Prozesssteuerung Neue Software von Heidelberg senkt Materialaufwand und Kosten für Druckereien

Redakteur: Carina Schipper

Für Verpackungsdrucker zählt in der Kostenbilanz jeder Millimeter Karton. Mit dem Farbmesssystem Prinect Image Control von Heidelberger Druckmaschinen lassen sich die Farbgebung an der Druckmaschine ausschließlich über Volltöne und CMYK-Bilder auf dem Druckbogen regeln. Allein durch den Wegfall von 4 mm Karton, sparen Druckbetriebe je nach Auftragsvolumen zwischen 20.000 und 40.000 Euro pro Jahr.

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Das neue Farbmesssystem Prinect Image Control erreicht hohe Materialeinsparung durch Messen und Regeln ohne Druckkontrollstreifen. Die Anordnung von Farbkontrollstreifen erfolgt ziwschen den einzelnen Nutzen oder auf Klebelaschen.
Das neue Farbmesssystem Prinect Image Control erreicht hohe Materialeinsparung durch Messen und Regeln ohne Druckkontrollstreifen. Die Anordnung von Farbkontrollstreifen erfolgt ziwschen den einzelnen Nutzen oder auf Klebelaschen.
(Bild: Heidelberg)

Für die Farbmessung bietet Heidelberg neben Prinect Image Control das Inline- Farbmess-system Prinect Inpress Control an. Dieses kommt vor allem bei industriell arbeitenden Druckereien zum Einsatz. Wird Farbkonstanz in äußerst engen Toleranzen gefordert, wie beispielsweise bei Haarcolorationen, Etiketten, aber auch bei hohen Auflagen auf minderwertigem Karton, bei dem Papierstaub schnell das Gummituch zusetzt und damit das Druckbild beeinflusst, sorgt Prinect Image Control für die verlangte Produktqualität. Als einziges System in der Industrie messe das System nicht nur einzelne Punkte, sondern das gesamte Druckbild, heißt es. Dadurch erkennt die Software eine Veränderung des Druckbildes schnellstmöglich und gleicht diese aus.

Der Druckkontrollstreifen fällt weg

Viele Layouts im Verpackungsdruck erlauben die Anordnung von Farbkontrollelementen zwischen den einzelnen Nutzen oder auf Klebelaschen. Diese Elemente nutzt Prinect Image Control, zusammen mit den Volltonflächen in den Nutzen, zur Farbregelung der Druckmaschine. Position, Größe und Farbe stammen aus der CIP4-PPF-Datei. Sobald der Auftrag geladen ist, liegen die notwendigen Informationen vor. Manuelles Zuordnen durch den Drucker entfällt. Die Regelung der Farben basiert auf allen Volltonflächen im Druckbild. Der Drucker kann auf einen herkömmlichen Druckkontrollstreifen verzichten. Die Gleichmäßigkeit in der Farbführung steigt. Das ließe sich nicht über die ausschließliche Nutzung eines Druckkontrollstreifens erreichen.

Neben den Volltonflächen besitzen die Mitarbeiter die Möglichkeit gelieferte CMYK-Bilder eines Nutzens einzuscannen und zu archivieren. Ist der erste Abzug von Prinect Image Control gemessen, lädt der Drucker das Muster aus dem Archiv. Die Funktion Proof Match erkennt identische Nutzen vollautomatisch auf dem Druckbogen, zeigt diese auf dem Monitor an und vergleicht die Färbung des Druckbogens mit der gewünschten Färbung im Muster. Danach berechnet das System die entsprechenden Einstellempfehlungen für die Farbzonen der Druckmaschine. Damit stellt es sicher, dass alle Nutzen farblich übereinstimmen, erklärt Heidelberg. Das funktioniert auch mit Nutzen aus einem frisch gedruckten Bogen. Dazu bestimmt der Drucker den Nutzen, dessen Färbung auf alle anderen angewendet werden soll, den Rest erledigt Prinect Image Control automatisch. Diese Funktion ist vielen Druckern bereits von der ersten Generation Prinect Image Control bekannt. Neu ist, dass digitale Proofs, beispielsweise von einem Tintenstrahldrucker, als Muster verwendet werden können.

