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Greenpeace-Studie Erneuerbare Energien auch im Winter nutzen

Redakteur: Katharina Juschkat

Eine Studie von Greenpeace Energy und Energy Brainpool untersucht das Problem der Wetterabhängigkeit von Erneuerbaren Energieträgern und kommt zu einer Lösung, wie sogenannte Dunkelflauten nachhaltig überwunden werden können.

Erneuerbare Energien wie Windkraft und Solaranlagen sind wetterabhängig. Das kann gerade in kalten Wintern zu Problemen führen. Greenpeace Energy zeigt, wie man diese Dunkelflauten überwinden kann.
Erneuerbare Energien wie Windkraft und Solaranlagen sind wetterabhängig. Das kann gerade in kalten Wintern zu Problemen führen. Greenpeace Energy zeigt, wie man diese Dunkelflauten überwinden kann.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein großes Problem der Energiewende ist die Wetterabhängigkeit vieler erneuerbarer Energien wie der Windkraft und der Solarenergie. Vor allem im Winter, wenn ohnehin eine erhöhte Energienachfrage besteht, kann die lange Dunkelheit und eine Flaute zu Energieengpässen führen.

Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy hat bei den Energiemarkt-Experten Energy Brainpool eine Studie in Auftrag gegeben, die diese sogenannte Dunkelflaute untersucht. Dabei kamen die Analysten zu dem Ergebnis, dass es etwa alle zwei Jahre eine Phase gibt, in der über zwei Wochen außerordentlich wenig Strom aus Wind und Sonne in das Energienetz eingespeist werden. Für diese wetterbedingten Versorgungsengpässe braucht das Stromsystem flexible Optionen wie langfristige Speichertechnologien.

Ergänzendes zum Thema
Was ist eine kalte Dunkelflaute?

Das Wetterphänomen der kalten Dunkelflaute tritt oft im Spätherbst und Winter auf, wenn über mehrere Tage oder Wochen Windstille und trübes Herbst- oder Winterwetter herrschen. Zeitgleich ist die Stromnachfrage wegen der kalten Temperaturen überdurchschnittlich hoch. Die Analyse der Jahre 2006 bis 2016 zeigt, dass in jedem zweiten Jahr das Stromsystem mit diesem Extremfall konfrontiert ist. Neben der zeitlichen Perspektive spielt die geografische Dimension auch eine Rolle: Fast in allen umliegenden europäischen Ländern war die Last außerordentlich hoch und die Erzeugungssituation angespannt.

Stromimporte aus den Nachbarländern nicht nachhaltig

„Die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums reichen nicht aus“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. „Für eine nachhaltige Versorgung braucht das Energiesystem auch nachhaltige technologische Lösungen.“ Momentan ist die Lösung der Bundesregierung, Strom aus den Nachbarländern zu importieren. Das ist laut der Studie aber nur bedingt realisierbar. Denn während der kalten Dunkelflaute kämpfen die Nachbarstaaten oft mit der gleichen Stromknappheit. Bei einem zusätzlich angenommenen Braunkohle-Ausstieg reichen auch die Zubauten nicht aus, um die Versorgung während der Extremwetterlage zu garantieren.

Synthetisches Gas als Energiespeicher

Die Berliner Analysen entwerfen in der Studie einen Vorschlag für ein nachhaltiges und robustes Stromsystem: Mithilfe klimaneutraler Gaskraftwerke soll die Versorgung gesichert werden. Insbesondere Gasspeicher können synthetisches Methan – und bis zu einem gewissen Maße Elektrolysegas – laut den Experten über lange Zeiträume speichern. Dieses sogenannte synthetische Gas kann im herkömmlichen Erdgasnetz gespeichert und bei Bedarf durch Gaskraftwerke rückverstromt werden.

Um eine komplett erneuerbare Stromversorgung im Jahr 2040 gegen jegliche Wettereinflüsse abzusichern, braucht es laut der Studie Gaskraftwerke mit einer installierten Leistung von 67 GW sowie Elektrolyseure mit einer Gesamtleistung von 42,7 GW.

Nach den Berechnungen von Energy Brainpool betragen die spezifischen Erzeugungskosten unter Annahme einer weiterhin schnellen Kostenentwicklung bei Wind- und Solarenergie 5,7 Cent pro KWh. Zum Vergleich: Die spezifischen Kosten des heutigen Stromsystems liegen bei 7 Cent je KWh. Rechnet man die anfallenden Umweltschäden noch mit an, belaufen sie sich laut der Studie sogar auf 14,5 Cent je KWh.

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