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In der Praxis schneller mit Push-in
Einen zweiten Nachteil der Schneidtechnik sieht Krebs-Rahmlow darin, dass bei Verdrahtungsänderungen der Leiter erneut abgeschnitten werden muss. „Bei der Push-in-Technologie nehme ich den Leiter einfach raus und steck ihn in den neuen Anschlusspunkt“, so Krebs-Rahmlow. Stephan Rabsch als überzeugter Anwender von Federkraftanschlüssen, zu der ja auch die Push-in-Technik gehört: „Durch die Feder wird ein konstanter Druck auf den Draht ausgeübt. Das heißt, auch wenn es mal vibriert und wackelt, bleibt der Kontakt sicher.“ Rabsch nennt vor allem Kostengründe für die Zugfedertechnik, denn mit ihr lassen sich auch flexible Leiter ohne Aderendhülsen anschließen: „Dadurch sparen wir Zeit. Allerdings hat das auch einen Nachteil, denn es werden vor allem fein- und feinstdrähtige Leiter angeschlossen. Gerade bei der Endaufstellung ist schnell ein einzelner Draht abgespleisst, so dass Kurzschlüsse auftreten können.“ Dennoch sieht Rabsch im Vergleich zur Push-in-Technik Vorteile bei der Zugfedertechnik: „Bei unseren feindrähtigen Leitern müsste ich für Push-in-Klemmen Aderendhülsen verwenden. Dann bin ich mit der Zugfederklemme wieder einfacher im Handling und schneller in den Prozesszeiten.“ Hier widerspricht allerdings Jürgen Wegener, Key Account Manager bei Phoenix Contact: „Auch die Push-in-Klemme kann ich als normale Zugfederklemme ohne Aderendhülsen einsetzen. Denn die Klemme hat ja auch einen Drücker, mit dem ich die Feder öffnen kann. Damit hat man eine Klemme für zwei Anwendungen.“ Und Klaus Firschke ergänzt: „Außerdem ist man mit unseren Push-in-Klemmen im Vergleich zu normalen Zugfederklemmen immer noch schneller, auch wenn über den Drücker geöffnet wird. Denn der Verfahrweg des Schraubendrehers bei der Zugfederklemme ist länger als der des Pushers bei der Push-in-Klemme. So ist man auch ohne Aderendhülse noch schneller.“
Kontaktsicherheit ist ein wichtiges Argument
Volker Krebs-Rahmlow bringt schließlich noch ein weiteres Argument für die Push-in-Technik in die Diskussion ein - gerade im Hinblick auf die immer kleiner werdenden Klemmen: „Sie müssen sich folgende Situation vorstellen: Auf der Baustelle, die Leitungen kommen von oben, der Monteur hat keine Leiter und er muss mit einem Schraubendreher in der einen und dem Leiter in der anderen Hand den richtigen Anschlusspunkt treffen. Bei der Push-in-Klemme steckt er den Leiter einfach mit einer Hand rein - ohne Werkzeug. Wenn man mehrere Adern hat und muss die auf engstem Raum verbinden - schneller als mit Stecken geht das nicht.“ Die Push-in-Technik bietet auch in punkto „sichere Verdrahtung“ Vorteile, wie Klaus Firschke ergänzt: „Bei den Push-in-Klemmen habe ich nur eine Öffnung für den Leiter, nicht noch eine zusätzliche Öffnung für ein Werkzeug zum Öffnen der Klemmstelle. Das verhindert, dass der Leiter in die falsche Öffnung gesteckt oder dass die Klemme durch die Verwendung eines nicht geeigneten Werkzeugs beschädigt wird. Zudem hat man dank des Pushers niemals Kontakt zu stromführenden Teilen – sollte doch einmal unter Last umverdrahtet werden, droht kein Risiko.“ Volker Krebs-Rahmlow ergänzt aus seiner Sicht einen weiteren Vorteil: „Bei den Phoenix-Klemmen gibt es eine spezielle Öffnung, über die mit einem Spannungsprüfer eine Messung durchgeführt werden kann, selbst wenn eine Brücke eingesteckt ist.“ Bei dieser Argumentation hört Stephan Rabsch aufmerksam zu: „Die Argumente rund um die Kontaktsicherheit finde ich schon wichtig.“ Umsteigen auf die Push-in-Technik will er aber deshalb noch nicht. Anforderungen an Klemmen sind ja auch von Anwender zu Anwender und von Branche zu Branche unterschiedlich. Gefragt nach den Entwicklungen in der Anschlusstechnik in der Zukunft, gibt Prof. Song eine entsprechend diplomatische Antwort: „Wir haben hier zwei Anwender am Tisch sitzen und haben schon zwei gegensätzliche Entwicklungstrends gehört: Die Standardisierung und die Miniaturisierung. Würden weitere Anwender am Tisch sitzen, hätten wir sicherlich noch andere Punkte genannt bekommen. Es gibt nicht nur eine Entwicklungs-Tendenz bei Klemmen.“
* Olaf Meier, Fachjournalist, Mönchengladbach
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