Megger und Siemens: gemeinsame Schalterfachtagung Leistungsschalter werden intelligenter, wirtschaftlicher und sicherer

Autor / Redakteur: Georg Halfar / Ines Stotz

In Berlin-Siemensstadt war am 28. und 29. April die Schalterfachtagung 2010 von Megger zu Gast. An diesem geschichtsträchtigen Ort wurden unter dem Motto „Sicherheit für Ihren Kopf“ herstellerübergreifend neueste Erkenntnisse und Produkte auf dem Gebiet der Leistungsschalter für die Hoch- und Mittelspannung ausgetauscht und präsentiert.

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In den zehn Vorträgen und fünf Workshops kristallisierte sich für alle Teilnehmer die Erkenntnis heraus, dass die Entwicklungen auch in den Technologien für Leistungsschalter zügig voranschreiten. Leistungsschalter werden immer intelligenter, wirtschaftlicher und letztendlich – auch immer sicherer. In punkto Zuverlässigkeit wurde in der Hochspannungstechnik schon vor Jahrzehnten ein Maximum erreicht. Gekapselte Schaltanlagen sind vor Witterungseinflüssen und Korrosion geschützt und benötigen laut den Herstellern keinerlei Wartung. Dennoch kann auf eine Prüfung der Schaltzeiten nicht verzichtet werden. Die erfahrenen Praktiker staunten nicht schlecht als sie erfuhren, dass „Wartungsfrei“ nicht gleichzeitig „Prüfungsfrei“ bedeutet. Im Vortrag von Dr. Thorsten Neumann wurden sie darüber aufgeklärt, dass gemäß Betriebssicherheitsverordnung die Prüfungsintervalle über eine sogenannte „Gefährdungsbeurteilung“ festzulegen sind. Nur so kann sich der Betreiber einer Anlage, trotz postulierter Wartungsfreiheit, der ordnungsgemäßen Funktion sicher – und vor juristischen Folgen geschützt sein. Was viele Teilnehmer ebenfalls aufhorchen ließ: Der Betreiber von Schaltanlagen ist laut Gesetzt verpflichtet, über die „Gefährdungsbeurteilung“ seine Beschäftigten vor Unfällen schützen. Aufgrund dieser muss ein Schutzkonzept entwickelt werden, dass dem aktuellen Stand der Technik Rechnung trägt.

Gruppenbild im Siemenspark/Siemensstadt (Archiv: Vogel Business Media)

Erforderliche Arbeiten, auch bei wartungsfreien Anlagen, wie die Prüfungen der Schaltzeiten müssen prinzipiell durch beidseitige Erdung gesichert sein. Iin der Praxis beim Messen oft nicht einhalten. Das kann sehr gefährlich für den ausführenden Prüftechniker sein. Jetzt gibt es aber eine technische Neuerung: Der Leistungsschalter-Analysator TM 1800 mit dem DCM-Modul von Megger. Mit ihm kann man jetzt auch mit beidseitiger Erdung messen. Ein enormer Gewinn für die Sicherheit. Laut Gesetz hat nun dieses technische Prüfverfahren absoluten Vorrang.

20 Prozent weniger Platz

Dr. Hold Dienemann, Siemens (Archiv: Vogel Business Media)

Der Fortschritt macht jedoch nicht nur das Prüfen sicherer. Im Vortrag von Dr. Hold Dienemann von Siemens wurde deutlich, dass Hochspannungsschaltanlagen selbst immer sicherer, wirtschaftlicher und kompakter werden. So benötigt eine moderne HIS-Anlage (Highly-Integrated-Switchgear) bei gleicher Leistungsfähigkeit nur noch 20 Prozent vom Platzbedarf einer älteren AIS-Schaltanlage (Air-Insulated-Switchgear). Möglich macht das eine neue Kompaktbauweise, bei der sich bei Freiluft-Leistungsschaltern nicht nur das Löschsystem für den Lichtbogen unter SF6-Gas befindet. In diesen Neuentwicklungen arbeiten jetzt auch Trenner und Erder in einer SF6-Gas-Umgebung. Zudem ziehen in GIS-Anlagen (Gas Insulated Switchgear) auch neue Wandlertechniken und intelligente Feldsteuerungen ein. Durch diese hochentwickelte Elektronik, auch in der Feldebene, bieten sich viele neue Möglichkeiten, etwa beim Monitoring, um den Zustand der Hochspannungsanlage direkter und kontinuierlicher zu beurteilen. Ein enormer Fortschritt für die Sicherheit, denn mögliche Fehler können so viel schneller erkannt werden.

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