am MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) hat diese Vision nun „ausgegraben“ und mit modernen Mitteln – von rechnergestütztem Design bis zum hochpräzisen 3D-Druck – vollendet. Die Innovation bricht mit der Zweidimensionalität: Der Y-Reißverschluss verbindet drei Zahnreihen zu einer stabilen, dreidimensionalen Hohlkörper-Säule: Im offenen Zustand sind die Materialstreifen so flexibel wie Textil, im geschlossenen Zustand jedoch 300-mal steifer.

Warum es 40 Jahre gedauert hat

Es war ein reines Fertigungs- und Geometrie-Problem:

  • Präzision: Die drei Zahnreihen müssen absolut synchron in den Schlitten einlaufen, um nicht zu verklemmen – eine Herausforderung für die Toleranzen.
  • Formschluss: Erst moderne Simulationstools ermöglichten es, die Zahnform so zu optimieren, dass sie unter Last einen perfekten Formschluss bildet, ohne aufzuspringen.
  • Materialien: Heutige Hochleistungskunststoffe und Metalle bieten das nötige Verhältnis von Zähigkeit und Festigkeit, das damals fehlte.

Wo kann der Y-Reißverschluss zum Einsatz kommen?

Durch die Vollendung der Vision entstehen nun reale Einsatzfelder:

  • Soft Robotics: Greifer oder Roboterarme, die sich wie Schlangen bewegen, aber bei Kontakt zu einer starren Struktur „erstarren“.
  • Raumfahrt & Notfallmedizin: Entfaltbare Masten für Satelliten oder Schienen für Knochenbrüche, die extrem kompakt transportiert und vor Ort stabilisiert werden.
  • Wandlungsfähige Architektur: Temporäre Stützen, die nur dann starr sind, wenn sie benötigt werden.

Retro-Innovation als Zukunftsmodell

Die Geschichte des Y-Reißverschlusses ist eine Lektion für Konstrukteure: Oft liegen die Lösungen für moderne Probleme bereits in den Archiven der Pioniere. „Wir haben eine 40 Jahre alte Idee genommen und sie durch modernes Engineering nutzbar gemacht“, so das MIT-Team. Für die Produktentwicklung bedeutet das: Die Grenze zwischen weichen und harten Strukturen verschwimmt – dank eines Konzepts, das endlich seine Zeit gefunden hat.

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