Nachgefragt: 3 Experten zur Antriebstechnik der Zukunft

Ohne Antriebstechnik kein Industrie 4.0

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Industrie 4.0, IoT, Smart Factory: Entwicklungen, die ohne die Antriebstechnik nicht denkbar wären. Welche technologischen Themen haben hier besondere Bedeutung? Welches Potenzial steckt da noch drin?

Thomas Fey: Wesentliche Erfolgsfaktoren für i4.0-Anwendungen sind Kommunikationsfähigkeit und intelligente Produkte. Elektrische Antriebe befinden sich in Maschinen nahe am Prozess und können daher aufschlussreiche Informationen zum Zustand der Anlage und zum Prozessverhalten liefern. Mit lokaler Intelligenz im Antrieb können diese Daten schnell und effizient bewertet oder vorverarbeitet werden, um entweder im Antrieb sofort relevante Entscheidungen zu treffen oder Prozessparameter zu beeinflussen. Eine frei programmierbare, antriebsbasierte Motion-Logic-Steuerung eröffnet dem Anwender hier breite Möglichkeiten für maßgeschneiderte Lösungen. Ethernet-Kommunikation, die mittlerweile zu einem Standardfeature zeitgemäßer Servoantriebe gehört, erlaubt dann die Datenübertragung an eine übergeordnete Steuerung oder direkt in die Cloud.

Karl-Peter Simon: Am wichtigsten ist die Einführung der Struktur mit der Verwaltungsschale und Abstimmung der Standards mit den Anwendern (VDMA) um nachhaltig die Sicherheit der Applikation und die Wertschöpfung der Antriebstechnik auch in einer vernetzten Welt zu sichern.
Ohne Elektronik wird es in zehn Jahren keinen Motor mehr geben. Neue Strukturen für Netzversorgung (DC Industrie) und Industrie 4.0 werden den Weg hierzu ebnen. Somit ist das Potenzial immens.
So werden zum Beispiel nur 30 Prozent aller neu verkauften Motoren elektronisch geregelt. In der Zukunft werde dies mehr als 60 Prozent sein.
Zu der Frage, wo noch die Hürden liegen: Definition von neuen Strukturen, diese müssen sehr breit abgestimmt werden mit IKT/Lieferanten Antriebe/Hersteller von Anlagen/Endkunden. Diese neuen Strukturen müssen getestet werden, der Markt muss diese akzeptieren, breites Angebot von Herstellern und Standards die international sind.

Frank Maier: Technologisch leben wir immer noch in der Welt von Moore’s Law, die uns kostengünstige Rechenleistung, Netzwerktechnik und auch Sensorik liefert. Somit sind wir heute in der Lage, selbstadaptierende Systeme zu gestalten. Letztlich geht es in der Smart Factory genau darum, durch Selbstadaption jede Umrüstung zu vermeiden, die bei sinkenden Losgrößen bis hin zur Losgröße 1 nicht mehr tragbar ist.
Wenn wir aber die Reglerintelligenz dazu verwenden wollen, um Daten oder besser Information über den Zustand des Antriebsstrangs in ein übergeordnetes System zu schicken, entstehen neue, kritischere Fragen. Dabei steht die Algorithmik „wie komme ich von Daten zu Information zu Wissen“ im Zentrum. Auf Maschinenebene ist die äquivalente Fragestellung die Entscheidungsfindung des selbstadaptierenden Systems. Dazu muss man beispielsweise neue kognitive Fähigkeiten einbauen und diese mit Methoden der künstlichen Intelligenz auswerten. Aber auch vieles mehr. Dies benötigt sehr viel mehr Software Kompetenz als wir zur Verfügung haben, und das nicht nur in der Industrie. Schließlich gibt es auch SmartCity, SmartBank, SmartAgriculture … Das wird eine riesige Herausforderung.

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