Bauteilebeschaffung Energieeffizienz und Umweltschutz beim Distributor

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Im Zeitalter von „Live Earth“ und Kyoto-Protokoll reagiert auch die Elektronikbranche mit zunehmender Sensibilisierung für Klima- und Umweltschutz. Nach Bleifrei und RoHS lauten die neuen Schlagworte „Ecodesign“ und „Grüne Elektronik“. Doch nicht nur Komponenten-Hersteller und Endgeräte-Produzenten sind gefordert ihren Beitrag zu leisten wenne es um Umweltbewusstsein und Energieeffizienz entlang der Distributionskette geht. Als Vertriebskanal liegt ein langes Stück der Supply-Chain zwischen Hersteller und Geräte-Produzent in Händen der Distribution. An der Schnittstelle zwischen Hersteller und Kunden ist somit auch sie Teil des „Ecodesigns“ und steht in der Verantwortung umweltbewusst und energieeffizient zu agieren.

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Unter dem Motto „Think green“ fasst der Broadliner Rutronik elektronische Bauelemente GmbH sein ganzheitliches Engagement für den Umweltschutz zusammen: Entlang der kompletten Distributionskette erstreckt sich das Umwelt-Engagement in der Hauptsache auf vier Umweltsäulen:

  • umweltkonforme Beratung bei Produktauswahl und Design-in,
  • Qualitäts- und Umweltmanagement,
  • Recycling und
  • Mehrweg.

Daneben betrachtet Rutronik auch das Breitband-Sortiment als Beitrag zum Umweltschutz: Je mehr Komponenten aus einem Kanal angeboten werden, desto weniger Transportaufkommen ist nötig und desto besser ist man in der Lage, die Komponenten möglichst Strom sparend aufeinander abzustimmen. „Umweltschutz ist zwar für uns nichts Neues, aber mit der Kampagne „Think green“ möchten wir noch gezielter Akzente bei unseren Kunden zu diesem Thema setzen und sie verstärkt aktiv auf die Notwendigkeit von Umwelt- und Klimaschutz aufmerksam machen“, formuliert Markus Krieg Bereichsleiter Halbleiter, Rutronik das Umweltschutzverständnis von Rutronik. „Schon jetzt beurteilen unsere Kunden unser bisheriges Umwelt-Engagement als äußerst positiv“, freut sich Markus Krieg. „Mit Think green zeigen wir unseren Kunden auch, dass wir selbst im Unternehmen mit gutem Beispiel voran gehen. Schließlich können wir nicht umwelt-effizient beraten und dabei den hauseigenen Umweltschutz unter den Tisch fallen lassen. Das wäre nicht glaubhaft.“

„Think green“ basiert auf den vier Säulen umweltkonforme Beratung, Qualitäts- und Umweltmanagement, Recycling und Mehrweg. (Archiv: Vogel Business Media)

Neben dem aktiven Umweltschutz innerhalb des eigenen Unternehmens, hat der Distributor beim Thema Umwelt eine wichtige Schnittstellenfunktion, ist Krieg überzeugt: „Er übt unmittelbaren Einfluss auf die Produktauswahl seiner Kunden aus und sollte diese Position nutzen, um dessen Verständnis für Schadstoffe und Energieeffizienz maßgeblich zu schärfen.“ Mit seiner Offensive Bleifrei 2006 und der gleichnamigen europaweiten Seminarreihe sowie Workshops zum Thema Power Factor Correction hat Rutronik bereits vor Jahren erkannt, dass sich Wissenstransfer hervorragend eignet, um positiven Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Endgeräte-Produzenten auszuüben. Diese erkennen zunehmend den verkaufsfördernden Aspekt von energieschonenden und emissionsarmen Applikationen. Schließlich lässt sich der Verbraucher längst nichts mehr vormachen und übt durch seine Nachfrage einen erheblichen Marktdruck aus. Auch die Komponenten-Hersteller ziehen mittlerweile nach: Sie setzen zunehmend auf umweltgerechte Produkte, beispielsweise durch Miniaturisierung.

