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Datenfluss nur mit passenden Schnittstellen möglich
Ende 2014 hat Blumenbecker Automatisierungstechnik eine neue Produktionshalle für den Schaltanlagenbau in Beckum eingeweiht. Auf über 8.000 qm sind Logistik, mechanische Produktion, Elektrotechnik und Qualitätssicherung untergebracht. Heinz-Josef Schmitz, der die Schaltanlagenproduktion leitet, betont, wie viel Wert bei der Planung der neuen Produktion auf die Effizienz gelegt wurde: „Der Workflow innerhalb der Halle ist bei sämtlichen Prozessen optimiert.“ Beim Wareneingang werden etwa alle Komponenten direkt dem richtigen Projekt zugeordnet. Einer der Hauptlieferanten bei Blumenbecker Automatisierungstechnik ist der Systemanbieter Rittal, der Schaltschränke, Gehäuse, Stromverteilungssysteme und Klimatisierungskomponenten liefert. „Zweimal pro Woche kommt ein Lastwagen von Rittal und beliefert uns praktisch just-in-time“, erzählt Schmitz. Nach der Anlieferung kommen die Schaltschränke zunächst in die mechanische Bearbeitung. Dort versehen CNC-Maschinen die Schaltschränke und die Montageplatten mit den notwendigen Bohrungen, Gewinden und Durchbrüchen. Die Daten zur Steuerung der CNC-Maschinen stammen direkt aus der 3D-Aufbauplanung mit Eplan Pro Panel. Auch zum automatischen Ablängen der Hutschienen und Kabelkanäle und für die automatische Kabelkonfektionierung werden diese Daten verwendet. „Wichtig ist, dass es zu allen Maschinen und Prozessen die passenden Schnittstellen gibt“, betont Schmitz, „denn nur so können wir die Vorteile der durchgängigen Datenhaltung nutzen.“
Automatisiertes Kleinteilelager aktualisiert Bestände selbstständig
Die Komponenten, die für die anschließende Bestückung der Montageplatten benötigt werden, kommissioniert ein Mitarbeiter auf Trolleys. Sämtliche Komponenten werden bereits während der Kommissionierung ausgepackt. „Die Mitarbeiter in der Bestückung müssen daher kein Verpackungsmaterial entsorgen“, erklärt Schmitz. Kleine Komponenten, wie Klemmen, Relais usw. stellt ein Mitarbeiter aus einem Kleinteilelager für jeden Auftrag zusammen. Das automatisierte Kleinteilelager zeigt dabei jeweils an, aus welchem Behälter Teile entnommen werden müssen. Die Automatisierung geht in diesem Bereich aber noch weiter, erklärt Schmitz: „Ein Beamer projiziert auf den Kommissioniertisch, welche Teile für einen Auftrag wie zu Baugruppen zusammengestellt werden müssen.“ Dies erleichtert die Arbeit in der Bestückung, wo das lästige Suchen nach den passenden Komponenten entfällt. „Für uns ist diese Automatisierung durch die Digitalisierung ein wichtiger Schritt in Richtung Industrie 4.0“, betont Schmitz.
Während der Bestückung verwenden die Mitarbeiter die 3D-Aufbaupläne aus Eplan Pro Panel. Die Montage aller Hutschienen, Kabelkanäle und elektrotechnischen Komponenten ist dort exakt dokumentiert. „Hier kommt es natürlich wieder auf die hohe Qualität der verwendeten Daten an“, sagt Schmitz, „denn wenn die realen Abmessungen nicht mit den Daten übereinstimmen, passen die Komponenten eventuell nicht in den Schaltschrank.“ Im letzten Produktionsschritt werden die fertig bestückten Schaltschränke dann verdrahtet. Die Kabelsätze für ein Projekt wurden zuvor auf einer automatisierten Maschine zur Kabelkonfektionierung hergestellt. Die Leitungen werden entsprechend der 3D-Aufbauplanung und dem Autorouting in Pro Panel produziert. Statt eines Stromlaufplans verwendet der Mitarbeiter teilweise nur eine Verdrahtungsliste, auf der er alle Verbindungen nacheinander durchführen kann.
Daten-Dokumentation erleichtert die Zollabwicklung
Nach der Montage sämtlicher Komponenten und deren Verdrahtung erfolgt die Qualitätskontrolle im firmeneigenen Prüffeld. „Hier werden die Anlagen vor der Auslieferung geprüft“, erklärt Schmitz. Auch die Dokumentation in der Qualitätskontrolle basiert wiederum auf den ursprünglich in der Planung erzeugten Daten. Besonders wichtig ist, dass die Schaltanlagen gemäß der aktuellen Norm DIN EN 61439 dokumentiert werden müssen. Für die Produkte, die Blumenbecker Automatisierungstechnik von Rittal bezieht, ist der Bauartnachweis direkt hinterlegt. Die geforderten Stücklisten für die Dokumentation lassen sich aus den Daten per Knopfdruck erstellen. Für die Logistik im abschließenden Versand der fertigen und geprüften Anlagen werden wiederum Daten benötigt. Neben Größen und Gewichten sind dies etwa auch Informationen, die mit den Zollformalitäten zusammenhängen. „Wenn wir unsere Kunden bei der Zollabwicklung unterstützen“, erklärt Schmitz, „können wir ihnen auch gleich sagen, ob es bei der Ausfuhr bestimmter Komponenten Probleme wegen der EU-Verordnung über Güter mit doppeltem Verwendungszweck geben kann.“ Auch solche Informationen sind in der Datenbank bei Blumenbecker hinterlegt und beugen Zoll-Problemen vor. „Insgesamt“, so fasst Harald Golombek, Geschäftsführer Blumenbecker Automatisierungstechnik, zusammen, „ist die durchgängige Datenhaltung von der Planung über die Produktion bis zum Versand der fertigen Anlage der wesentliche Schlüssel, um unsere Projekte effizient abzuwickeln.“
* *Dr. Jörg Lantzsch, Fachjournalist; Hans-Robert Koch, Leiter Produktkommunikation, Rittal
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