Erste Unternehmen setzen Tools wie Chat-GPT ein, um Steuerungscodes mit Hilfe künstlicher Intelligenz automatisch zu generieren. Welche Erfahrungen haben sie damit gemacht? Und was bedeutet das für die Automatisierung? elektrotechnikAUTOMATISIERUNG hat bei namhaften Steuerungsanbietern nachgefragt.
KI-Systeme können die Interaktion zwischen Ingenieuren und SPS-Systemen deutlich erleichtern.
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Einsatz von Chat-GPT und KI-Tools zur automatischen Programmierung von SPS bisher gemacht?
Dr. Tobias Frank, Phoenix Contact GmbH & Co. KG
(Bild: Phoenix Contact)
Dr. Tobias Frank: Wir sprechen hier nicht nur über Codeerzeugung, sondern auch über die Konfiguration und Parametrierung von Systemen. Neben Chat-GPT untersucht Phoenix Contact gerade verschiedene KIs wie Llama 2, Bard oder Code-T5+ hinsichtlich ihres Footprints und der Leistungsmerkmale für die Nutzung im Bereich des Ecosystems PLCnext Technology.
Eine wesentliche Rolle spielen dabei auch die rechtlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere bei der Codeerstellung handelt sich es um sensible Daten unserer Kunden, die entsprechend geschützt sein wollen. Im Ergebnis kann man sagen, dass die Codegenerierung für Hochsprachen sehr gut funktioniert. Für die Erzeugung von ST-Code aus der IEC 61131 bringt Chat-GPT aktuell die beste Datenbasis mit.
Dr. Tobias Frank
ist Vice President Automation Systems bei der Phoenix Contact Electronics GmbH. Zuvor war Frank Head of Safety & Configuration bei Phoenix Contact.
Hans Michael Krause, Leiter Produktmanagement ctrlX World, Bosch Rexroth AG
(Bild: marc krischak)
Hans Michael Krause: Während Bosch in Kooperation mit Aleph Alpha an Bosch-GPT forscht, erweitern wir unser Netzwerk in der Partnerwelt Ctrlx World, um mit Innovationsführern im Bereich KI und Automatisierung zusammenzuarbeiten. Ein herausragendes Beispiel dieser Zusammenarbeit ist unser Projekt mit Mairotec aus Ilmenau: ein KI-gestützter Helpdesk für unsere Automatisierungslösung Ctrlx Automation und zugehörige Partner-Apps. Über ein intuitives Web-Interface können Anwenderinnen und Anwender produktbezogene Anfragen stellen und erhalten umgehend Unterstützung – sei es während der Inbetriebnahme oder bei technischen Herausforderungen.
Unsere Vision geht jedoch weiter: Wir planen, Airo um Funktionen zur KI-basierten Entwicklung von App-Modulen oder vollständigen Apps für Ctrlx Automation zu erweitern. Dies wird für alle Kernkomponenten von Ctrlx Automation, einschließlich Frontend, Backend, SPS, HMI und Antriebstechnik, realisiert.
Hans Michael Krause
ist Leiter Produktmanagement Ctrlx World bei der Bosch Rexroth AG. Zuvor hat er das Markt- und Produktmanagement PLC und IoT-Systems geleitet.
Silke Bucher, Director Digital Transformation Consulting DACH, Schneider Electric
(Bild: Schneider Electric)
Silke Bucher: Chat-GPT und KI-Tools im Allgemeinen bieten enormes Potenzial für die Programmierung von SPS-Steuerungen. Das steht außer Frage. Und in den kommenden Jahren wird sich da sicherlich noch einiges tun. Insbesondere können KI-Systeme die Interaktion zwischen Ingenieuren und SPS-Systemen deutlich erleichtern. So erlauben es die Fortschritte in der natürlichen Sprachverarbeitung den KI-Systemen, menschliche Anweisungen zu verstehen und in ausführbaren SPS-Codes zu übersetzen.
Unsere Erfahrung zeigt aber, dass Tools wie Chat-GPT auch falsche Ergebnisse mit Codierungsfehlern liefern. Je komplexer die Aufgabenstellung ist, desto mehr nimmt das Verständnis der KI ab und desto mehr Fehler schleichen sich ein. Das heißt, es braucht auch weiterhin Systemintegratoren, die den KI-generierten Code überprüfen und gegebenenfalls anpassen.
Silke Bucher
ist Director Digital Transformation Consulting DACH bei der Schneider Electric GmbH. Zuvor war sie bei Siemens Head of Portfolio Development Mindsphere.
Jannis Doppmeier: Das Feedback unserer Kunden auf unsere Lösungen war durchweg positiv. Sowohl Vertreter aus dem Management als auch direkte Anwender äußerten ein hohes Maß an Interesse. Ein Großteil der Kunden sah für den Automatisierungsbereich ein signifikantes Potenzial in dieser Technologie. Dies deutet darauf hin, dass es eine wachsende Nachfrage nach fortschrittlichen Lösungen in diesem Segment geben wird. Mit der Einführung von Twincat Chat hat Beckhoff einen wichtigen Beitrag zur Integration von LLMs in industrielle Anwendungen geleistet.
Jannis Doppmeier
ist Produktmanager bei der Beckhoff Automation GmbH & Co. KG. Seine Kenntnisse umfassen LLM, Chat-GPT, PLC sowie OOP.
Franz Menzl, Vice President Technology and Innovation & CTO Factory Automation bei Siemens
(Bild: HL-STUDIOS/Siemens)
Franz Menzl: Leistungsstarke, fortschrittliche künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einer der wichtigsten Technologien für die digitale Transformation. Wir bei Siemens explorieren bereits seit einiger Zeit das Potenzial von Chat-GPT für die Fabrikautomatisierung und erproben erste Anwendungen in eigenen Werken in Erlangen und Amberg. Erstmalig zeigen wir auf der SPS 2023 einen Anwendungsfall mit einem unserer Pilotkunden im Einsatz: unseren KI-basierten digitalen Assistenten – den Industrial Co-Pilot. Der Industrial Co-Pilot soll zukünftig dabei unterstützen, Operations- und Engineering-Prozesse zu optimieren und damit Fabrikmitarbeitenden diese Arbeiten erleichtern.
Stand: 08.12.2025
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Der Zeitaufwand für Fachkräfte reduziert sich und die Fehlerwahrscheinlichkeit lässt sich minimieren, indem SPS-Codes durch natürliche Spracheingabe generiert werden. Darüber hinaus werden KI-Tools Wartungsteams zur Seite stehen, um Fehler zu identifizieren und Schritt-für-Schritt-Lösungen schneller bereitzustellen. Wir automatisieren damit die Automatisierung.
Franz Menzl
ist Vice President Technology and Innovation & CTO Factory Automation bei der Siemens AG. Zuvor war er Head of PLM Processes, R&D Budget and Innovation.