RoHS war nur der erste Schritt

Mit der RoHS-Verordnung ist zwar ein erster Schritt zur Schadstoffreduzierung getan, Ziel muss aber weiterhin sein, Schadstoffe in Bauelementen zu reduzieren und vorhandene Umweltbelastungen so schnell wie möglich aus dem Produktlebenszyklus zu nehmen. „Der Gesetzgeber hat hier einiges in petto, nehmen wir beispielsweise das Stichwort „Umweltprofil“: Es ist anzunehmen, dass in Zukunft weitere Anforderungen zur Reduzierung der umweltbezogenen Belastungen von Elektronikbauteilen und -komponenten kommen werden“, vermutet Markus Krieg. „Von Herstellern wird erwartungsgemäß verlangt werden, dass sie in der Lage sind, Auskunft über das Umweltprofil ihrer Produkte zu geben. Daher ist seitens der OEMs und Zulieferer eine ausführliche Vorbereitung gefragt, um den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein. Auch wir als Distributor werden wieder gefordert sein, ähnlich wie bei der RoHs-Thematik, in unserer Mittlerposition zwischen Hersteller und Kunde aussagekräftige Informationen zur Verfügung zu stellen.“ Noch sind keine gesetzlichen Normen festgelegt, die ein einheitliches Energie- und Umweltprofil von Produkten definiere oder vorschreiben. Rutroniks eCommerce-Plattform Webg@te hat bereits über ein Login für jedermann zugängliche Umweltinformationen zu den Produkten gelistet. Der Informationsgehalt von Seiten der Hersteller ist jedoch noch recht unterschiedlich.

Stromverbrauch ja, Verschwendung nein

Die Stromversorgung von Applikationen ist ein essenzieller Ansatzpunkt für den Umweltschutz. Mit der von der europäischen Union verabschiedeten EUP-Richtlinie (Energy using products) „Umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte“ wurde ein gesetzlicher Rahmen geschaffen, um die Integration von Umweltaspekten in die Entwicklung und das Design von energiebetriebenen Produkten und damit die Verbesserung der Umweltauswirkungen dieser Produkte zu fördern. Interessant wird dies vor allem beim Thema „Standby-Funktion“ elektronischer Geräte. „Geltendes Recht ist diese Verordnung in Europa aber noch nicht, da die Gesetzgebung bekanntlich der Hoheit der einzelnen Mitgliedsstaaten obliegt. „Momentan ist es also noch eine rein freiwillige Angelegenheit jedes Produzenten, inwieweit er seine Anwendungen umweltfreundlich gestaltet. Hier sehen wir einen entscheidenden Anknüpfungspunkt beim Kunden durch intensive Beratung und Sensibilisierung.

„In der modernen Welt werden nun mal elektronische Geräte mit Strom versorgt. Aus unserer Sicht lässt sich aber genau dort ansetzen, wo die Energie umgesetzt wird: bei der Spannungswandlung. Durch unser breites Produktangebot an aktiven, passiven und elektromechanischen Bauelementen können wir unsere Kunden optimal mit auf einander abgestimmten, energiesparenden Kits mit geringer Verlustleistung versorgen“, erklärt Peter Klöpfer, Product Sales Manager Powerhalbleiter. Eine Reihe von Kunden hat bereits Vorgaben, welche Menge an Energie genutzt werden darf. Natürlich soll der Wirkungsgrad möglichst hoch und damit einhergehend der Stromverbrauch extrem niedrig sein, besonders wichtig ist das bei akku- und batteriebetriebenen Geräten. Andere müssen aus Gründen des Thermomanagements energiesparende Bauteile verwenden. „Parallel dazu setzen wir unsere Bemühungen darauf an, unsere Kunden aktiv auf die „grüne Schiene“ zu bringen: Wir erörtern bei der Produktberatung ausführlich, warum es für ihre Applikation von Marktvorteil ist, wenn sie ihr Produkt unter „grünen“ Aspekten designen und bieten stromsparende Kits an.

Bereits seit einigen Jahren fest in der Gesetzgebung verankert ist die Vorschrift zur Leistungsfaktorkorrektur: Der zunehmende Einsatz von Schaltnetzteilen verursacht immer stärkere, sich auf dem Stromnetz ausbreitende Störfrequenzen. Deshalb müssen Schaltnetzteile (Stromaufnahme unter 16 A) mit einer Eingangsleistung ab 50 Watt bzw. 75 Watt (je nach Geräteklasse) seit dem 1. Januar 2001 (EN 61000-3-2) eine Leistungsfaktorkorrektur (Power Factor Correction „PFC“) besitzen. Diese sorgt durch eine zusätzliche, netzgesteuerte Schaltstufe (aktive PFC) eingangsseitig für einen sinusförmigen Stromverlauf. Besonderst in Lampenvorschaltgeräten für Leuchtstofflampen und Induktiven Lasten, hilft eine PFC Unmengen an Energie einzusparen und die Energie auch zu messen. Bei einer PFC wird die Energie zum richtigen Zeitpunkt aus dem Stromnetz gezogen. Dadurch muss letztlich weniger Überkapazität in den E-Werken produziert werden. Peter Klöpfer ergänzt: „Wie der Kunde seine PFC vornimmt und was dabei zu beachten ist, haben wir schon vor einigen Jahren in einem informativen Kundenseminar zusammengefasst.“

Die Kunden reagieren zunehmend auf die Beratungs- und Sensibilisierungsbestrebungen von Rutronik, wie der Broadliner zufrieden feststellt. Auch viele Hersteller sehen die Erfordernisse auf dem Markt und warten mit immer energieeffizienteren Produkten auf. Die Time-to-Market neuer Produkte und Prozesse könnte allerdings noch schneller sein, wünschen sich die Verantwortlichen bei Rutronik.

