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ECAE Den Schaltplan gibt’s per Tastendruck

| Autor / Redakteur: Gerald Scheffels* / Reinhard Kluger

Auch Automatisierer müssen die eigenen Abläufe automatisieren. Das hat die Bilfinger GreyLogix GmbH in Flensburg konsequent umgesetzt. Das automatisierte Planen mit EEC One von Eplan halbierte den Zeitaufwand für die Schaltplanerstellung.

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Thomas Besser, Teamleiter Kompetenzcenter CAE der Bilfinger GreyLogix GmbH (links): „Wir optimieren kontinuierlich unser Projekt- und Prozessmanagement“
Thomas Besser, Teamleiter Kompetenzcenter CAE der Bilfinger GreyLogix GmbH (links): „Wir optimieren kontinuierlich unser Projekt- und Prozessmanagement“
(Bild: Eplan)

Mit 650 Mitarbeitern gehört GreyLogix zu den ganz großen Spezialisten für die Planung von automatisierungstechnischen Lösungen. Das Unternehmen wurde 2000 als Software-Haus gegründet, das aber schon von Beginn an auch die elektrotechnische Planung von kundenspezifischen Anlagen übernahm. 2004 kam ein eigener Schaltschrankbau dazu. Zu dieser Zeit hatte GreyLogix schon 60 Mitarbeiter, jetzt sind es mehr als zehnmal so viel. Seit 2013 gehört das Unternehmen zur Bilfinger-Gruppe.

Spezialität von GreyLogix sind große Projekte der Automatisierungstechnik, für die neben der Planungskompetenz auch umfassendes branchenspezifisches Know-how erforderlich ist. Deshalb sind die Planungsteams in verschiedenen Business Units organisiert, die sich jeweils auf definierte Marktsegmente wie z.B. „Oil & Gas“, Lebensmittelproduktion und Chemie-/ Pharmaindustrie konzentrieren.

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Elektroplanung mit hohem Automationsgrad

Dabei handelt es sich immer um individuelle Aufgabenstellungen. Thomas Besser, Teamleiter Kompetenzcenter CAE: „Bei uns gibt es keine Serienprojekte und deshalb auch keine Lernkurve. Umso wichtiger sind Kompetenz und Erfahrung.“ Das gilt für die Programmierung, die stets den größten Teil der Projektarbeit ausmacht, aber auch für die Elektroplanung und den Schaltanlagenbau. Hier setzt GreyLogix traditionell auf einen hohen Automationsgrad: „Wir haben früh erkannt, dass wir im Projekt- und Prozessmanagement stark sein müssen. Wir wollen unseren Kunden einen Mehrwert bieten: Pfiffiger sein und intelligenter arbeiten. Daran arbeiten wir kontinuierlich.“

Zu den Werkzeugen, die GreyLogix in der Elektrokonstruktion einsetzt, gehört seit Neuestem EEC One. Diese Software erlaubt das automatisierte Erstellen von Schaltplänen auf der Basis einer Excel-Oberfläche. Damit geht eine grundsätzlich andere Vorgehensweise einher: Der Konstrukteur gibt in einer Tabelle grundlegende Parameter wie z.B. die Netzspannung ein. Dann wählt er aus einer individuell konfigurierten Liste Komponenten wie z.B. „Antrieb 75 kW“ aus, gibt den Befehl „Konfigurieren“ und erhält somit den individuellen Stromlaufplan.

