Mit rund 100 Teilnehmern und insgesamt elf Ausstellern hat der erste Retrofit Innovation Day am 26. März 2026 im Vogel Convention Center in Würzburg seine erfolgreiche Premiere gefeiert. Die vom Fachmagazin elektrotechnikAUTOMATISIERUNG organisierte Veranstaltung zeigte, wie Unternehmen bestehende Maschinenparks modernisieren können.
Die Besucher freuten sich vor allem über das vielfältige Programm.
(Bild: Stefan Bausewein/VCG)
Retrofit ist so relevant wie nie. Das konnte der Retrofit Innovation Day in Würzburg eindrucksvoll zeigen. Viele Industrieunternehmen stehen nämlich unter hohem Druck: Investitionen werden sehr gezielt getätigt, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Effizienz, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit. Begleitet wurde das vielfältige Programm von einer Fachausstellung, bei der sich Experten und Teilnehmer auf Augenhöhe begegnen und über neue Lösungen austauschen konnten.
Bereits zur Eröffnung machte Michelle Dürksen von Schneider Electric deutlich, dass Retrofitting weit mehr ist als reine technische Modernisierung. Vielmehr fungiere es als strategischer Hebel für Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ermögliche Wachstum, ohne kontinuierlich neue Anlagen produzieren zu müssen. Ihr Appell: „Wir müssen wirtschaftliche Leistung und Nachhaltigkeit zusammen denken. Retrofitting statt Ersatz.“ Ihre Live‑Umfrage im Publikum zeigte, dass bei allen Anwesenden Nachhaltigkeit bereits ein wöchentliches Thema ist.
Von der Strategie zur Umsetzung
Nach dem strategischen Auftakt richtete sich der Blick auf konkrete Umsetzungsschritte. Karl-Peter Fritz von Hahn-Schickard stellte vier Integrationsstufen vor, mit denen sich Bestandsmaschinen schrittweise in vernetzte Produktionsumgebungen überführen lassen.
Eine typische Ausgangssituation vieler Retrofit-Projekte griff Johannes Toloczyki von Bosch Rexroth auf: Während die Mechanik oft weiterhin zuverlässig arbeitet, erreichen Steuerungen ihr Lebensende. Sein Vortrag zeigte praxisnah, wie moderne Hardware integriert werden kann, ohne die bestehende Steuerungssoftware vollständig ersetzen zu müssen. Beim Publikum kam der Beitrag sehr gut an, was die vielen Nachfragen an den Referenten zeigten. Außerdem praktisch: Bosch Rexroth war zusätzlich ein Teil der Ausstellung und konnte das Gezeigte von der Präsentation direkt in der Praxis demonstrieren.
Rechtliche Sicherheit als zentrale Grundlage
Einen Schwerpunkt bildeten regulatorische Fragestellungen rund um die Maschinenverordnung. Jens Müller von Müller & Partner erläuterte anhand eines siebenstufigen Modells, wann ein Umbau als „wesentliche Veränderung“ gilt und unter welchen Umständen Betreiber rechtlich zum Hersteller werden können. Ergänzend zeigte Rüdiger Krauß von der Dekra, wie Altmaschinen strukturiert und normgerecht bewertet werden können.
David Breunig von Retavi betonte die Bedeutung offener, softwaregetriebener Retrofitansätze, um Individualität und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu ermöglichen. Einen schnell messbaren Modernisierungseffekt identifizierte Thomas Droth von Mitsubishi Electric in der Antriebstechnik: Häufig ließen sich erhebliche Effizienzgewinne bereits durch den Austausch von Motor und Umrichter erzielen, während die bestehende Mechanik erhalten bleibt.
Wolfgang Wiedemann von Murrelektronik stellte anschließend dezentrale Automatisierungskonzepte vor, die insbesondere durch flexible Installations- und Kommunikationsstrukturen überzeugen. Dabei rückten auch Safety- und Security-Anforderungen gemäß aktueller Normen in den Fokus.
Praxisbeispiele und Blick in Spezialanwendungen
Den Abschluss bildete ein Praxisbeitrag von Benjamin Zierold (König & Bauer), der zeigte, welche Rolle Retrofits bei der Modernisierung von Sicherheitsdruckmaschinen spielen. Angesichts zunehmend komplexer Fälschungsmethoden ermöglichen technische Upgrades die Integration neuer Sicherheitsmerkmale, ohne vollständige Neuinvestitionen in Maschinenparks.
Austausch als Erfolgsfaktor
Bereits am Vortag hatte eine Werksführung bei König & Bauer den Auftakt zur Veranstaltung gebildet. Während des Konferenztags wurde deutlich: Retrofit ist kein Sparprogramm, sondern ein strategischer Ansatz zur Zukunftssicherung industrieller Produktion.
Als zentrale Erkenntnisse kristallisierten sich drei Key Learnings heraus: Es ist besser, klein anzufangen und dabei strukturiert vorzugehen. Vorbereitung ist dabei genauso wichtig wie bei jedem anderen Projekt auch: Erst messen und prüfen, bevor man investiert, und dabei auch die kommenden Regularien beachten. In diesem Zusammenhang muss auch Governance und Dokumentation frühzeitig geklärt werden.
Der intensive Austausch zwischen Anwendern, Herstellern und Experten zeigte, dass erfolgreiche Retrofitlösungen vor allem im Dialog entstehen.
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