Forschende am Fraunhofer IIS entwickeln energieeffiziente Mesh-Netzwerke für Drohnenschwärme, die eine dezentrale Kommunikation ohne Mobilfunk ermöglichen. Die Technologie ebnet den Weg für neue Anwendungen im zivilen Bereich.
In einem Mesh-Netzwerk kommunizieren mehrere Drohnen dezentral miteinander. Ein Mobilfunkmast ist daher nicht nötig.
(Bild: Manuel Schrauth, Fraunhofer IIS)
Drohnen, die in einem Schwarm auftreten, können unterschiedliche Aufgaben übernehmen und untereinander Informationen austauschen. Bislang werden zivile Drohnenschwärme häufig zentral über eine Mobilfunkanbindung gelenkt. Im Hinblick auf autonome Einsätze können die einzelnen Drohnen somit lediglich sternförmig miteinander kommunizieren, über einen zentralen Knotenpunkt – in der Regel einen Mobilfunkmast. Ist dieser Knotenpunkt jedoch beschädigt, etwa als Folge einer Naturkatastrophe, entfällt die Möglichkeit, sich im Schwarm auszutauschen. Das erschwert zum Beispiel die Suche nach Überlebenden, da der Schwarm nicht mehr kooperativ arbeiten kann.
Mesh-Netzwerke ermöglichen Informationsaustausch im Schwarm
An einer Lösung arbeiten Forschende des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen: „Wir entwickeln ein mobiles Ad-hoc-Mesh-Netzwerk, in dem mehrere Drohnen dezentral miteinander verbunden sind und beispielsweise über Bluetooth kommunizieren“, erklärt Dr. Manuel Schrauth, Gruppenleiter im Bereich Kommunikationssysteme am Fraunhofer IIS.
Wir entwickeln ein mobiles Ad-hoc-Mesh-Netzwerk, in dem mehrere Drohnen dezentral miteinander verbunden sind und beispielsweise über Bluetooth kommunizieren.
Dr. Manuel Schrauth, Gruppenleiter Kommunikationssysteme, Fraunhofer IIS
Der Informationsaustausch läuft im Schwarm folglich nicht mehr sternförmig ab, sondern vollständig dezentral – falls erforderlich also über mehrere Knotenpunkte hinweg. „Die einzelnen Drohnen können sich so auch dann noch miteinander austauschen, wenn keine äußere Kommunikationsanbindung vorhanden ist – ein entscheidender Vorteil, wenn man bedenkt, dass nur ein Bruchteil der gesamten Erdoberfläche über eine gute Mobilanbindung verfügt.“
Erste Ergebnisse der Technologie präsentiert Manuel Schrauth (rechts) mit seinem Team auf der ILA.
(Bild: Manuel Schrauth, Fraunhofer IIS)
Dezentrale Netze für den zivilen Einsatz
Hochdynamische, dezentrale Netzwerke gibt es bislang hauptsächlich im militärischen Bereich, wo die Technologie teuer, groß und nur für schwere Drohnen geeignet ist. Im sogenannten Ultra-Low-Power-Bereich existieren noch keine geeigneten Mesh-Netzwerke. „Da die Verbindung zum Beispiel über Bluetooth laufen kann, ist unsere Technologie sehr günstig und energiesparend“, so Manuel Schrauth. „Sie eignet sich daher für kleine, leichte Drohnen, wie sie im zivilen Bereich vorkommen.“
Die Idee für die Entwicklung äußerst energiesparsamer Ad-Hoc-Mesh-Netzwerke entstand in Projekten der sogenannten GAIA-Initiative: Gemeinsam mit einem interdisziplinären Konsortium arbeiten Schrauth und sein Team dort an satellitengestützten Tiersendern für Geier in Namibia, die dezentral untereinander kommunizieren können. So kann das Forscherteam das Verhalten der Tiere analysieren – und unter anderem Rückschlüsse auf Umweltveränderungen ziehen.
Stetiger Informationsaustausch – auch ohne Mobilfunk
Auf diesem Wissen baut das Team nun die Vernetzung von Drohnenschwärmen auf: Dafür entwickeln die Forschenden ein tabellenbasiertes System. Die einzelnen Drohnen, die jetzt als Knotenpunkte fungieren, senden in regelmäßigen Abständen sogenannte Heartbeats, in der Fachsprache auch Advertisements genannt, aus. Vergleichbar sei das mit BluetoothKopfhörern, die, während sie nach kopplungsbereiten Geräten suchen, blinken und das Signal „Ich bin hier“ aussenden, so Schrauth.
Sobald sich zwei Knoten gegenseitig registriert haben, vervollständigen sie ihre jeweiligen Tabellen: Dort halten sie fest, welche anderen Geräte gesichtet wurden. Geschieht dieser Prozess alle paar Sekunden, lässt sich eine beinahe vollständige Kenntnis über das gesamte Netzwerk aufbauen. Obwohl jeder einzelne Knoten lokal nur über unvollständige Informationen verfügt, lässt sich ein Datenpaket sukzessive ausbreiten, so Schrauth: „Sucht etwa Knoten Nummer eins Knoten Nummer sieben, kann er die Information an den nächstgelegenen Punkt, Knoten zwei, weitergeben, dieser wiederum an Knoten drei und so weiter. Ein Datenpaket hangelt sich also über mehrere Knoten hinweg immer weiter bis zum Ziel, die nötigen Informationen werden iterativ zusammengebaut.“
Aufgabenteilung dank dezentraler Kommunikation
Für die Nutzenden wird sich die Kommunikation im Schwarm laut Schrauth später wie eine Eins-zu-Eins-Verbindung anfühlen. Dank der neuen Technologie könnten in der Praxis künftig mehrere Drohnen automatisch aus einem Koffer starten, im Mesh-Netzwerk eine gegebene Formation bilden, damit die Reichweite des Schwarms erhöhen und ihre unterschiedlichen technischen Stärken nutzen, um etwa eine dreidimensionale Karte anzufertigen.
Dass die Technologie funktioniert, haben die Forschenden in einer Simulation bereits gezeigt, nun möchten sie sie auf kommerzielle Hardware übertragen. Aktuell laufen im Labor Untersuchungen mit Bluetooth-Geräten, die Daten über mehrere Knoten hinweg verarbeiten. Einen Prototyp der Technologie wird die Projektgruppe voraussichtlich kommendes Jahr präsentieren, erste Ergebnisse zeigen Manuel Schrauth und sein Team auf der diesjährigen ILA, der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.