Automatisieren auch auf Shopfloor-Ebene

Dieser Plan bedarf noch der individuellen Bearbeitung, aber er bietet eben dafür eine gute Grundlage – und er spart sehr viel Zeit. Thomas Besser: „50 bis 60 % des Projektes kann man mit Hilfe dieser automatischen Planung erledigen. In dieser Zeit kann der Konstrukteur andere, kreative Aufgaben erledigen.“ Wobei man nicht verschweigen darf, dass Vorarbeiten nötig sind, um von diesen Vorteilen zu profitieren: „Man muss die Komponenten und auch die Strukturen festlegen. Und da die einzelnen Business Units z.B. andere Standards befolgen müssen und unterschiedliche Bauteile einsetzen, bekommt jede Einheit ,ihr‘ EEC One.“

Aber dieser Aufwand lohnt sich: „Wir sparen rund 50 % Zeit bei der Schaltplanerstellung. Deshalb führen wir EEC One jetzt sukzessive in allen Business Units ein.“ Dabei behalten die einzelnen Planer die Freiheit, das System nach ihren Vorlieben zu nutzen: „Man muss nicht alles mit EEC One erledigen. So kann der Planer die Betriebsmittelkennzeichnungen ebenso gut mit Eplan Elektrik P8 setzen – das ist seine Entscheidung.“

Die Vorteile, die GreyLogix in der automatisierten Elektroplanung sieht, sind so groß, dass zurzeit überlegt wird, bei der Software-Programmierung ein ähnliches Prinzip einzusetzen. Thomas Besser: „Wir würden dann bei dieser sehr zeitintensiven Aufgabe nochmals 10 bis 15% Zeit einsparen können.“ Im Schaltschrankbau sieht es mustergültig aufgeräumt und sauber aus. Ein Lager sucht man vergebens: Bestellt wird „on demand“. Die bestellten Komponenten werden gesammelt, nach dem Kanban-Prinzip bereitgestellt. Während des Durchlaufs durch die Fertigung befindet sich jedes Schaltschrankfeld auf einem eigens konstruierten Montagewagen – das erhöht die Flexibilität. Eine große Planungstafel am Kopf der Halle zeigt den Takt an, nach dem die einzelnen Projekte strukturiert und die Bearbeitungsplätze belegt sind. Auch hier ist die Automatisierung weit fortgeschritten. Die Blechbearbeitung erfolgt direkt aus dem CAE-System heraus – das heißt: aus Eplan Pro Panel – an einer Kiesling Perforex-Anlage.

Arbeitsteilung: Spezialisten für die Aufbauplanung

Die Aufbauplanung der Schaltschränke mit Eplan Pro Panel wird von Spezialisten erledigt, die ausschließlich für diese Aufgabe zuständig sind. Das ist ungewöhnlich, bewährt sich aber. Thomas Besserzeigt in seiner Bilanz die Hintergründe auf: „Die drei Kollegen kommen ursprünglich aus der Produktion. Sie haben daher das Praxis-Wissen, was sich am besten fertigen lässt. Die Konstrukteure übergeben ihnen die Planung, und sie sind dann auch für das Auslösen der Bestellungen und das Ausdrucken der Stromlaufpläne verantwortlich.“ Die 3D-Ansichten, die in Eplan Pro Panel generiert werden, sind darüber hinaus auch im Vertrieb und bei den Kunden geschätzt.“

„Wenn wir entscheiden, nehmen wir Eplan“

Als Dienstleister orientiert sich GreyLogix bei der Wahl der Konstruktions-Tools an den Kunden: „Wir haben neun ECAD-Programme im Einsatz. Aber wenn wir selbst entscheiden, mit welchem Programm wir arbeiten, wählen wir Eplan. Und die Aufbauplanung wird prinzipiell mit Eplan erledigt.“

„From the Top Floor to the Shop Floor“

Eplan, Rittal und Phoenix Contact zeigen auf einem gemeinsamen Messestand in Halle 8, D28 mit „Smart Engineering and Production 4.0“ den durchgängigen, automatisierten Prozess vom digitalen Artikel über das Engineering bis hin zur Produktion. Anhand eines Schaltschranks erleben Besucher, wie aus einer ganzheitlichen, virtuellen Produktbeschreibung die Daten aus der Entwicklung über standardisierte Schnittstellen in den Herstellungsprozess fließen.

* Gerald Scheffels, freier Fachjournalist, Wuppertal

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