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Interview bei Endress+Hauser

Michael Ziesemer spricht über seine neuen Aufgaben als ZVEI-Präsident

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Was sind heute diese zentralen Themen?

Das eine ist das Thema der Energieversorgung für die Wirtschaft und die privaten Haushalte. Der Umbau des Energiesystems ist unumgänglich, doch es gibt noch viele Baustellen. Es ist eine Generationenaufgabe mit sehr vielen Facetten – von der Energieeffizienz bis zum Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Windkraft und Biomasse. Diese benötigen eine entsprechende Infrastruktur, die es erlaubt, Strom zu speichern und zu verteilen. Die Technik in der Energiewirtschaft hat in den letzten Jahren einen riesigen Sprung gemacht – erneuerbare Energien haben heute die Kostenparität zu herkömmlich erzeugten Energien erreicht. Der ZVEI setzt sich für mehr Markt ein bei den Erneuerbaren. Doch wir brauchen auch ein Marktdesign, das die erneuerbaren Energien weiter fördert.

Der zweite große Themenkreis?

Das ist die Digitalisierung der Gesellschaft. Das Internet bewegt sich in alle Lebensbereiche hinein, ist längst mehr als Informationsquelle oder Kommunikationsplattform. Ein Beispiel dafür ist das Automobil. 30 Prozent der Wertschöpfung kommen aus der Elektroindustrie. Die Assistenzsysteme für die Spurstabilität oder Einparkhilfen sind nur der Anfang. Bald wird das Auto die Verkehrssituation selbständig einschätzen, bei Gefahr reagieren oder auch wissen, wo der nächste Parkplatz zu finden ist. In solch einem Auto werden pro Minute Gigabytes an Daten verarbeitet. Ähnlich verhält es sich beim „Smart Home“, in welchem der Nutzer per Smartphone beispielsweise die Einstellung der Heizung überprüfen und verändern kann, oder beim „Smart Grid“, dem intelligenten Stromnetz der Zukunft. Auch in Industrieanlagen ist dieser Weg bereits beschritten: Messgeräte von Endress+Hauser sind über Ethernet/IP vernetzt, tauschen Daten aus und überwachen sich selbst, wenn es um Wartung oder Kalibrierung geht.

Welche Rolle spielt dabei der ZVEI?

Ein solcher Wandel bietet immer Chancen, weil sich neue Märkte auftun und sich neue Geschäfte entwickeln. Aber natürlich auch ein Risiko – wer nicht mitgeht, kann den Anschluss verlieren. Die Digitalisierung geht tief in Wertschöpfungsstrukturen hinein und verändert Geschäftsmodelle. Durch die überall verfügbare Information können Unternehmen zum Beispiel Lieferanten schneller wechseln und ihre Logistikketten völlig neu organisieren. Bei all diesen Chancen dürfen wir aber nicht das Thema „Datensicherheit“ vergessen. Sichere Lösungen in unsicheren Netzen sind unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg des „Internet der Dinge“ und einer „Industrie 4.0“. Der ZVEI und die Verbände des Maschinenbaus und der IT bieten den Unternehmen dieser Branchen eine gemeinsame Plattform für die Entwicklung der erläuterten Technologien und Geschäftsmodelle.

Werden Sie noch Zeit haben für Ihre Aufgabe als COO bei Endress+Hauser?

Ich hoffe es! (Lacht) Es werden in der Tat viele Tage im Jahr sein, an denen ich in Berlin oder Brüssel sein werde. Aber natürlich ist der Schritt wohl überlegt, gut vorbereitet und abgestimmt mit dem Executive Board der Endress+Hauser Gruppe und mit der Gesellschafterfamilie Endress. Wir alle sind der Meinung, dass das Unternehmen davon nur profitieren kann. Vernetzung ist unendlich wichtig für ein Unternehmen und seine Führungskräfte. Man kann neue Dinge nicht immer nur von innen generieren, sie brauchen den Dialog über Firmengrenzen hinweg. Man muss über den Zaun blicken, offen sein und lernfähig.

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