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Interview bei Endress+Hauser

Michael Ziesemer spricht über seine neuen Aufgaben als ZVEI-Präsident

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Viele Firmen entwickeln in Europa und fertigen in Billiglohnländern. Was denken Sie darüber?

Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Blaupausenkonzept nicht funktioniert. Wir müssen auch hier in Europa fertigen. Wir brauchen die enge Verbindung von Fertigung und Entwicklung, wir brauchen das Feedback aus dem Produktionsprozess. Und wir brauchen noch mehr das Feedback unserer Kunden für neue Entwicklungen.

Im ZVEI sitzen auch direkte Wettbewerber am runden Tisch. Ist Kooperation überhaupt möglich?

Hier hat sich ein grundlegender Wandel vollzogen. Herrschte früher Wettbewerb oder Zusammenarbeit, heißt die Lösung heute Wettbewerb und Zusammenarbeit. Die gewaltigen Umwälzungen – denken Sie an die Digitalisierung – kann keiner mehr im Alleingang meistern. Es ist das Schicksal der Unternehmen, stärker zusammen zu arbeiten, wollen sie erfolgreich sein. Moderne Technologie wird durch Kooperationen geprägt und weitergetrieben. Fortschritt findet statt, wo sich Disziplinen begegnen; wo sich Elektrotechnik und Maschinenbau oder Elektrotechnik und Software berühren. Natürlich gibt es auch Risiken, wenn direkte Wettbewerber zusammenarbeiten. Die Regeln des Wettbewerbsrechts müssen selbstverständlich eingehalten werden. Auch dafür sorgt der ZVEI.

Geben im Verband nicht einfach die Big Player den Takt vor?

Tatsächlich gehören Großunternehmen wie Bosch, Siemens und ABB zum Verband und prägen ihn, aber der ZVEI war stets auch die Stimme des Mittelstands. Vertreter mittlerer Unternehmen bilden die Mehrheit im Verband und auch im Vorstand. Die meisten davon sind im Weltmarkt aktiv. Wir haben in Europa in allen Branchen hervorragende Mittelständler. Viele sind in ihren Segmenten weltweit führend. Mittelstand und Großunternehmen arbeiten im ZVEI zusammen. Das macht seine Stärke aus.

Was verbindet die mittelständischen Unternehmen im ZVEI?

Meist eine stabile Eigentümerschaft über Jahrzehnte hinweg, der Fokus auf bestimmte Marktsegmente, aber auch eine regionale Verankerung und eine starke soziale Verbindung zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. Das ist nicht eine Frage der Größe, sondern der Kultur. Darum bezeichne ich auch Endress+Hauser als Mittelständler, ungeachtet der Tatsache, dass wir schon über 12.000 Mitarbeitende haben.

Was sind Ihre Aufgaben als Präsident?

Der Präsident vertritt den Verband gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik und kümmert sich nach innen um die Zusammenarbeit und die Bündelung der Interessen der Mitglieder. Es gibt in einem großen Verband unterschiedliche Interessen. Trotzdem muss es gelingen, dass in wichtigen Fragen alle an einem Strang ziehen! Der ZVEI vereint mehrere Teilbranchen, die wiederum in Fachverbänden organisiert sind. Diese verfolgen ihre eigene Arbeit, aber es gibt viele Themen, die alle betreffen und herausfordern. Eine wichtige Aufgabe des Verbandsvorstands ist es, diese zentralen gemeinsamen Ziele zu identifizieren und zu verfolgen.

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