Sägedoktor geht Stempeln KI-System von Bosch Rexroth richtet jetzt Sägeblätter

Redakteur: Peter Königsreuther

Kohlbacher, führend im Bereich Schärfraumausstattung, hat mithilfe von Bosch Rexroth einen klassischen sowie wichtigen Prozess für ein automatisches Richtzentrum für Sägeblätter revolutioniert.

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Das vollautomatische Richtzentrum Hammerhead 3000 von der Kohlbacher GmbH ist mit der Automatisierungsmöglichkeit „Ctrl X Automation“ von Bosch Rexroth ausgestattet. Damit übernimmt die Künstliche Intelligenz nun den Job des vormaligen Sägedoktors.
Das vollautomatische Richtzentrum Hammerhead 3000 von der Kohlbacher GmbH ist mit der Automatisierungsmöglichkeit „Ctrl X Automation“ von Bosch Rexroth ausgestattet. Damit übernimmt die Künstliche Intelligenz nun den Job des vormaligen Sägedoktors.
(Bild: Bosch Rexroth)

Die Maschine Hammerhaed 3000 der Kohlbacher GmbH spannt und richtet Bandsägeblätter vollautomatisch, wenn sie sich während des Betriebs im Sägewerk verformt haben. Aber auch neue Sägeblätter müssen an die jeweilige Säge angepasst werden, heißt es weiter. Trotz aller Automatisierung des Prozesses, liege die Fehlerquote dennoch bei 10 bis 15 Prozent. Bisher war daher eine manuelle Nachbearbeitung durch so genannte Sägedoktoren erforderlich.

Der Sägedoktor ist jedoch ein aussterbender Beruf. Siegfried Kohlbacher, der Geschäftsführer der Kohlbacher GmbH, merkt dazu an: „Die Verfügbarkeit dieser Experten ist sehr limitiert und der Beruf wird nicht mehr verfolgt.“ Auch kostet die manuelle Nachbearbeitung der Sägeblätter viel Zeit und folglich auch Geld. Die Sägewerke benötigen trotz der Fachkräfteknappheit eine qualifizierte Möglichkeit, die Sägeblätter reparierbar macht. Dazu sei aber ein nicht spezifisch ausgebildeter Mitarbeiter nicht in der Lage. Deshalb hat Kohlbacher nach einer technischen Alternative gesucht, die den Job übernehmen kann.

Mit KI-App und Bosch-Rexroth-System-Trio

Kohlbacher hat sich, um das zu erreichen, für die offene Automatisierungsplattform „Ctrl X Automation“ von Bosch Rexroth entschieden, wie es weiter heißt. Dabei kommen die Komponenten „Ctrl X Motion“ (Motion-, Robotik- und CNC-Software), „Ctrl X Drive“ (kompaktes Antriebssystem), „Ctrl X Core“ (ultrakompakte Steuerung) sowie eine Künstliche-Intelligenz-App zum Einsatz, erklärt Bosch Rexroth.

Kohlbacher nutzt also den Automatisierungsbaukasten rund um „Ctrl X Automation“. Das Herzstück ist die Steuerungsplattform „ctrlX Core“. Die antriebsintegrierte Steuerung spare Schaltschrankplatz und sei in Kombination mit dem Antriebssystem eine der kompaktesten Systeme seiner Art. Die offene Architektur von „Ctrl X Automation“ erlaubt Kohlbacher nämlich den direkten Zugriff auf alle Daten in der Steuerung. Das ermöglicht der „Ctrl X Data Layer“, der als zentrales Data Backbone für alle Prozess- und Maschinendaten fungiert. Er vereinfacht die Integration von KI-Funktionen, die zum Beispiel in Python geschrieben werden können, erklärt Volker Schlotz, Leiter Business Development der Business Unit Automation & Electrification Solutions, bei Bosch Rexroth.

Die für die Aufgabe des Sägeblattrichtens passende KI-Lösung haben Bosch Rexroth und Kohlbacher dann gemeinsam entwickelt. Als technische Basis für die KI-App dient die Automatisierungsplattform, wie man erfährt. Das „Lernen“ der KI erfolge während des Prozesses und minimiere die Richtzeiten je nach Bedarf und die sonst damit verbunden Ausfallzeiten in den Sägewerken. Recht schnell zeigte, wie es weiter heißt, die mit Hammerhead 3000 kombinierbare KI-App erste Erfolge. Siegfried Kohlbacher dazu: „In einer ersten Lernphase konnte die Richtzeit bereits deutlich reduziert werden. Je länger die Lernphasen dauern, desto gezielter kann die KI mit konkreten Eingriffen respektive Druck auf das Sägeblatt die Richtzeit weiter verkürzen.“

Es muss nicht immer KI sein! Aber gut, wenn man kann!

Kohlbacher konnte nach eigenen Angaben damit neue Maßstäbe am Markt setzen, der sich in der Vergangenheit durch wenig Innovationen auffiel. Der Kohlbacher-Geschäftsführer führt weiter aus: „Unser KI-Tool verändert den Markt. Denn damit gibt es erstmals die Möglichkeit, die Erfahrung eines Sägedoktors in die Maschine zu übertragen und diese kann selbstständig weiterlernen.“ Außer der Weiterverwendung von Sägeblättern als Vorteil, fallen auch keine Wartezeiten mehr an. Kohlbacher registriere deshalb bereits eine steigende Nachfrage nach der Anlage mit dieser Ausstattung – und zwar weltweit. Aktuell prüfe man, welche weiteren Maschinentypen mit „Ctrl X Automation“ und entsprechenden Apps kombinierbar sein könnten. Nicht jede Maschine, betonen die Experten, benötigt KI, aber die Offenheit, Konnektivität und die Funktionalitäten der Automatisierungsplattform von Bosch Rexroth gibt Maschinenbauern und letztlich den Anwendern Handlungsspielraum, um im Zweifelsfall richtig zu reagieren.

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