Freiwilliges Umweltmanagement

Eine weitere Säule unseres Umwelt-Engagements bilden die zertifizierten Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme“, erklärt Markus Krieg. Während das Qualitätsmanagement (QMS) heute ein Muss ist, ist Umweltmanagement (UMS) nach ISO 14001 freiwillig und bei Weitem in vielen Unternehmen noch nicht Standard. Umweltmanagement sieht Rutronik als Teil seiner strategischen Unternehmensführung im Bereich Umweltschutz. Es spiegelt sich in daher auch in der Organisationsstruktur wider, welche die effiziente Umsetzung von Umweltschutzstrategien durchgängig in allen Funktionsebenen gewährleistet. Eine Rolle spielt das UMS vor allem in den Bereichen qualifizierte Abfallentsorgung, Abfallreduzierung und strikte Überwachung des Ressourcenverbrauchs (Strom, Wasser, Heizöl).“ Zu nennen ist aber auch die Reduzierung der Emission durch weniger Transport-Partner, eine effiziente Tourenplanung der LKWs und die Bündelung von Wegen innerhalb des gesamten Außendienstes.

Mit der ISO 14001 wurde eine internationale Norm zum Umweltmanagement geschaffen. Sie dient weltweit den gleichen Zielen wie die EG-Öko-Audit-Verordnung, hat jedoch anderen Rechtscharakter. Gemeinsam ist beiden die freiwillige Beteiligung und die kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Erneuert werden muss das Zertifikat alle drei Jahre, im jährlichen Turnus erfolgt ein Überwachungs-Audit. Im Fokus steht dabei für die Auditoren vor allem, dass die Gesetzeskonformität gewährleistet ist.

Neben dem UMS hat auch das QMS unmittelbare Auswirkungen auf den Umweltschutz, so beispielsweise bei RoHS: Rutronik hat vor der Einführung der RoHS-Richtlinie frühzeitig eine klare Trennung der Artikel durch neue Artikel-Nummern eingeführt, die dem Kunden eine ordnungsgemäße Abwicklung der Aufträge garantieren. RoHS verspricht auch in Zukunft weiter ein heißes Thema zu bleiben: „Einige Kunden, die nach China importieren sind verunsichert, da diese Richtlinie für den Import in den Wachstumsmarkt China schärfere Vorgaben als die europäische Richtlinie vorsieht“, gibt Edwin Mohr, Leiter Qualitäts- und Umweltmanagement, Rutronik zu Bedenken. „Welche Auswirkungen die China-RoHS Verordnung auf die hiesige Distribution hat, ist aber noch nicht klar, da wichtige Ausführungsbestimmungen der Richtlinie noch nicht endgültig festgelegt sind.“

Abfall vermeiden vor trennen oder entsorgen

In Sachen Abfallbeseitigung handhabt der Broadliner vieles anders als gewöhnlich. „Wir richten uns strikt nach den Grundsätzen des neuen Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes. Nach diesem sind Abfälle in erster Linie zu vermeiden, insbesondere durch Verminderung der Menge und Schädlichkeit, in zweiter Linie stofflich zu verwerten oder zur Gewinnung von Energie zu nutzen“, konstatiert Lutz Miegel, Teamleiter Lager- Materialwirtschaft, Rutronik. An erster Stelle bei Rutronik steht substanzielle und breite Information in allen Logistikzentren durch unsere geschulten Beauftragten für innerbetrieblichen Umweltschutz (BfiU), zweitens ein großes Angebot an Entsorgungsmöglichkeiten zum Trennen der verschiedenen Abfälle zur Verwertung (AZV), drittens eine optimale Auswahl der Recyclingunternehmen. Dazu ziehen bei Rutronik ziehen alle an einem Strang: „Das gesamte Trenn- und Sammelsystem funktioniert nur, weil die Mitarbeiter das System akzeptieren und es den gesetzlichen Vorgaben entsprechend nutzen“, ist sich Miegel sicher.