Akzidenzdrucker nutzt Proof Match für exakte Farbe und schnelleres Arbeiten

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Die B&K Offsetdruck GmbH in Ottersweier betreibt Bogenoffsetdruck im Bereich Anzeigenkampagnen, Image Broschüren oder Bildbände. „Wir bekommen Proofs, die wir mit dem Kunden an der Maschine abstimmen. Bevor wir „Proof Match“ nutzten, waren nicht selten sechs bis sieben Stellschritte und entsprechende Makulatur erforderlich, um sehr nahe an den Proof und somit zu einem verkaufbaren Ergebnis zu kommen“, erklärt Hans Geideck. Als Color Management Experte hat er die Entwicklung von Prinect Image Control bei B&K von Anfang an begleitet und freut sich nun über ein schnelleres Arbeiten. „Seit wir Proof Match einsetzen, schaffen wir das oft nach dem zweiten Abzug. Die weitere Optimierung wird dann mit maximal drei Regelschritten im laufenden Betrieb vorgenommen, so dass wir viel Zeit und Einrichtemakulatur sparen. Für unsere Kunden bringt der Einsatz nicht nur Sicherheit. Die Qualität ihrer Auflage wird stets über die Protokolle des integrierten „Quality Monitors“ belegt, was im Reklamationsfall eine große Hilfe darstellt.“

Bei B&K übernimmt die Software weitere Aufgaben. „Eine Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Einsatz ist natürlich ein durchgehendes Colormanagement. Proof und Druck müssen zueinander passen. Durch Messen des Fogra Medienkeils mit Prinect Image Control wissen wir bereits vor dem ersten Abzug, ob mit dem vorhandenen Proof überhaupt eine korrekte Umsetzung im Druck möglich ist“, beschreibt Hans Geideck. „Wir haben unsere Drucker frühzeitig in den Prozess eingebunden, damit alles reibungslos funktioniert. Anfänglich waren sie skeptisch. Heute sind sie von Prinect Image Control überzeugt.“

Deckweiß lässt sich regeln

Eine große Herausforderung im Verpackungs- und Etikettendruck stellt das gleichmäßige Drucken von Deckweiß in einem Offsetdruckwerk dar. Bisher hing die Qualität der Buntfarben immer davon ab, wie gut der Drucker das Deckweiß darunter visuell einrichtete und konstant hielt. Prinect Image Control ist als erstes Farbmesssystem in der Lage, Deckweiß nicht nur zu messen und anzuzeigen, sondern auch zu regeln, sagen seine Entwickler. Das funktioniere auch in Fällen, in denen Deckweiß in mehreren Werken gedruckt werden muss, wie es beim Folien- und Konterdruck üblich ist. Da das Deckweiß im Druckbild in der Regel vollständig mit Buntfarben überdruckt wird, erfolgt die Messung ausschließlich im Druckkontrollstreifen. Dazu genügt ein Messfeld pro Deckweiß im Druckkontrollstreifen.

„Wir drucken Etiketten auf aluminiumbedampften Papier von der Rolle. Für das Messen und Regeln von Buntfarben setzen wir schon lange Farbmesstechnik von Heidelberg ein, während das Deckweiß nach einer von uns entwickelten Methode auf Alu mit dem Handdensitometer gemessen und manuell geregelt werden musste“, beschreibt Josef Stelzle, Abteilungsleiter bei der Firma Engelhardt-Druck GmbH (EE) in Nördlingen. „Unsere EE-Methode wurde nun gemeinsam mit Heidelberg so weiterentwickelt, dass das Deckweiß erstmalig automatisch mit dem Prinect Image Control gemessen und geregelt werden kann.” Hier hilft die neue Funktion von Prinect Image Control gleich mehrfach: Das Deckweiß wird schneller stabil, bleibt gleichmäßiger und damit auch die Buntfarben. „Das spart uns rund fünf bis zehn Minuten pro Auftrag. Durch die spektrale Messtechnik erkennen wir auch Farbverschmutzungen viel früher und können entsprechend reagieren“, zeigt sich Stelzle zufrieden.

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