Suchen

Interview bei Endress+Hauser

Michael Ziesemer spricht über seine neuen Aufgaben als ZVEI-Präsident

| Redakteur: Sariana Kunze

Michael Ziesemer, stellvertretender Chef des Messtechnik-Spezialisten Endress+Hauser, ist der neue Präsident des Deutschen Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Im Interview spricht er über seine neuen Aufgaben als ZVEI-Präsident, die Energiewende, die Digitalisierung aller Lebensbereiche und die damit verbundenen Herausforderungen für die Branche.

Firmen zum Thema

Michael Ziesemer, Vizechef der Endress+Hauser Gruppe, wurde zum neuen Präsidentendes Industrieverbandes ZVEI gewählt.
Michael Ziesemer, Vizechef der Endress+Hauser Gruppe, wurde zum neuen Präsidentendes Industrieverbandes ZVEI gewählt.
( Martin Heimann/Endress+Hauser )

Herr Ziesemer, als Präsident des ZVEI vertreten Sie fortan auf höchster wirtschaftlicher und politischer Ebene die Interessen der Elektroindustrie. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Das höchste Ehrenamt in diesem Verband zu übernehmen ist natürlich eine wunderbare Aufgabe, da es eine überaus produktive und innovative Branche ist. Der ZVEI hat 1.600 Mitgliedsunternehmen, die 1,5 Mio. Mitarbeiter im In- und Ausland und zehn Prozent der deutschen Industrieproduktion repräsentieren. Das hat große Bedeutung für die Beschäftigung in Deutschland und – aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtung – auch in ganz Europa. Diese Arbeit ist absolut wichtig! Die Branche berührt grundlegende Fragen der Gesellschaft wie Innovation und Fortschritt, Wohlstand und Sicherheit. Solche Zukunftsthemen zu bewegen ist eine tolle Sache.

Warum braucht es den ZVEI?

Es gibt eine ganze Reihe von Themen, die Unternehmen besser gemeinsam lösen. Da geht es beispielsweise um Fragen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, aber auch um zukünftige Berufsbilder, das Marktdesign in einer Branche oder um rechtliche Fragen. Der ZVEI beobachtet den Markt und erstellt Technology Roadmaps. Denken Sie an Themen wie das Recycling und die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft, die Biotechnologie oder die völlig neuen technischen Anforderungen von Mega-Cities. Vor allem aber pflegt der Verband den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit.

Sie betreiben klassisches Lobbying?

Wenn wir uns mit Spitzenpolitikern austauschen, dann geht das weit über Branchen-Lobbying hinaus. Letztlich geht es um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Europa. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir unseren hart erarbeiteten Wohlstand auch noch in 20 Jahren so haben werden. Der Anteil der europäischen Elektroindustrie am Weltmarkt ist in den letzten 20 Jahren um nahezu 10 Punkte auf etwa 17 Prozent gesunken. China, Indien, Brasilien haben diese Marktanteile gewonnen. Technologien ändern sich. In vielen Bereichen, gerade bei intelligenten Systemen, ist Europa führend. Doch diese Führungsposition muss immer wieder neu errungen werden. Dafür werde ich mich als Präsident des ZVEI einsetzen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 42823717)