Rutronik übernimmt bei verschiedenen Kunden in Deutschland die Rückführung der anfallenden Kunststoffverpackungsmaterialien. Die Kunststoffe werden in vier Fraktionen getrennt und an die für Rutronik tätigen Recyclingunternehmen übergeben. Der Kunde sammelt beispielsweise IC-Stangen und Spulen. Ist eine gewisse Menge erreicht, informiert er den Abfallkoordinator von Rutronik. Dieser Ansprechpartner für den Kunden wird im Vorfeld definiert. Er organisiert die Abholung der bereitgestellten Behälter. Die anfallenden Frachtkosten übernimmt Rutronik.

Rutronik übernimmt das Abfallrecycling für seine Kunden in drei europäischen Ländern, seit 2002 in Deutschland (Archiv: Vogel Business Media)

Seit 2004 verfügt Rutronik über ein Lizenzabkommen mit der Altstoff Recycling Austria AG, Österreich, zur Abfallentsorgung von Verpackungen bei den österreichischen Kunden. Miegel erläutert: Das ARA System ist der Garant für die Sammlung und Verwertung aller gebrauchten Verpackungen aus Gewerbe und Industrie. In Kooperation mit regionalen Entsorgungsunternehmen bildet das ARA System ein dichtes Netzwerk zur Sammlung und Verwertung von gebrauchten Verpackungen. Die ARA übernimmt damit, unter anderem auch bei unseren Kunden, die komplette Sammlung und Verwertung der Verpackungsmittel.

Ähnlich sieht auch das schwedische Modell aus: Hier sind seit Inkrafttreten der schwedischen Verpackungsverordnung am 01. Oktober 1994 sind alle Unternehmen, welche eine Verpackung oder eine verpackte Ware herstellen, importieren oder verkaufen und diese auf den schwedischen Markt bringen für die Entsorgung der Verpackungen verantwortlich. Als nationaler Systembetreiber fungiert Reparegistret AB (REPA) in Stockholm, wo auch Rutronik lizenziert ist. Die Kosten für das Recycling sind material- bzw. gewichtsabhängig und trägt der Distributor über das Lizenzabkommen.

Mehrweg = Mehrwert

Das Mehrweg-Procedere bei Rutronik richtet sich nach der bereits erläuterten ISO 14001 und ist als Tauschsystem mit Verpackungsbehältern ausgelegt. Ein Pfandsystem stellt dies aber nicht dar, da hierfür in der Regel keine Gelder fließen. Die Verwaltung findet über ein Behälterkonto statt, das Kundenseitig einmal im Jahr inventiert wird, auf Wunsch durch Rutronik. Grundsätzlich gilt es, die Struktur des innerbetrieblich verwendeten Leerguts beim Kunden zu vereinheitlichen und unnötiges Umpacken zu vermeiden. Nicht alle aber zunehmend mehr Kunden nutzen die Möglichkeit des Mehrweg-Systems. „Natürlich hängt es von der Größe des Kunden ab, ob er ein Mehrweg-System nutzen möchte“, so Harald Gölz, Leiter Warehousemanagement, Rutronik

Der Kreislauf gestaltet sich etwa so: Vom Hersteller trifft die Ware in Kartonagen verpackt ein. Diese wird im Rutronik-Wareneingang teilweise in rutronikspezifische Lagerbehälter umgepackt und für die Einlagerung vorbereitet. Ein gewisser Anteil der Ware verbleibt aber im Originalkarton. Sofern der Kunde original Losgrößen und Mengen bestellt und aus dem Prozess heraus kein Auspacken notwendig ist, bleibt die Verpackung vom Hersteller ungeöffnet und wird in dieser Form an den Kunden weiter versendet. Gölz weiter: „Eine Standardisierung bei den Behältern gibt es nicht, vielmehr entwickeln wir diese in Zusammenarbeit mit dem Kunden maßgeschneidert nach dessen Bedürfnissen“

Die verwendeten Verpackungsmaterialien bestehen in erster Linie aus Kartonagen. Diese sind recyclebar und lassen sich dem oben beschriebenen Wiederverwertungsprozess zuführen. Bei Füllmaterial setzt man auf biologische Stoffe: Im Einsatz sind Papier und Luftpolster. Die Mehrwegbehälter, teils Kunden-, teils Rutronik-Eigentum und können beliebig häufig wiederverwendet werden. Durch das Tauschsystem fallen keine Ressourcen an Kartonagen und Füllmaterial an. Beides lässt sich bedarfsgemäß tauschen. Es gibt bei Rutronik auch die Möglichkeit Leerstangen, Rollen und Trays zurückzugeben, die der Distributor dann zum Teil wieder verwendet. Der Hauptteil wird aber dem Recycling-Prozess zugeführt.

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